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Hinterland „Opfer der Solidargemeinschaft“
Landkreis Hinterland „Opfer der Solidargemeinschaft“
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19:58 15.02.2011
Vertreter der Gewerkschaft Verdi versammelten sich vor dem Arbeitsgericht Marburg, um gegen die Kündigung von sechs Mitarbeitern der Firma Mittelstädt zu protestieren. Quelle: Martina Koeltschzky

Marburg. Vor Beginn des Gütetermins hatten sich Vertreter der Gewerkschaft Verdi vor dem Amtsgericht versammelt, um gegen die Kündigung der Mitarbeiter zu demonstrieren. Sie sind der Ansicht, dass Mittelstädt diesen Mitarbeitern gekündigt hat, um sie durch Leiharbeiter zu ersetzen.

Jürgen Terjung, Personalleiter der Fehr-Gruppe, bestritt dies vor Gericht: „Wir hatten im Januar einige Leiharbeiter, da wir hohen Krankheitsausfall hatten. Auf Dauer sind Leiharbeiter aber zu teuer.“ Mittelstädt habe die Mitarbeiter entlassen müssen, da die Firma ohne eine Einsparung von mindestens 60.000 Euro nicht mehr zu halten sei.

„Es macht keinen Spaß, Leute zu entlassen, aber etwas anderes bleibt uns nicht übrig“, sagte der Anwalt der beklagten Firma. „Wir müssen gegen Firmen antreten, die mit dem Mindestlohn von 8,24 Euro kalkulieren.“ Da der Betriebsrat nicht bereit gewesen sei, einem Verzicht auf Lohnsonderzahlungen für alle Mitarbeiter zuzustimmen, habe man diese sechs Mitarbeiter entlassen müssen. „Die Klägerseite ist ein Opfer der Solidargemeinschaft“, argumentierte die Beklagtenseite. Die Sonderzahlungen hätten zunächst befristet auf ein Jahr ausgesetzt werden sollen, um alle Arbeitsplätze erhalten zu können.

Nach Angaben der Stadtallendorfer Firma hat diese bei Ausschreibungen die Abfallentsorgung in den Gemeinden Ebsdorfergrund, Wetter und Wohratal verloren. Gelbe Säcke sammelt die Firma nur noch in Gemünden. Dadurch sei der Wegfall der Arbeit und auch der Einnahmen zu begründen.

Unterstützt von Verdi prangerten die Kläger jedoch an, dass die Firma zwar drei Gemeinden mit insgesamt 20.618 Einwohnern verloren habe, dafür aber die Abfallentsorgung in Stadtallendorf, welches 21.218 Einwohner zähle, hinzugewonnen habe. Demnach sei keine Arbeit weggefallen. Die Beklagte gab zu, dass die Menge des zu entsorgenden Mülls sich „etwas“ verringert habe. Nähere Angaben wollte die Firma allerdings mit dem Hinweis darauf, dass sich Vertreter der Presse im Raum befänden, nicht machen.

von Patricia Kutsch

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