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Offizielle rüsten sich für Heimatfest

Grenzgang Biedenkopf Offizielle rüsten sich für Heimatfest

In 55 Tagen beginnt das größte Heimatfest der Region, das es auf den Titel eines Bestsellers geschafft hat: der Grenzgang.

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Am 1. Tag des Grenzgangs 2005 herrschte in der ehemaligen Kreisstadt Biedenkopf eine ausgelassene Stimmung.

Quelle: Brock

Biedenkopf. Am 16. August wecken Böllerschüsse vom Schlossberg in Biedenkopf die Bevölkerung, an den zwei darauffolgenden Tagen wiederholt sich das Zeremoniell. Bis zum 18. August herrscht Ausnahmezustand in Biedenkopf. Nach sieben Jahren ist es wieder an der Zeit, die Stadtgrenze abzulaufen. An drei Tagen geht es über Stock und Stein durch die Wälder des Rothaargebirges und durch das Lahn-Tal.

Im Mittelalter hatte der Grenzgang eine völlig andere Bedeutung und von Volksfestcharakter war noch keine Spur. Die Stadt stritt mit den Anrainergemeinden um den Grenzverlauf.

Es kam vor, dass die Grenzmarkierungen zugunsten der Anrainer versetzt wurden. Deshalb wurden im Turnus von sieben Jahren die Grenzmarkierungen überprüft. Unstimmigkeiten wurden vor Ort geklärt. Im 18. Jahrhundert lösten schwere Grenzsteine die Markierungen ab, im 19. Jahrhundert entstand ein Kataster, was letztlich eine Grenzbegehung hinfällig werden ließ. Mit dem Verschwinden des ursprünglichen Zwecks des Grenzgangs, entwickelte sich ein Volksfest, das sich auch in der Neuzeit über die Grenzen der Stadt hinaus großer Beliebtheit erfreut. Das erste Grenzgangsfest fand 1839 statt.

Dem Grenzgangsverein Biedenkopf kommt heute eine entscheidende Rolle bei der Organisation des Heimatfestes zu. Am Ende des Vorjahres des Grenzgangs entscheidet die Mitgliederversammlung, ob der Grenzgang „’naus geht“. Nach Ostern im Grenzgangsjahr ruft das Grenzgangskomitee zur Bildung der Männergesellschaften und Burschenschaften auf.

Allerdings werden selten neue Gesellschaften gegründet. Es ist also der Startschuss für die bestehenden Gesellschaften der vorherigen Grenzgänge, sich regelmäßig zu Stammtischen zu treffen, um sich für das Großereignis zu rüsten. Sie wählen Führer, Schriftführer, Rechner, Fahnenträger und Reiter. Weitere Rollen übernehmen Damen- und Mädchenführer, Fassmeister und Platzwart. Dann werden noch die Offiziellen gewählt: Bürgeroberst, Männerhauptmann, Burschenoberst, Burschenhauptmann, Mohr, Wettläufer und Sappeure.

Die Letztgenannten tragen zum Beispiel Waldarbeiterkleidung und eine Axt, führen den Grenzgangszug an und sorgen dafür, dass der Weg freigeschnitten ist.

Bevor es los geht, melden die Führer die Anzahl der erschienenen Bürger und Burschen ihren Hauptmännern. Diese melden wiederum den Obersten die Gesamtzahl der Bürger und Burschen, die die Grenze ablaufen. Dann heißt es „Grenzgang marsch!“ und der Tross setzt sich in Bewegung.

Die Oberhessische Presse stellt in einer Serie die Akteure und Offiziellen des Grenzgangs 2012 im Porträt vor.

von Silke Pfeifer-Sternke

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