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Podium positiv, Saal auch skeptisch

Energiewende Podium positiv, Saal auch skeptisch

In 140 Minuten waren im Bürgerhaus Friedensdorf Informationen und Meinungen zur Energiewende zu hören. Lange mussten die Wissbegierigen unter den rund 90 Zuhörern jedoch warten, bis sie fragen durften.

Friedensdorf. Am Mittwochabend fand im Bürgerhaus Friedensdorf eine Podiumsdiskussion zum Thema „Dautphetal auf dem Weg zur Energiewende“ statt (die OP berichtete). Unter der Moderation von Dr. Peter Moser von DeEnet in Kassel formulierten die Teilnehmer ihre Einschätzungen.

So betonte Professor Hans Ackermann, vom Arbeitskreis Energie beim BUND Hessen, die Energiewende sei eine knallharte Notwendigkeit, wobei ihr Gelingen entschlossenes Handeln und Vorreiterbereitschaft benötige. Ziel müsse sein, die benötigte Energie komplett regenerativ herzustellen. Die Energiewende müsse von den Bürgern getragen werden und gesellschaftliche Akzeptanz finden. Zudem müsse mittel- bis langfristig ein Drittel Energie weniger verbraucht werden.

Wasserkraftwerksbetreiber Dr. Ronald Steinhoff erläuterte das Kosten-Nutzen-Verhältnis erneuerbarer Energien und berichtete, dass die EEG-Umlage von 3,5 auf 5 Cent pro Kilowattstunde erhöht werde. Erneuerbare Energien würden Umweltschäden vermeiden und fördern die Wertschöpfung sowie neue Arbeitsplätze in der Region.

Joachim Wirlemann, Hessischer Landesvorsitzender des Bundesverbandes Windenergie, wies darauf hin, dass zwei Prozent der Landesflächen als Vorrangflächen für Windenergie ausgewiesen werden sollen, wobei der meiste Wind über bewaldeten Bergen wehe. Wirlemann behauptete, dass Windenergie aus Off-Shore-Anlagen doppelt so teuer sei, wie die in Hessen produzierte Windenergie.

Jörg Hartmann, Netztechnik-Leiter der Eon Mitte, wies darauf hin, dass für die vor Ort erzeugte Energie Speichermöglichkeiten und eine intelligente Netzlösung fehlen. Zudem vermisst er bei der Umsetzung dieser Energiewende den Masterplan. Es sei volkswirtschaftlich nicht vertretbar, wenn Windkraftanlagen (WKA) erstellt und der Netzausbau nicht im selben Tempo erfolge. Deshalb müsse der Anlagenbau dem Tempo des Netzausbaus angepasst werden.

Dekan Matthias Ullrich sprach sich für eine Energiewende mit Augenmaß und Bürgerbeteiligung aus. Hinsichtlich der nicht ausgewogenen Kosten-Nutzen-Rechnung schlug er Ausgleichszahlungen aus den Ballungszentren in den erzeugenden ländlichen Raum vor.

Landrat: Es bleibt bei 168 Windrädern im Kreisgebiet

Der Vorsitzende der Gemeindevertretung Gerd Raach sprach sich für eine verträgliche Windkraft aus. Diese wolle die Gemeinde selbst in die Hand nehmen, um die Bürger möglichst wenig zu belasten.

In der Fragerunde wies Reinhold Leinweber, Vorsitzender der BI Holzhausen, darauf hin, dass in England Windkraftanlagen einen Abstand von 2000 Meter zur Wohnbebauung haben müssten. Ferner sagte er, dass ein Drittel der Windparks in Deutschland nicht die Zinsen und Tilgungsraten erwirtschafteten. Dann fragte er, ob sich die Anzahl der WKA im Landkreis nicht erhöhen würde, wenn von insgesamt etwa 4600 vorgesehenen WKA mit 3 oder 4 Megawatt Leistung in Hessen rund 270 auf den Landkreis entfielen, in vielen Teilen Hessens eine Verwirklichung von WKA aber nicht möglich sei.

Landrat Robert Fischbach antwortete, dass zwei Prozent der Flächen für den Kreis 168 WKA bedeuteten. Er denke nicht, dass sich die Anzahl erhöhe.

Ein Bürger monierte, dass die Ärmsten der Gesellschaft die höchsten Kosten der Energiewende trügen, und diese gegenüber dem Ausland zum Teil doppelt so hohen Stromkosten bald nicht mehr zahlen könnten.

Franz Kind von den Roth Werken berichtete, dass die Firma jährlich etwa 750000 Euro an EEG-Abgabe zahle und forderte, das Abgabengesetz zu ändern, um die Wirtschaft zu entlasten.

Verwunderung: Auf Podium keine Energiewendegegner

Ein Bürger aus Holzhausen äußerte seine Verwunderung darüber, dass es unter den Podiumsteilnehmern keine negativen Stimmen zur Energiewende gab. Erwin Koch aus Diedenshausen bemerkte etwas süffisant, dass nach seinem Empfinden Dörfer mit weniger als 500 Einwohner gute Windkraftstandorte seien. Gleichzeitig stellte er infrage, ob bei einer Standorthöhe von 400 Metern die Wirtschaftlichkeit der WKA gewährleistet sei.

Bürgermeister Bernd Schmidt wies darauf hin, dass Berechnungen der Wirtschaftlichkeit Voraussetzungen für die Finanzierung eines Windparks seien. Die Höhenlagen für WKA lägen überwiegend an den Grenzen zu Nachbarkommunen, mit denen eine Zusammenarbeit angestrebt werde.

von Klaus Peter

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