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Hinterland Post von der Geschäftsführung
Landkreis Hinterland Post von der Geschäftsführung
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06:16 16.03.2012
Besorgter Blick in Richtung Klinikum: Eine Reinigungskraft sorgt sich um ihre Zukunft in Marburg. Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die Nachricht vom Erhalt der Unterlagen erreichte die Marburger Betriebsrats­chefin in Bad Neustadt.

Dort trafen sich sämtliche Betriebsräte der Rhön-Klinikum AG. „Der Stellenplan ist gekommen. Ich konnte aber noch nicht einsehen, wie ausführlich uns die Angaben vorliegen“, sagt die Marburgerin und will nun in den nächsten Tagen intensive Gespräche mit der Rechtsabteilung führen und dann weitere Schritte planen.

Fest steht, die Spitze des Uniklinikums Gießen und Marburg (UKGM) hat ihr Versprechen gehalten. Diese Unterlagen werden auch Thema am Freitag im Wirtschaftsausschuss sein, der in Gießen tagt. Externe Sachverständige, die schon regelmäßig von der Gewerkschaft Verdi beauftragt wurden, werden mit an den Tisch kommen und Empfehlungen aussprechen.

So weit wird es am morgigen Donnerstag nicht kommen. Das geplante Kennenlernen der von der hessischen Landesregierung berufenen Mediatoren Friedrich Bohl (CDU) und Wolfgang Gerhardt (FDP) wird vorerst nicht zustande kommen. Zum einen, weil der UKGM-Betriebsrat nicht vollzählig vertreten sein könnte. Zum anderen beklagt die Arbeitnehmerseite den Rahmen, in dem dieses erste Treffen angesetzt wurde. „Wir wurden nicht gefragt. Wir wissen nicht einmal, wer alles mit am Tisch sitzen soll“, sagt Bettina Böttcher.

Für sie steht fest, in der Entscheidungsfindung wurden Betriebsräte und der eigenständige Personalrat übergangen. Darüber hinaus bevorzugt Böttcher nur eine Person, die als Mediator auftritt, und nicht zwei. „Wir haben eine Demokratie. Da können sich alle fair auf einen Namen einigen.“

Sie möchte in diesem Zuge betonen, nicht als Verhinderer zu agieren, sondern „als Verhandlungspartner auf Augenhöhe. Dazu muss man Spielregeln einhalten.“ Ein Folgetermin könnte der 23. März sein. „Bis dahin werden wir aber noch einiges bewegen müssen.“
Von einer Mediation im Gesamtkonzern ist derweil keine Rede.

Gestern trafen sich die Betriebsräte aus den 53 der Rhön-Klinikum AG gehörenden Krankenhäusern am Hauptsitz in Bad Neustadt.  Auch die Konzernspitze mit dem Vorstandsvorsitzenden und zuletzt scharf kritisierten Wolfgang Pföhler stellte sich dem Gremium.

Eine offizielle Stellungnahme über Inhalte gab es von der Rhön AG nicht. Pressechef Hans-Jürgen Heck verwies darauf, es habe sich um eine vertrauliche Sitzung gehandelt. Am Rande der Veranstaltung sickerte jedoch durch, dass sich Pföhler gegenüber der Versammlung zu den Gerüchten um einen Stellenabbau der Größenordnung 8.000 geäußert hat – das hätte fast jede fünfte Stelle betroffen. Es habe keine Überlegung dieser Art im Konzern gegeben, sagte der Rhön-Chef, der gleichzeitig auch UKGM-Aufsichtsratsvorsitzender ist. 

von Carsten Bergmann