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Professionelle Reiniger „kärchern“ Asbestdach

Amtsgericht Professionelle Reiniger „kärchern“ Asbestdach

Wegen des fahrlässigen Umgangs mit gefährlichen Abfällen und des Verstoßes gegen das Chemikaliengesetz muss ein 33-jähriger Gebäudereiniger eine Geldstrafe von 960 Euro zahlen.

Gladenbach. In einer gestrigen Verhandlung vor dem Amtsgericht Biedenkopf führten Zweifel des Richters Mirko Schulte gegenüber einem 33-Jährigen dazu, dass ein gegen ihn angestrengtes Verfahren relativ glimpflich ausging. Schulte sprach von einem selbstmörderischen Einsatz, den der Angeklagte und sein Helfer, der vor Gericht nicht erschien, geleistet hätten.

Seitens der Staatsanwaltschaft Marburg, vertreten durch Jakob Bernhardt, wurde dem Angeklagten zur Last gelegt, fahrlässig im Umgang mit gefährlichen Abfällen gehandelt und zudem gegen das Chemikaliengesetz verstoßen zu haben, indem der Mann im vergangenen Jahr am 13. und am 14. April in Gladenbach ein mit Eternitplatten gedecktes Dach, auch Berliner Wellen genannt, mit einem Hochdruckreiniger säuberte und dabei gefährliche Asbestfasern freisetzte.

Zudem wurde das Reinigungswasser nicht vollständig in Behältern aufgefangen, sodass sich Asbestfasern an der Fassade, der Garageneinfahrt und auf den Waschbetonplatten absetzten. Der Hauseigentümer beauftragte daraufhin einen Sachverständigen, ein Gutachten zu erstellen.

Der Verteidiger erklärte, dass sein Mandant sich zunächst nicht äußern werde, und dass das Verfahren eingestellt werden solle. Der Zeitpunkt des Vorgangs sei ungenau genannt und der Sachverständige hätte lediglich ein Gutachten angefertigt, ohne Bodenproben zu nehmen. Zudem drohe dem Angeklagten noch die Gutachterkosten und eine Rechnung der Stadt Gladenbach über die Beseitigung der Verunreinigungen bezahlen zu müssen. Mittlerweile sei das besagte Dach auf Anraten des Dachdeckers wegen des Asbest­gehaltes neu eingedeckt worden. Die Aussage eines Dachdeckers stimme so nicht, bemerkte der Verteidiger, ein Asbestdach könne bleiben, wenn dieses abgedichtet sei und sich daraus keine Teile lösen.

Der Angeklagte berichtete, dass er seit etwa zehn Jahren Reinigungen von Gebäuden vornehme, Dächer seien eher selten darunter. Warum er sich gerade dieses Dach ausgesucht habe, wollte Richter Schulte wissen und ob er sich noch nie mit Eternitplatten und der davon ausgehenden Asbestgefahr befasst habe? Dies verneinte der Angeklagte.

Wenn er von Anfang an die Freisetzung der Asbestfasern in Kauf genommen habe, könne dies auf ein Berufsverbot oder auch auf versuchten Betrug hinauslaufen, erläuterte Schulte dem Angeklagten, zumal für die Reinigung vertraglich eine Summe von etwa 5 000 Euro vereinbart worden sei. Eine Einstellung des Verfahrens komme daher für ihn nicht in Betracht.

Daraufhin konnte sich der Verteidiger eine moderate Geldstrafe in Anbetracht des geringen Einkommens des Angeklagten gut vorstellen. Staatsanwalt Bernhardt sah den Schuldvorwurf aufgrund der Einlassung des nicht vorbestraften Angeklagten und der Beweisfotos als gegeben und forderte eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 12 Euro.

Schulte legte seinem Urteil dieses Strafmaß zugrunde und verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 960 Euro zahlbar in monatlichen Raten zu 50 Euro. Zwar hätten Dekontaminationen von Hecke und Hof einen erheblichen Sanierungsaufwand mit sich gebracht, doch der Angeklagte habe Verantwortung übernommen und geäußert, dass er nie wieder Berliner Wellen reinigen werde.

von Helga Peter

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