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Hinterland Angeklagter sieht Opfer nur per Video
Landkreis Hinterland Angeklagter sieht Opfer nur per Video
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00:18 18.08.2018
(Archivbild) Vor dem Landgericht Marburg muss sich ein Biedenkopfer wegen Kindesmissbrauchs verantworten. Quelle: Thorsten Richter
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Biedenkopf

Im Missbrauchsprozess gegen einen 42-jährigen Biedenkopfer berichtete eine Polizistin von den umfangreichen Ermittlungen. „Eine Vielzahl von Verfahren“ gegen den Mann gingen über die jetzige Anklage hinaus.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten 70-fachen Kindesmissbrauch an seiner zum Tatzeitpunkt elf bis zwölf Jahre alten Stieftochter vor. Zudem sollen Kinder ehemaliger Lebensgefährtinnen in Dautphetal, Steffenberg und Homberg/Efze Opfer geworden sein, in einem Fall habe er dabei ein Mädchen vergewaltigt. Darüber hinaus steht eine Vielzahl von Körperverletzungen an Schutzbefohlenen im Raum. Der Angeklagte bestreitet alles.

Vom Vorwurf der Vergewaltigung seiner Ex freigesprochen

Bereits im Jahr 2015 sprach ihn das Marburger Amtsgericht aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf der Vergewaltigung einer seiner vielen ehemaligen Partnerinnen frei.

In diesem Zusammenhang habe sich seine Schwester bei ihr gemeldet und erstmals von Kindesmissbrauch berichtet, so die Polizistin. Später habe sie vom Kreisjugendamt den Hinweis erhalten, dass die Stieftochter den Biedenkopfer belastet habe. Daraufhin habe sie das Kind vernommen.

Die Videoaufzeichnung davon sah sich das Gericht bereits am ersten Verhandlungstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit an. Die Aussagen des mutmaßlichen Opfers und ­ihrer jüngeren Schwester fanden nun ebenfalls ohne Publikum statt. Die jüngere Schwester, so die Polizistin, habe in ­einem Tagebucheintrag geschrieben: „Ich habe meine Schwester beim Sex gesehen, das fand ich eklig.“ Ihr gegenüber habe das Kind aber nichts gesagt. Im Zuge der Ermittlungen habe sie mehrere ehemalige Partnerinnen vernommen, die teilweise ebenfalls ausgesagt hätten, Opfer sexueller Gewalt geworden zu sein. Derartige Vorwürfe waren auch im Prozess von 2015 erhoben worden.

Mädchen haben Angst vorm Angeklagten

Einige Fälle wurden vor dem jetzigen Prozess im Hinblick auf die Schwere der verbleibenden eingestellt. So auch der Fall eines etwa zweijährigen Mädchens, bei dem im Kindergarten auffällige Verletzungen im Intimbereich festgestellt wurden und das so etwas wie „der Papa piekst“ gesagt haben soll. Den beiden Töchtern der jetzigen Ehefrau des Biedenkopfers, geht es laut einer Jugendamtsmitarbeiterin, die die Vormundschaft innehat, wieder gut.

„Man hat gemerkt, dass ein Stein gefallen ist, seit sie aus der Familie genommen wurden. Es gab sogar Nachtisch, vorher mussten sie noch Leitungswasser trinken“.

Ihre Mutter ist noch mit dem Angeklagten verheiratet. Die Kinder leben jetzt wieder bei ihrem leiblichen Vater. Dieser, so sicherte der vorsitzende Richter, Thomas Wolf, dem 42-Jährigen zu, werde, wenn er das Gericht betrete zum Schutz des Angeklagten besonders gründlich durchsucht und während der Aussage seiner Töchter sei auch ein Wachtmeister anwesend.

Der 42-jährige Angeklagte konnte die Vernehmung der Mädchen auch nur per Video-Übertragung verfolgen. Sie, so ihr Vormund, hätten nach wie vor Angst vor dem Mann.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.

von Heiko Krause

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