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Sie schuften, um zu chillen

Europaschule Sie schuften, um zu chillen

Sie sägen, bohren und streichen, schleppen schwere Steine, bauen mit Holz und kochen für eine ganze Kolonne. 50 Jugendliche der Gladenbacher Europaschule arbeiten auf ihr großes Ziel hin: einen chilligen Schulhof.

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An der großen Kreissäge brachten Schülerinnen die Bohlen für die Terrasse auf Maß.

Quelle: Michael Tietz

Gladenbach. Kuli, Füller und Papier konnten die Schüler aus den Jahrgangsstufen 10 und 11 zuletzt getrost zu Hause lassen. Stattdessen gehörten Kreissäge, Hammer, Bohrmaschine, Pinsel und Betonmischer für sie zur Grundausstattung. Ihre­ Klassenräume tauschten die 50 ­Jugendlichen während der Projektwoche gegen den Schulhof beziehungsweise die Küche ein. Mitgestalten, anpacken und verpflegen war angesagt.

Für ihre Pausen und Freistunden stehen den Schülern große Freiflächen auf mehreren Ebenen zur Verfügung. Gemütlich machen konnten sie es sich hier aber nicht so richtig. Sitzmöglichkeiten und Tische fehlten.­ Diesen Mangel beheben die ­Jugendlichen nun selbst.

„Ein lang ersehntes Projekt“, freut sich Schulleiter Michael Prötzel über den kurz vor dem Abschluss stehenden ersten Bauabschnitt. Viele Beteiligte tragen zu dessen Gelingen bei: neben den engagierten Jugendlichen auch der Kreis und der Förderverein der Europaschule. Sie finanzieren die Arbeiten. Der Förderverein steuert 20.000 Euro bei. Das Geld stammt aus den beiden jüngsten Sponsorenläufen. Den Großteil des 100.000 Euro teuren Vorhabens trägt der Kreis.

Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Im Oktober 2017 liefen die ­Detailplanungen dafür an. Über die Schülervertretung gelangte ein Fragebogen in die Klassen. „Ganz oben auf der Wunschliste standen Sitzgelegenheiten, schattige Plätze zum Arbeiten und Tische“, erzählt Lehrerin Jeanette Bunde. Sie und ihre beiden Kollegen Jörg Rinke und Elke Conradi-Pinther betreuen das Projekt.

Der Kreis als Schulträger holte die Organisations- und Beratergesellschaft Alea („Anders lernen durch Erfahrung und Abenteuer“) ins Boot. Mit der Firma arbeitete die Europaschule­ auch schon 2011 beim Bau des „Baumstamm-Mikados“ für den Schulhof zusammen. Sechs Alea-Mitarbeiter geben den ­jungen Hobbyhandwerkern Anleitungen, erklären ihnen den Umgang mit den Maschinen und geben Tipps für eine fachgerechte Arbeitsweise. Wichtig: Sie begegnen den Schülern auf Augenhöhe – und das kommt gut an.

Chill-Terrasse hat 120 Quadratmeter

„Die Stimmung ist sehr gut, überall ist Teamwork angesagt“, sagt Bunde. Noah aus der Jahrgangsstufe 11 erzählt: „Es macht einfach Spaß, wir planen mit und dürfen alle Maschinen bedienen – bis auf den Bagger.“ Die Kälte habe ihnen anfangs etwas zu schaffen gemacht. Vor allem auch deshalb, weil der Boden noch gefroren war. Freude und auch ein wenig Stolz mache sich breit. Denn man sehe jeden Tag, was auf dem Schulhof entsteht, sagt Samuel.

Die beteiligten 50 Schüler sind in drei Teams eingeteilt. 35 gehören dem Bautrupp an. Sie pflastern eine 200 Quadratmeter große Fläche am Pavillon. Dieser wird von Fachleuten repariert und bekommt auch ein neues Dach. Um den Hang ­abzufangen, setzen die Schüler auf 30 Metern Länge große L-Steine. Die wiegen fast 100 Kilo – pro Stück.

Gemeinsam meistern die ­Jugendlichen die Aufgaben. Sie bauen Tische, möbeln die Bänke aus dem „grünen Klassenzimmer“ auf und sägen die Holzbohlen zurecht. Letztere­ 
werden für das größte Bauobjekt benötigt: die 120 Quadratmeter große Chill-Terrasse. Sie erstreckt sich über den Hang zwischen dem unteren und mittleren Schulhof. Zwischendrin werden Chill-Netze eingebaut. „Darin können die Schüler künftig gemütlich liegen“, erklärt Andreas Bostroem, Alea-Projektleiter. Auf dem Rest der Hangfläche soll eine Blumenwiese angelegt werden.

Einweihung nach den Osterferien

Zwölf Mädchen engagieren sich im Verpflegungsteam – sie bereiten Brötchen und Kaffee fürs Frühstück vor, tischen ­jeden Tag ein Drei-Gänge-Menü zu Mittag auf und versorgen die Arbeiter am Nachmittag noch mit Kuchen. „Wir werden ökologisch-regional versorgt“, betont Bostroem. Für die Speisen bezahlen die Schulhofgestalter jeden Tag einen Euro. „Ein toller Service“, lobt auch der Schulleiter das Küchenteam. Einige Schüler sind in der ­Dokumentationsgruppe im ­Einsatz. Sie interviewen ihre Mitschüler, filmen und fotografieren die Arbeiten.

Nach den Osterferien – am 10. April – wird der erste Bauabschnitt des neugestalteten Schulhofs eingeweiht. Im Frühjahr 2019 sollen dann die restlichen Arbeiten folgen: Am Rondell sollen ebenfalls neue Sitzmöglichkeiten entstehen. „Ein schönes Projekt, wir haben alles richtig gemacht“, freut sich Schulleiter Prötzel über die Gemeinschaftsleistung.

von Michael Tietz

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