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Hinterland Ott bringt den Blues auf die Philippinen
Landkreis Hinterland Ott bringt den Blues auf die Philippinen
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00:18 25.08.2018
Gitarrist Alexander Ott sucht musikalische Mitstreiter auf den Philippinen. Quelle: Christian Röder
Biedenkopf

Für Musik- und vor allem für Bluesfans dürfte Alexander Ott kein Unbekannter sein. Der Biedenkopfer ist seit Jahren in der heimischen Szene unterwegs. Ob als „Scale Hill“ mit Carsten Wenzel, Dietrich Sziede und Thomas Krause, mit Peter Hohenecker bei den „Dusty Brooms“ oder mit dem Autor Eike Schniebs und einem Literatur-Musik-Projekt – immer steht für den 57-Jährigen der Blues im Mittelpunkt.

Alexander Ott: Musik ist international. Ton, Metrum, Taktzahl und los geht’s.

Mit 26, 27 Jahren habe er das Genre für sich entdeckt, erinnert sich Ott. Jimmy Reed, Johnny Winter, Muddy Waters, ZZ Top – das sind Blues-Musiker, die ihn bis heute begeistern. „Es ist keine Musik für Teenager“, sagt der 57-Jährige. „Das Tolle daran ist, dass es beim Blues ein festes Fundament gibt, welches man mit Improvisation auffüllt.“

Eine häufig auftretende Bluesform habe demnach zwölf Takte, die Melodie werde mit drei Akkorden begleitet. Der Rest ist Improvisation und Spielfreude.

Wenn Ott in seinem Musikzimmer, eingerahmt von diversen Akustik- und E-Gitarren sowie Fotos diverser Auftritte, von der Musik erzählt, dann leuchten seine Augen. Dann kann man die Begeisterung des Biedenkopfers für den Blues regelrecht fühlen. Wenn er dann noch die Stahlsaiten anschlägt, dann ist klar: Dieser Mann liebt und lebt den Blues.

Und diese Faszination trägt der Biedenkopfer nun auch nach Asien, genauer gesagt: auf die Philippinen. Seit fünfeinhalb Jahren ist Ott mit einer gebürtigen Philippina verheiratet. Zwei Mal jährlich reist das Ehepaar in ihre Heimat.

„Wir waren jetzt zum zehnten Mal gemeinsam dort“, sagt er. „Jeweils immer für drei Wochen.“ Es ist eine Kombination aus Erholungsurlaub und Verwandtschaftsbesuch.

„Wir reisen für gewöhnlich auf die Insel Cebu. Dort lebt die ­Familie meiner Frau.“ Mehr als vier Millionen Einwohner hat die ­Insel. Er, der schon viel von den Philippinen gesehen hat, sagt: „Du kannst dieses Land niemals in Gänze kennenlernen. Dafür ist es zu vielfältig.“

Für Ott ist schon jetzt klar, dass das Paar nach seiner Pensionierung über Winter dauerhaft auf den Philippinen leben wird. Und für diese Zeit legt sich der 57-Jährige nun schon das Fundament – denn ohne Blues geht es bei ihm nicht. „Wenn wir dann später mal ein halbes Jahr dort sind, wird mir ­ohne Musik schnell langweilig“, erzählt er lächelnd. „Deshalb habe ich Anfang des Jahres begonnen, Kontakt zu Blues-Musikern auf den Philippinen aufzubauen.“

Über Facebook lernte der Biedenkopfer etwa den Amerikaner Jesse Boartfield, genannt J-Dog, kennen, den Manager der „Salty Dog Bar“ auf der philippinischen Insel Lapu-Lapu. „Auf den Philippinen leben viele Ausländer dauerhaft, da die Lebenshaltungskosten sehr viel niedriger sind, als in den westlichen Ländern. Man trifft dort viele Amerikaner, Briten und auch Deutsche, teils Rentner, teils noch aktiv arbeitend. Diese Leute nennt man expats“, also Auswanderer.

Die beiden, Ott und Boartfield, waren gleich auf einer Wellenlänge, berichtet der Biedenkopfer. „Musik bietet sich an, um Kontakte zu knüpfen – weltweit“, erzählt er. „Musik ist international. Ton, Metrum, Taktzahl und los geht’s.“

So kam Ott auch zu seiner ersten Jam-Session auf den Philippinen. Drei Gitarren hat er mittlerweile dort, um jederzeit losjammen zu können. „Wobei ich eine auf Lapu-Lapu gekauft habe“, erzählt er. Überhaupt: die Gitarren. Ott spielt meistens die sogenannte Slide-Technik. Dazu müssen seine Instrumente abgeändert werden: dickere Saiten und größere Saitenabstände sind nötig. Die Gitarren sind dann „offen“ gestimmt, das heißt, beim leeren Anschlag erklingt ein Dur- oder Moll-Akkord. Eine Besonderheit ist auch, dass Ott ­einen sogenannten Bottleneck aus Glas, Messing oder Keramik beim Spielen verwendet.

Und so nahm er auch am sechsten ­International Blues Music Day teil, eben in der „Salty Dog Bar“. Dieser Aktionstag wird seit 2013 jährlich am ersten Samstag im August mit Konzerten, Jam-Sessions und Auftritten weltweit gefeiert.

Den Hinterländer Bühnen möchte Ott jedoch mitnichten den Rücken kehren. Sein Traum: die Blues-Abende, die es zwischen 2011 und 2013 auf dem Biedenkopfer Schloss gab, wiederzubeleben. „Und mit den ,Dusty Brooms‘ weiterzumachen“, sagt er. Seit dem Weggang Peter Hoheneckers ist nichts mehr gelaufen. „Ich bin auf der Suche nach einem Sänger oder einer Sängerin“, erklärt er. „Auch einen passenden zweiten Gitarristen oder eine Gitar­ristin an meiner Seite­ würde ich mir gerne wünschen.“ Das damalige Konzept der ­„Dusty Brooms“ soll aber weiterhin Bestand haben: „Drei Leute, die Bock auf Blues haben, musizieren gemeinsam.“

Gemeinsam mit dem Verein Bid-Kultur, dessen Erster Beisitzer er ist, möchte Ott auch Konzerte im Kulturfundus am Biedenkopfer Marktplatz ins Leben rufen. Sollte das klappen, wird dort vor allem eines gespielt: Blues!

von Christian Röder