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Hinterland Rachelshäuser wollen Raser bremsen
Landkreis Hinterland Rachelshäuser wollen Raser bremsen
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21:04 02.05.2017
Der Ortsbeirat überlegt, eine Geschwindigkeitstafel für das Dorf zu kaufen. Quelle: Michael Tietz
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Rachelshausen

Die Gladenbacher Sozialdemokraten steuerten zu ihrer ersten „Fraktion vor Ort“-Aktion in diesem Jahr den höchst gelegenen Stadtteil an. Hier galt das Interesse vor allem der Ortsdurchfahrt und der Feuerwehr. „Es gibt einiges im Dorf zu machen“, sagte Ortsvorsteher Bernd Müller zu Beginn des gut zweieinhalbstündigen Treffens.

Priorität hat für den Rachelshäuser Ortsbeirat die Verkehrsberuhigung. Auf der teilweise schnurgeraden Ortsdurchfahrt gilt das Tempolimit von 50 Stundenkilometern (km/h). Doch nur die wenigsten Verkehrsteilnehmer halten sich wirklich ­daran. Eine Messung am 16. und 17. Februar ergab: Die Durchschnittsgeschwindigkeit der etwa 2 200 Kfz pro Tag lag bei 62 km/h. Mehr als 1 200 Autos und Lastwagen pro Tag fuhren schneller als 61 km/h, zwei Raser gar 116 und 117 Sachen. „Diese Zahlen sind erschreckend, doch Rachelshausen ist kein Einzelfall“, betonte Bernd Müller.

Das unterstrich auch Erster Stadtrat Armin Becker. In fast allen Gladenbacher Stadtteilen hätten die Ortsbeiräte von Problemen mit Rasern berichtet. Um diese auszubremsen, wären bauliche Veränderungen an den Fahrbahnen möglich. Diese gehen jedoch ins Geld – das Gladenbach nicht hat. Beckers Vorschlag: Die Stadt könnte sich ein mobiles Blitzgerät zulegen. „Das wäre günstiger als jeder Straßenumbau, hätte aber vielleicht den besseren Effekt.“

Gladenbach gehört mit anderen Hinterland-Kommunen einem Ordnungsbehördenbezirk an. Diese teilen sich eine mobile Radarfalle. Die „Blitzer-Einsätze“ im Stadtgebiet sind deshalb beschränkt. Mit einem ­eigenen Gerät könnten deutlich öfter Raser ermittelt werden. „Es geht nicht um Abzocke, sondern um Erziehung“, stellte Becker klar.

Schutz der Gesundheit der Feuerwehrleute im Fokus

In Rachelshausen wurde der Vorschlag positiv aufgenommen. Nach Auskunft von Bernd Müller überlegen derzeit auch mehrere Ortsbeiräte aus dem Stadtgebiet, Geschwindigkeitsanzeiger zu kaufen. Diese „blitzen“ den Raser nicht. Sie führen den Autofahrer aber vor Augen, ob er sich an das Tempolimit hält – mit einem Smiley oder ­einem traurigen Gesicht auf der Tafel. Ein solches Gerät kostet rund 2 500 Euro.

Eine weitere Idee: An der Ortsdurchfahrt könnten Schilder „Radarkontrolle“ aufgestellt werden. Auch das würde viele­ Autofahrer davon abhalten, zu sehr aufs Gas zu treten, hieß es. Ab und an müsste dann aber tatsächlich „geblitzt“ werden.
Zunächst soll geprüft werden, ob solche Schilder im Landkreis hier zulässig sind. „Das wären kostengünstige und wirkungsvolle Maßnahmen“, sagt sich Ortsbeiratsmitglied Fred Debus.

Ausführlich diskutierten die Sozialdemokraten mit Ortsbeirat und Vertretern der Feuerwehr über den Zustand der Feuerwache im Dorfgemeinschaftshaus. Hier gibt es ebenfalls Handlungsbedarf. Das hat auch der Bedarfs- und Entwicklungsplan für alle Feuerwehren im Stadtgebiet deutlich macht.

In Rachelshausen müssen zwei Probleme gelöst werden: die fehlende Schwarz-Weiß-Trennung und das enge Tor in der Garage. Derzeit befinden sich Spinde der Einsatzkräfte und Löschfahrzeug noch in einer Halle. Für die Aktiven muss aber aus gesundheitlichen Gründen separat eine Umkleidemöglichkeit bestehen.

Dies könnte laut Wehrführer Alexander Kuhl und Stefan ­Debus, Vorsitzender des Feuerwehrvereins, durch eine Zwischenwand in der Halle einfach umgesetzt werden. Gleichzeitig könnte dann das Ausfahrtstor nach rechts versetzt und etwas größer gestaltet werden.
Drei Wünsche hatte der Ortsbeirat für den Haushalt der Stadt angemeldet: Auf dem Friedhof soll im hinteren Teil ein barrierefreier Verbindungsweg zwischen den beiden Grabreihen geschaffen werden, der Eingang am Dorfgemeinschaftshaus bräuchte eine Überdachung.

Außerdem müsste der Hauptweg auf dem Friedhof gepflastert werden. Letzteres würden die Rachelshäuser Bürger in Eigenleistung übernehmen, wenn die Stadt das Material zur Verfügung stellt und der Bauhof beim Ausbaggern und Setzen der Randsteine hilft.

von Michael Tietz

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