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Osterhase bringt Farbe ins Fest

Meister Lampe ist Eier-Überbringer Osterhase bringt Farbe ins Fest

Hierzulande gilt der Hase als Überbringer der Ostereier. Mümmelmann kann aber noch mehr: Schon im 17. Jahrhundert hieß es, er lege die Eier, verziere sie und verstecke sie für die Kinder.

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Nanni aus Ammenhausen weiß offenbar nichts davon, dass Hasen auch fürs Eierfärben zuständig sind. Der Versuch, sie zum Verzieren der Gelege zu bewegen, schlug fehl. An bunten Eiern wird es aber an Ostern nicht mangeln.Foto: Hartmut Berge

Gladenbach. Das Verzieren von Eiern und Herrichten von Osternestern zählt zu den Bräuchen, die Jahrhunderte überdauert haben.

Waren es früher fast ausschließlich verzierte Eier von Hühnern und Enten, die Mama und Papa für die Kinder im aus frischem Moos gebauten Nest versteckten, so findet man heute darin meist mehr in buntes Papier eingewickelte Kalorien-Bömbchen als bemaltes Gelege der gefiederten Haustiere. Nicht geändert hat sich das Frage-und-Antwort-Spiel zwischen Mutter und Kind: „Mama von wem ist das?“. „Das hat der Osterhase gebracht.“

Schon in der Antike, als auch bei den Chinesen, Persern und Griechen war es gebräuchlich, Eier zu färben und sie dann als Liebes- oder Freundschaftsbeweis an Freunde und Bekannte zu verschenken. Wahrscheinlich brachten Kreuzfahrer diese Sitte zu uns. Doch Ei ist nicht gleich Ei.

Überall auf der Welt galt es als Symbol für Fruchtbarkeit und wurde als Zeichen der Wiedergeburt im alten China bei den Frühlingsfesten geopfert.

Bei den antiken Ägyptern und Griechen dachte man sogar, das Universum sei aus dem Ei hervorgegangen. Zum jüdischen Seder-Mahl während des Passahfestes, aus dem das christliche Osterfest entsprang, gehören ebenfalls Eier.

Weitere Deutungen weisen auf die Symbolik des Eis hin. Im Mittelalter galt das Ei als Symbol für die Auferstehung Christi. Auch allgemein ist es als Zeichen der Auferstehung bekannt. Eier wurden im Mittelalter von den Bauern auch als Zehnter an ihre Grundherren gezahlt, da es während der Osterzeit immer zu Eierüberschuss kam. Während der Fastenzeit verzichteten viele Katholiken und Orthodoxe auf Eier, da sie zu den Fleisch- und Milchspeisen gehörten. Als die Fastenzeit vorbei war, färbten sie mit Freude die Eier bunt und verschenkten sie weiter.

In Schriften aus dem 13. Jahrhundert ist erstmals von gefärbten Eiern die Rede. Aber erst 1615 taucht die Bezeichnung Osterei in Straßburg auf.

Als Überbringer der Ostereier hat sich Meister Lampe erst in den letzten 200 Jahren deutschlandweit durchgesetzt. Einen gehörigen Anteil daran hat die Süßwarenindustrie, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Schokoladen-Osterhasen vermarktete und heute damit Millionen-Umsätze macht. Bevor der Hase den deutschsprachigen Raum eroberte, galten in manchen Regionen auch Kuckuck, Hahn, Fuchs und Storch als Überbringer der Ostereier.

Und wie kam es zu der Legende des Eier bringenden Osterhasen? Georg Franck von Franckenau hat sich in einer 1682 unter dem Namen seines aus Frankfurt am Main stammenden Doktoranden Johannes Richier veröffentlichten Abhandlung mit dem Titel „De ovis paschalibus“ dem sich damals in den protestantischen Gebieten des Elsass und der Pfalz ausbreitenden Volksglauben an den Osterhasen gewidmet.

In den Schriften ist die Zeichnung eines Eier bemalenden Hasen abgebildet.

Einem Irrtum unterlagen unsere Vorfahren: Im Frühling versammelten sich zahlreiche Hasen, und vollführten eigenartige Tänze. Sie sprangen fröhlich umher in Kreisen und Achten, richteten sich gegeneinander auf, und fassten sich scheinbar mit den Vorderpfoten an. Näherte man sich den Hasen, dann stoben sie auseinander und hinterließen Nester mit farbenprächtigen Eiern.

Heute weiß man: Die Mümmelmänner feiern auf diese Art Hochzeit. Rammler prügeln mit ihren Vorderläufen aufeinander ein. Und die dann von den Menschen gesichteten Eier stammten von bodenbrütenden Vögeln wie Rebhuhn, Wachtel, und Kiebitz.

Die Vögel hatten - wohl wegen der tobenden Hasen - ihr Gelege kurzzeitig verlassen. So schob der Mensch die Eier dem Hasen unter. Denn zu dieser Jahreszeit feierte man auch das Fest der Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin Ostera. Und deren Lieblingstier war eben der in dieser Zeit besonders auffällige Hase.

Warum Hase und Ei verbunden wurden, bleibt weiterhin nicht ganz eindeutig, da es eine weltliche und eine geistliche Ansicht gibt. Hasen konnten früher als Abgabe des Zehnten dienen. Da der Schuldner durch die Bezahlung seiner Schulden frei war, wurde er mit einem Hasen verglichen.

Aus geistlicher Sicht, haben die evangelischen Familien den Osterhasen als Eierlieferanten im 17. Jahrhundert entwickelt. Damit wollten sie sich von den Katholiken distanzieren, da sie deren Fastenbräuche und die Eierweihe ablehnten.

Das Osterfest wird am ersten Sonntag des Frühlingsvollmondes gefeiert, und da der Hase als Mond-Tier gilt, lässt sich dies gut in Verbindung bringen.

von Hartmut Berge und Sahra Basak

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