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Hinterland Fahrerflucht endet mit Strafbefehl
Landkreis Hinterland Fahrerflucht endet mit Strafbefehl
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00:18 03.03.2019
Bis in den Vormittag des 27. Oktober 2017 hinein sperrte die Polizei die Unfallstelle in Wolzhausen ab, damit ein Gutachter den ­Hergang rekonstruieren konnte. Quelle: Thorsten Richter
Wolzhausen

Wer die Schelde-Lahn-Straße im Breidenbacher Ortsteil Wolzhausen passierte,­ sah am Bürgersteig Blumen und Kerzen, die an das Opfer des Verkehrsunfalls erinnerten. Dort, mitten im Ort, starb in den Morgenstunden eine 76-jährige Zeitungsausträgerin, während der Verursacher vom Unfallort floh, den Polizisten aber noch am selben Tag überführten. Wie Nicolai Wolf, Sprecher der Marburger Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der OP nun erklärt, endete das juristische Verfahren gegen den Gießener im Juni 2018 mit einem Strafbefehl. Der Verurteilte hat 60 Tagessätzen zu je 30 Euro, insgesamt 1 800 Euro, zu zahlen.

Ein Strafbefehl dient der Verfahrensvereinfachung, führt zu einer rechtskräftigen Verurteilung und kann auf Antrag eines Staatsanwalts von einem Gericht ohne mündliche Verhandlung erlassen werden.
Im Falle des Gießeners war laut Staatsanwalt Wolf der Hergang klar und der Beschuldigte geständig. Zudem sei eine höhere Strafe nicht zu erwarten gewesen, erklärt Wolf, da der tödliche Unfall für den Verurteilten weder vorherseh- noch vermeidbar gewesen sei. Auch hätte dem Opfer aufgrund der erlittenen Verletzungen nicht mehr geholfen werden können.
Deshalb wurde der Gießener nur wegen Unfallflucht zu ­einer Geldstrafe verurteilt. Auf die ­einer Unfallflucht in der ­Regel folgende Entziehung der Fahrerlaubnis wurde „aufgrund außergewöhnlicher persönlicher Umstände“ des Verurteilten verzichtet. Um welche Umstände es sich handelt, erklärte Wolf nicht, da damit eine leichte Identifizierung des Verurteilten möglich sei.
Der Unfall schockierte einen Teil der Wolzhäuser. Viele bekamen erst etwas davon mit, als Polizeifahrzeuge in den Morgenstunden den 27. Oktober, ein Freitag, die Schelde-Lahn-Straße für eine Unfallaufnahme sperrten. Zuvor hatte ein Verkehrsteilnehmer um 5.20 Uhr Polizisten darauf hingewiesen, dass ein lebloser Körper auf der Fahrbahn der Landesstraße 3049 liegt.

Schneller Fahndungserfolg nach geflüchtetem Fahrer

Wie sich später herausstellte, starb dort die 76-Jährige an ihren vielfachen Verletzungen, nachdem sie ein Auto erfasste. Zu klären war, wie sich der Unfall ereignete und wer der Verursacher war. Dieser beging nämlich Fahrerflucht. Vergeblich, denn den zahlreichen Polizisten gelang ein schneller Fahndungserfolg. Hilfreich war dabei die öffentliche Fahndung, die mehrere Hinweise bei der Polizei in Biedenkopf einlaufen ließ und die Ermittler auf die Spur eines Gießener brachten.

Noch am selben Vormittag nahmen Ermittler diesen in seiner Wohnung fest. Die am Unfallort gefundenen Fahrzeugteile passten zum weißen Typ-3-­Golf des damals 30-Jährigen. Dieser räumte ein, das Fahrzeug zur Unfallzeit in Wolzhausen gelenkt zu haben. Einen­ wahrgenommenen Zusammenstoß habe er aber nicht auf die Kollision mit einem Menschen zurückgeführt, gab er den ­Ermittlern an. Der Verdächtige übergab freiwillig seinen Führerschein. Anhaltspunkte­ für ­Alkohol- oder Drogenkonsum des Verdächtigen ergaben sich nicht. Der Staatsanwalt wartete­ noch auf das Ergebnis eines ­Unfallgutachtens, um den ­Ablauf des Unfalls zu bewerten.

von Gianfranco Fain