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Planer legt Zahlen für Windpark vor

Bürgerversammlung Planer legt Zahlen für Windpark vor

Während der Breidenbacher Bürgerversammlung konkretisiert sich das Vorhaben um den geplanten Windpark Schwarzenberg.

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Ein Windrad im Sonnenuntergang. Breidenbach und Biedenkopf planen einen interkommunalen Windpark.

Quelle: Jens Büttner

Breidenbach. Unaufgeregt ist in Breidenbach der geplante Windpark Schwarzenberg diskutiert worden. Niemand stellte das Vorhaben offen in Frage, es wurden keine persönlichen Vorwürfe erhoben, die Argumentation blieb sachlich. Dabei haben die Besucher bei der zweiten Bürgerversammlung zum Windpark sehr wohl kritisch nachgefragt - und viel Neues erfahren.

Peter Künkel (BL), stellvertretender Vorsitzender der Gemeindevertretung, stellte gleich bei der Begrüßung der rund 50 Gäste klar: „Wir sind nicht an Gerüchten interessiert.“ Außerdem gehe es längst nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie. Da der Schwarzenberg nun einmal ausgewiesene Vorrangfläche sei, würden sich dort ohnehin bald Windräder drehen. Wenn nicht - wie derzeit geplant - die Gemeinde selbst aktiv werde, dann private Investoren.

Künkel räumte auch unumwunden ein, dass es hier um „einschneidende Veränderungen“ geht und man natürlich über „ein wunderschönes Waldgebiet“ diskutiert.

Bürgermeister Werner Reitz (SPD) wies aber gleichzeitig auch noch einmal auf die angestrebte Energiewende hin - und auf die Chancen, wenn die Wertschöpfung in der Region bleibt. War das Projekt bei der ersten Bürgerversammlung im April noch etwas schwammig geblieben, so konnten die Breidenbacher diesmal von dem anwesenden Experten schon sehr viel konkretere Angaben zum Windpark erfragen. Stefan Bauch vom Kasseler Planungsbüro „Cube“ stellte den Stand der Überlegungen vor.

Einige Vorarbeiten laufen noch, zum Beispiel das Erstellen eines sogenannten ornithologischen Gutachtens, das prüft, ob auf bestimmte Tiere Rücksicht genommen werden muss. Trotzdem wurde schon sehr viel klarer, wie der Windpark Schwarzenberg, an dem sich auch Biedenkopf beteiligen will, aussehen könnte. Und es wurden diesmal eine Reihe von Zahlen genannt:

  • 10 Windkraftanlagen könnten sich am Ende auf dem Schwarzenberg zwischen Breidenbach, Biedenkopf und Eckels­hausen drehen. Wenn man alles „ausknautschen“ würde, bekäme man auch noch mehr Anlagen unter, so Stefan Bauch, aber das ergebe keinen Sinn.
  • 6 zu 4 wäre die Verteilung der Anlagen auf den Gemarkungen Breidenbach und Biedenkopf. Sechs Windräder würden sich innerhalb der Breidenbacher Vorrangfläche drehen. Weitere vier stünden ein Stück weiter östlich auf Biedenkopfer Gemarkung.
  • 120 bis zu 140 Meter Nabenhöhe werden die Anlagen, die aufgestellt werden sollen, haben. „Wir brauchen hier nun einmal sehr hohe und große Anlagen, da der Wind nicht so stark weht wie etwa an der See“, erklärte der Planer der Versammlung.
  • 2 bis 3 Megawatt ist die angestrebte Nennleistung der Anlagen. Bei so einem Windrad geht man von bis zu fünf Millionen Kilowattstunden Strom aus, die es pro Jahr erzeugt. Damit könnten umgerechnet etwa 1500 Haushalte mit Strom versorgt worden.
  • 117 Meter ist der maximale Durchmesser, den ein Rotor im Windpark Schwarzenberg haben wird. Das bedeutet, ein Windrad bringt es bis zur Spitze auf eine Gesamthöhe von 200 Metern.
  • 6 Meter pro Sekunde ist so ungefähr die mittlere Windgeschwindigkeit, von der laut einer Berechnung am Schwarzenberg ausgegangen wird.
  • 1400 Meter und sogar noch ein Stück weiter ist das erste Wohnhaus vom nächsten Windrad entfernt.
  • 35 Dezibel - das ist die maximale Schallbelastung für reine Wohngebiete. Den Planern zufolge wird dieser Wert bereits ein gutes Stück vor den ersten Wohnhäusern am Ende der Bachstraße eingehalten, im Ort selbst also noch niedriger ausfallen.
  • 1500 bis zu 2000 Quadratmeter Fläche werden benötigt, um eine Zuwegung zum Windpark zu bauen.
  • 40 Prozent der in Frage kommenden Flächen für Park, Kabeltrasse und Wege sind in Privatbesitz. Mit den Eigentümern möchte die Gemeinde Pachtverträge schließen.
  • 50 Prozent an dem Windpark möchte die Gemeinde Breidenbach halten. Außerdem will sie sich an der noch zu gründenden Betreiber-GmbH die Stadt Biedenkopf beteiligen und über die „Energiegenossenschaft Perf/Lahn“ sollen auch Bürger in den Windpark investieren können.
  • 2015 ist das Jahr, in dem der Windpark Schwarzenberg komplett fertig sein könnte. Überlegt wird derzeit, in zwei Bauabschnitten zu arbeiten: 2013 und 2014 auf Breidenbacher Seite und 2014 und 2015 auf der Biedenkopfer.
  • 7 Wochen und ein paar Tage dauert es noch, dann soll dem Breidenbacher Parlament - das über das komplette Vorhaben noch zu entscheiden hat - ein sogenannter Businessplan vorgelegt werden. Das bedeutet: Es sollen die wirtschaftlichen Zahlen auf den Tisch, was der Windpark tatsächlich kostet und welche Erträge daraus zu erwarten sind. Eine weitere Bürgerversammlung gibt es im November, heute Abend findet ab 18 Uhr eine Info-Veranstaltung im Biedenkopfer Rathaus statt.

von Carsten Müller

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