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Hinterland Pflegekräfte fehlen auf Intensivstation
Landkreis Hinterland Pflegekräfte fehlen auf Intensivstation
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18:03 08.06.2012
Mitglieder des Betriebsrats und der Linken sprachen über die Zukunft des UKGM.Foto: Conrad
Marburg

Martin Menger, der Geschäftsführer des Universitätsklinikums Gießen und Marburg , berichtet von „konstruktiven Gesprächen“, die er in den vergangenen Wochen mit dem Betriebsrat geführt habe. „Derzeit befinden wir uns in einem zielführenden Verfahren mit den Betriebsräten im Hinblick auf die Stellensituation“, sagte Menger - aber diese Meinung hat er am Marburger Standort des UKGM wohl exklusiv. „Die Situation und die Stimmung verschlechtern sich rapide“, berichtet Betriebsratsvorsitzende Bettina Böttcher am Rande einer gemeinsamen Sitzung des Betriebsrats mit den Fraktionen der „Linken“ aus Land, Kreis und Stadt. „Die Geschäftsführung ist nicht in der Lage, Lösungen abteilungsbezogen mit uns zu diskutieren“, sagt Bötcher, und ein Betriebsratskollege fügt hinzu: „Herr Menger ist ja auch so gut wie nie im Hause, man erreicht ihn einfach nicht.“

Böttcher bestätigt Informationen, nach denen in einzelnen Abteilungen die Situation nahezu nicht mehr zu kontrollieren ist. So musste in der chirurgischen Intensivstation ein ganzes Zimmer (vier Betten) geschlossen werden: Personalmangel! Die Folge: Es können dauerhaft weniger Patienten als ursprünglich geplant intensiv-behandelt werden - der Rest muss - medizinisch sinnvoll hin, medizinisch vertretbaer her - auf anderen Stationen behandelt werden.

Ein anderes Beispiel: In der Neurologie fehlen auf der Station sechs Vollzeitkräfte in der Pflege. Und das, so wird der OP berichtet, obwohl zunehmend schwerste Fälle auch auf der Normalstation behandelt werden: Schlaganfallpatienten beispielsweise, die schwer geschädigt sind und ein hohes Maß an Pflege benötigen und eigentlich auf der IMV-Station, der Intensivüberwachung viel besser aufgehoben wären. Zielführendes Verfahren?

Kliniksprecher Frank Steibli bestätigte auf Anfrage der OP die Sachverhalte sowohl auf der chirurgischen Intensivstation wie auf der Neurologie. „Die Betten auf der chirurgischen Intensivstation sollen wieder aktiviert werden“, sagte Steibli. Trotz Stellenausschreibungen finde man derzeit kein geeignetes Personal. Auch in der Neurologie sollen die fehlenden Stellen wieder besetzt werden. Der Arbeitsmarkt sei leergefegt, aber im Oktober werde man mit dann fertig ausgebildetem Fachpersonal „auffüllen“ können.

Von den mehr als 400 Stellen, die in den letzten Jahren aufgebaut worden seien und die nun immer wieder als Argument für Stellenabbau herangeführt würden, sei nichts zu spüren, sagt Böttcher. Im Gegenteil. Stationen, die früher 19 Betten hatten, sind jetzt für 38 Betten zuständig - die Zahl der Planstellen in der Pflege stieg aber von 11,5 nur auf 15,75, berichten Beschäftigte. Die Zahlen konnte Steibli am Freitag weder bestätigen noch dementieren.

Zugleich hat die Zahl der Überlastungsanzeigen aber massiv zugenommen, berichtet der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Dr. Dirk Gehrcke. „Und zwar in allen Bereichen des Hauses, auch im ärztlichen Bereich.“ Und das, obwohl der Druck auf diejenigen, die ihrem Vorgesetzten eine Überlastungsanzeige melden, wieder zugenommen hat, wie Böttcher berichtet.

Überlastungsanzeigen seien unter der Geschäftsführung von Dr. Stippler zumindest ansatzweise als MIttel der Qualitätskontrolle verstanden worden - „diese Zeiten sind aber vorbei“.

Im Gespräch mit der Linken ging es vor allem aber auch um die Zukunftsperpektiven des UKGM, seiner Beschäftigten und Patienten. "Unsere Protest wird nicht beendet sein, solange nicht Stellenabbau und Outsourcing beendet werden.“ Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Hessischen Landtag, Janine Wissler, sagte : „Ohne eine Änderung in der Eigentumsfrage wird es nicht besser werden.“ Sie forderte darüberhinaus bessere Rahmenbedingungen für das Gesundheitswesen. Dafür müsse man Öffentlichkeit herstellen. Jan Schalauske, Abgeordneter im Stadtparlament und Kreisvorsitzender, sagte dem Betriebsrat dabei die uneingeschränkte Unterstützung der Marburger Linken zu. „Eine Rückkehr zum Land ist nur möglich, wenn sich öffentlich etwas bewegt.“

Dazu soll unter anderem eine Aktion der Evangelischen Kirche am Samstag beitragen. Auf alten Pilgerwegen geht es ab Langenstein um 9.30 Uhr unter dem Motto „Beten und Rad fahren für ein solidarisches Gesundheitswesen“ zur Elisabethkirche, wo um 12 Uhr eine Andacht stattfindet. Am Dienstag findet dann eine Betriebsversammlung für alle UKGM-Angehörigen statt. Der Betriebsrat will das Ergebnis einer Umfrage vorstellen, in der die Beschäftigten nach ihren Vorstellungen für die künftige Betriebsform befragt wurden. So viel verrät Bettina Böttcher schon vorab: „Das Ergebnis ist eindeutig.“

von Till Conrad

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