Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 9 ° Sprühregen

Navigation:
Possen und Poesie begeistern

Schlossfestspiele Possen und Poesie begeistern

Wer immer schon mal wissen wollte, was „Bäireköpper“ mit Mongolen gemeinsam haben, dem erteilte die vierköpfige Gruppe „Meelstaa“ bei den Schlossfestspielen eine Nachhilfestunde.

Voriger Artikel
Buslinie nach Gießen: Lohra atmet auf
Nächster Artikel
Das vergessene Baugebiet steckt in der Warteschleife

Mit Witz und Poesie wurde dem Publikum auf musikalische Art und Weise erklärt warum es keine gute Idee ist, einen „Wissicher“ allzu sehr zu reizen. Die Gruppe „Meelstaa“ trat bei den Schlossfestspielen am Mittwochabend auf und begeisterte mit mittelhessischer Heimatgeschichte.

Quelle: Sascha Valentin

Biedenkopf. Dabei entpuppten sich Frontmann Berthold Schäfer und seine Bandkollegen als wahre Mundartpoeten, denen es auf wunderbare Weise zu zeigen gelang, dass auch den unscheinbaren Dingen des Alltags etwas Besonderes innewohnt.

So lässt sich sicherlich trefflich darüber streiten, ob einer gemeinen Erkältung unbedingt ein Lied gewidmet werden sollte. Bei „Meelstaa“ jedoch wird selbst der schlimmste „Schnobbe und Hoaste“ zu einer vergnüglichen Farce über die Wehleidigkeit mancher Zeitgenossen angesichts des drohenden Endes, das sich deren Meinung nach durch die triefende Nase ankündigt.

Und auch der selbst ernannte Heimwerkerkönig, der beim Austausch der Glühbirne bisweilen mehr Schaden anrichtet als die Versicherung zu zahlen imstande wäre, bekommt von dem munteren Quartett ein musikalisches Denkmal gesetzt.

Mit ihrem herzlichen Humor und ironischen Übertreibungen gelingt es den Musikern immer wieder, den Menschen im Publikum ein Lachen ins Gesicht zu zaubern.

Denn dass alle Wiesecker per se „Wissicher Stecher“ sind, die mit ihrem Messer jeden niedermeucheln, der ihnen vor die Klinge läuft, ist im Falle „Meelstaas“ keine Beleidigung, sondern ein musikalischer Ritterschlag für die Besungenen.

„Losst uis Imwege gieh“

Denn genau das macht den Charme ihrer Lieder aus: Sie erzählen davon, was jeder kennt, in einer Sprache, die jeder spricht - zumindest wer den Dialekt beherrscht.

Deswegen können sich die „Fäägmeel“-Erben auch nach Herzenslaune einmal quer durch den Kalender bewegen - Stoff für Lieder finden sie dabei in jedem Monat zuhauf. Ob das nun die melancholische Ode an den Herbst des Lebens ist oder das Aufblühen der Natur beim „daanze un spreenge im Mai“.

Dass sie aber nicht nur die Possen beherrschen, sondern ebenso die Poesie, zeigten die „Meelstaa“-Musiker mit durchaus tiefsinnigen Texten, die auch einmal zum Innehalten und Besinnen verleiteten. So weckten sie mit „Weit un noh“ die oftmals vergessen geglaubten Erinnerungen an eine unbeschwerte Kinder- und Jugendzeit auf dem Land, erzählten vom „kleene Glick inner Mensche“ oder stimmten ein Hohelied auf ein entschleunigtes Leben an, indem sie appellierten: „Losst uis Imwege gieh, Imwege sei doch su schie!“

Die Antwort auf die Frage nach den Gemeinsamkeiten von Biedenköpfern und Mongolen blieben die munteren Liedermacher ihrem Publikum übrigens auch nicht lange schuldig. Irgendwie ähnele der Biedenköpfer Dialekt dem kehligen Grunzen der Mongolen, stellten die „Meelstaa“-Musiker im Dialog mit ihren Zuhörern fest.

Für solche Erkenntnisse und seine herrlich entschleunigende Musik muss man das Hinterländer Quartett einfach lieben.

von Sascha Valentin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr