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Oberförster wohnte mitten in der Stadt

Serie: Damals und Heute Oberförster wohnte mitten in der Stadt

In der Serie „Damals & Heute“ dokumentiert die Oberhessische Presse den Wandel von Straßenzügen und Gebäuden. Heute widmen wir uns dem alten Forsthaus, das es heute nicht mehr gibt.

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Auf der „Innenstadtinsel“ zwischen Marktstraße und Teichstraße hat die VR Bank nach dem Abriss ihre Gebäude errichtet (links). Vor 40 Jahren fiel der Beschluss, das alte Forstamt in der Marktstraße abzureißen, Anfang 1971 rückten die Bagger an (rechts).

Quelle: Hartmut Berge/Bildarchiv Heimatverein Gladenbach

Gladenbach. Bilder erzählen Geschichten. Das gilt sowohl für Aufnahmen aus dem Familienalbum als auch für solche, die bedeutende Ereignisse dokumentieren oder Gebäude zeigen, wie sie früher aussahen. In der Serie werden historischen Bildern aus den Städten und Gemeinden des Hinterlandes sowie Lohra aktuelle Aufnahmen gegenübergestellt. Sie sollen deutlich machen, was sich verändert hat und was nicht.

Im mehrere tausend Bilder umfassenden Archiv des Heimat- und Museumsvereins Amt Blankenstein befindet sich auch die nebenstehende Aufnahme alten Forstamtes in der Marktstraße. Vor gut acht Jahren endete die 356-jährige Geschichte des Forstamtes Gladenbach. Es ging in das Großforstamt Biedenkopf über, das seinen Sitz in der ehemaligen Kreisstadt hat.

Der inzwischen verstorbene ehemalige Gladenbacher Forstamtsleiter Herbert Hofmann beschäftigte sich mit der Geschichte der Forstverwaltung im Raum Gladenbach. Eine Zusammenfassung seiner Arbeit ist in dem 1987 im Hitzeroth-Verlag Marburg erschienen Buch „Gladenbach und Schloss Blankenstein“ veröffentlicht.

In der 1995 in der OP erschienenen 17-teiligen Serie „Wald im Wandel“ beleuchtete Hofmann auch die Entwicklung des Forstes in der hiesigen Region. Als Philipp der Großmütige 1532 eine für die damalige Zeit straffe Forstverwaltung einführte, war dies die Geburtsstunde der hessischen Forstverwaltung.

Von den beiden Oberförstern, die für die Einhaltung der ersten Forstgesetze sorgen sollten, saß einer in Marburg. Er war auch für den Raum Gladenbach zuständig. Ihm waren mehrere „reitende und gehende Unterförster sowie eine Reihe von Holzknechten unterstellt“, berichtete Hofmann damals im Gespräch mit der OP.  „Sowohl in Gladenbach als auch in Weidenhausen war ein ,reitender Förster‘ stationiert.“

„Der Zustand unseres Waldes verbesserte sich durch stärkere Bestockung und neuen Aufwuchs“, berichtete er, gab aber zu bedenken, dass diese positive Entwicklung zu Beginn des 30-jährigen Krieges zum Stillstand kam.

Nach dem Krieg setzten die neuen Landesherren in Darmstadt einen Forstamtsleiter für die Ämter Blankenstein und Königsberg in Gladenbach ein. Der überwachte die Tätigkeit der örtlichen Förster und Holzknechte und leitete sie an. Das Amt hieß Forstamt. Von 1824 bis 1853 standen den Forstrevieren Revierförster vor, ab 1853 verwalteten Oberförster ihre Oberförstereien.

In den 30er Jahren wurde aus der Oberförsterei wieder ein Forstamt. Laut Hofmann beschränkte sich die Forstverwaltung zu gewissen Zeiten auf das Amt Blankenstein, teilweise gehörten auch das Amt Königsberg und Teile der Ämter Biedenkopf und Breidenbacher Grund dazu.

Gladenbachs bekannteste Forstleute sind die beiden Hartigs, insbesondere Georg-Ludwig, der wohl als der bedeutendste Forstmann aller Zeiten angesehen werden kann. Er gilt als Begründer der modernen, nachhaltigen Forstwirtschaft. Ihm zu Ehren ließ die Stadt ein Ehrenmal errichten und benannte den Hainpark nach seinem Namen.

Eine Gedenktafel hing auch am 1907 in der Marktstraße erbauten Forstamtsgebäude, das Anfang 1971 abgerissen wurde. Die Verwaltung zog ins  neue Gebäude in der Karl-Waldschmidt-Straße um, das inzwischen verkauft wurde.

von Hartmut Berge

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