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Eine Arbeit mit viel Gefühl

OP-Ausbildungsserie (Teil 8) Eine Arbeit mit viel Gefühl

Bei der Herstellung von Arzneien spielt nicht nur Fingerspitzengefühl eine große Rolle – die Arbeit für kranke Menschen verbindet mancher auch mit einer Art Ehrgefühl.

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Sicherung und Kontrolle der Produktionsprozesse gehören für den angehenden Pharmakanten 
Jonas Feldpausch zum Alltag.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. So wie der Auszubildende Jonas Feldpausch, der bei CSL Behring die Einzelheiten eines vielseitigen, gewichtigen Berufes in der Pharmaindustrie erlernt.

Im zweiten Ausbildungsjahr kennt der angehende Pharmakant den Betrieb fast schon in- und auswendig. Das muss er in seinem Beruf auch. Pharmakanten sind für einen Großteil der Produktion verantwortlich, vom Wareneingang bis zur Abfüllung und Verpackung. Sie arbeiten an Anlagen und Maschinen der pharmazeutischen Industrie, prüfen und vermischen Wirk- und Hilfsstoffe, steuern und überwachen die Produk­tion. „Man betreut den Prozess von A bis Z“, erzählt Jonas.

Im Falle von CSL ist Blutplasma die Basis aller Herstellungsprozesse der Plasmaprotein-Biotherapeutika. Die genaue Dosierung nach Rezept, den korrekten Umgang mit den Rohstoffen, das richtige Mischverhältnis, konstante Temperaturen bis zu richtigen Flaschengröße – alles liegt im Aufgabenbereich von Pharmakanten. Die Fachkräfte stellen die Anlagen je nach Bedarf ein – von den Produktionskesseln, Maschinen zur Sterilisation über verschiedene Filterpressen bis zu den Zentrifugen in der Fraktionierung, in der das Blutplasma in seine Proteinbestandteile aufgetrennt wird.

Hygiene wird dabei groß geschrieben. Die Fachleute arbeiten mit sensiblen Stoffen unter hohen Sicherheitsbestimmungen. „Man muss sehr darauf achten, dass keine Verkeimung entsteht“, sagt Jonas. Als Sicherheitsmaßnahme gehört daher die regelmäßige Überprüfung der Umgebung durch Keimtests, samt einer ständigen Dokumentation, fest in den Berufsalltag.

Steriles Werkzeug und besondere Schutzkleidung

Die Keimzahl darf den jeweiligen Grenzwert nicht überschreiten. Alles streng nach Vorgaben der Gesundheitsbehörden. „Die Dokumentation macht etwa 50 Prozent der Arbeit aus. Es dürfen keine Missverständnisse auftreten“, erklärt der 25-Jährige. Schon die kleinste Abweichung könnte die Wirksamkeit der Medikamente beeinflussen. Eine hohe Verantwortung für den Arzneiproduzenten.

Auch für die Wartung der Maschinen sind Pharmakanten zuständig. Hierbei gilt es, auf strenge Hygienestandards zu achten. Vor allem in besonders sterilen Bereichen der Produktion, wie der Abfüllung. Tauchen Probleme auf, kann Jonas dort nicht einfach mit der Zange zu Werke gehen. Dafür gibt es extra Schutzkleidung und steriles Werkzeug.

Kommt es zu Störungen, etwa zu einem Glasbruch der Flaschen, stoppt die Produktion. Der Pharmakant muss das Problem schnell aufspüren. Im Anschluss wird der Bereich großflächig ausgeräumt und neu desinfiziert.

Menschen zu helfen ist auch ein Anreiz für die Arbeit

Ebenso gehören chemische Kenntnisse zu seinem Beruf. Jonas muss wissen, auf welche Art und Weise einzelne Inhaltsstoffe miteinander, auf die Umwelt, auf Temperaturen reagieren. Der Schwerpunkt liegt auf Biotechnologie. „Man sollte in diesem Beruf Interesse an den Naturwissenschaften haben“, sagt Jonas.
Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung. Lehrlinge müssen zwischen dem Betrieb und der Berufsschule in Frankfurt pendeln. Zu Beginn der Ausbildung lernt der Nachwuchs vorerst nur in Schullaboren, beschäftigt sich mit der Herstellung von Arzneien aller Art und stellt eigenhändig Tabletten, Cremes oder Nasentropfen her.

Auch die Grundlagen des industriellen Arbeitsalltags gehören dazu. Darunter fallen beispielsweise Hygienebestimmungen, Arbeitskleidung, die Funktion einer Schleuse. Darüber hinaus stehen auch thermische Verfahren, Messtechnik und Informatik auf dem Lehrplan.

Verantwortungsgefühl wird bei der Arbeit hoch geschätzt, so wie ein gewisses Ehrgefühl innerhalb der Branche, findet Jonas. Dahinter steht der eigentliche Zweck seiner Arbeit – die Entwicklung von vielleicht lebensrettender Medizin. „Man hilft vielen Menschen, ein normales Leben führen zu können – das ist auch ein Anreiz, diesen Beruf auszuüben. Ich habe das noch keinen Tag bereut“, sagt er. Für dieses Jahr stellt CSL Behring keine weiteren Auszubildenden ein. Für 2018 sucht das Unternehmen zehn neue Lehrlinge.

von Ina Tannert

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Fleischereifachverkäufer (11)
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Maurer (8)
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Augenoptiker (4)
Fachinformatiker – Systemintegration (3)
Zerspanungsmechaniker (2)

(Quelle: Agentur für Arbeit)

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