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Hinterland „Wollen keine Windräder in unserer Gemarkung“
Landkreis Hinterland „Wollen keine Windräder in unserer Gemarkung“
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16:58 14.07.2017
Die Mornshäuser wehren sich gegen Pläne, um ihren Ort herum Windkraftanlagen zu bauen. Quelle: Tobias Hirsch
Mornshausen/S.

Das Thema Windenergie entwickelt sich zum Dauerbrenner in den Sitzungen des Ortsbeirates im Gladenbacher Stadtteil. Die Meinung des Gremiums dazu ist eindeutig: „Wir wollen keine Windräder in unserer Gemarkung.“

Die Befürchtungen: Zu viel Natur auf dem Treisberg werde durch den Bau von Windenergieanlagen zerstört. Schattenwurf und Lärm wären weitere negative Folgen.

Mit ihren Einwänden haben­ Ortsvorsteherin Margarete­ Kuhrt und ihre Mitstreiter 
­allerdings nicht genügend ­Politiker im Gladenbacher 
 Stadtparlament auf ihre Seite ziehen können.

Die Abgeordneten hatten sich im Mai mit knapper Mehrheit (17:13 Stimmen, bei vier Enthaltungen, die OP berichtete) dafür ausgesprochen, dass die Stadt auch künftig eigene Flächen für den Bau von Windrädern zur Verfügung stellt. Dies geschah bereits in Rachelshausen, wo Flächen an die Investoren verpachtet wurden.

Genehmigungsverfahren ist langwierig

Laut Teilregionalplan Energie Mittelhessen gibt es zwei weitere Gebiete im Gladenbacher Stadtgebiet, auf denen Windräder gebaut werden könnten. Eines liegt zwischen Diedenshausen, Sinkershausen, Bellnhausen und Herzhausen (Vorranggebiet 3123), ein weiteres zwischen Mornshausen, Erdhausen, Rodenhausen und Seelbach (Vorranggebiet 3132).

Für die Flächen an den ­Gemarkungsgrenzen von Lohra und Gladenbach gibt es bereits konkrete Vorstellungen von Investoren. Von bis zu zehn Windrädern ist hier die Rede – acht auf Lohraer Seite, zwei auf Gladenbacher Gebiet. Ob diese Pläne allerdings umgesetzt werden können, steht derzeit noch in den Sternen. Ein langwieriges Genehmigungsverfahren ist dafür nötig.

Auch die Grundstücksverhandlungen sind kein Selbstläufer. In der Gemarkung Lohra kommen fast ausschließlich private Flächen in Betracht, in den Gemarkungen Erdhausen und Mornshausen sind überwiegend städtische Grundstücke betroffen.

Für letztere liegt die Entscheidungshoheit beim Gladenbacher Parlament. Die Stadtverordneten müssen festlegen, ob und zu welchen Konditionen die Flurstücke an Investoren verpachtet werden sollen.

„Die Leute müssen wissen, was auf sie zukommt. Hier werden nicht nur sechs Hektar Wald umgemacht, sondern auch zehn Hektar Natur zerstört“, warnt Ortsbeiratsmitglied Gudrun Rau vor den möglichen Folgen, wenn Windräder auf dem Treisberg gebaut werden. Nicht nur die eigentlichen „Betonklötze“ seien das Problem, sondern ebenso die dafür erforderlichen Zufahrtswege und Kabeltrassen durch das Mornshäuser Waldgebiet.

Ortsvorsteherin kritisiert Stadtparlament

Kein Verständnis hat der Ortsbeirat auch dafür, dass seiner Meinung nach bereits jetzt ­naturschutzrechtliche Belange an den Rand gedrängt werden. Laut einer Voruntersuchung der Vorranggebiete könnte es hier zu „Konflikten mit zwei Rotmilan-Bruthorsten“ kommen. In der Gemarkung Lohra gebe es zudem Schwarzstörche, heißt es vom dortigen Naturschutzverein.

„Es spricht eigentlich vieles dagegen, dass hier die Windrad-Pläne umgesetzt werden“, sagte Margarete Kuhrt in der jüngsten Ortsbeiratssitzung. Die Einwände und Befürchtungen der Bürger seien bei den politischen Entscheidungsträgern aber wohl noch nicht angekommen, kritisiert die Ortsvorsteherin.

Der Ortsbeirat will aber am Ball bleiben – und informieren und aufklären. So ist für den Spätsommer oder Herbst eine Wanderung zu dem Vorranggebiet am Treisberg geplant. Während der Begehung sollen alle interessierten Bürger die Gelegenheit haben, sich das betroffene­ Waldgebiet einmal aus der ­Nähe anzuschauen.

Außerdem will der Ortsbeirat Kontakt zur Bürgerinitiative­ Holzhausen aufnehmen. Die wehrte sich lange gegen den Bau der Windräder am Hilsberg – allerdings ohne Erfolg.

„Außerdem fordern wir die Stadt auf, uns umgehend über Anfragen oder Baupläne von ­Investoren zu informieren, ­damit wir wissen, was in unserer Gemarkung geplant ist“, betonte Ortsbeiratsmitglied Manfred Schmidt. Diesem Antrag schloss sich der Ortsbeirat einstimmig an.

von Michael Tietz