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Nur ein alter Teddy bleibt zurück

Umzug Nur ein alter Teddy bleibt zurück

Am Donnerstag ist es soweit: Das Marburger Arbeitsgericht zieht nach Gießen um. Am Mittwoch wurden von einer Umzugsfirma und den Mitarbeitern bereits mehr als 100 Kartons gepackt.

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Der Direktor des Marburger Arbeitsgerichtes, Hans Gottlob Rühle, räumt eine seiner Uhren in einen Umzugskarton, während Mitarbeiterin Regina Kukowski Akten aus den Regalen räumt, die von Umzugshelfer Michael May in Wagen gestellt und mit Folie umwickelt werden. Nur ein Teddy sitzt mit hängendem Kopf in einer Ecke und verfolgt das traurige Spektakel. Er bleibt als einziger in Marburg zurück.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Kiste um Kiste wird im Flur gestapelt, mehr als 100 Stück werden es am Ende des Tages sein. Immer wieder greifen Hände zu leeren Kartons, befüllen diese mit Akten, Büchern und Papier. Solange bis auch der letzte Schrank, das letzte Regal leer geräumt ist. „Der Umzug eines ganzen Gerichtes will gut organisiert sein, vor allem wenn der Betrieb nebenbei weiterlaufen soll“, erklärt Hans Gottlob Rühle. Der Direktor des Marburger Arbeitsgerichtes beaufsichtigt den Umzug seiner Behörde, packt hier und da auch selbst mit an. Am Mittwoch wurde das gesamte Gericht in Kartons gepackt, am Donnerstag rollt der Umzugslaster an und transportiert die Kisten und Möbel in die neuen Räume in Gießen. Damit endet die Geschichte des Marburger Arbeitsgerichtes nach 65 Jahren ein für alle mal.

 

„Ich glaube, dass wir alles getan haben, was wir tun konnten, um den Arbeitsgerichtsstandort Marburg zu erhalten“, betont Rühle während des Kistenpackens noch einmal. In der Öffentlichkeit nicht bemerkt worden seien seine Bemühungen, gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Dr. Christean Wagner (CDU), die Standortschließung zu verhindern beziehungsweise das neue Gericht nach Marburg zu holen. „Wir haben schon 2010 hinter den Kulissen sehr intensiv gearbeitet, aber es war vergebens“, erklärt Rühle gegenüber der OP und ergänzt: „Es hätte schon einen Volksaufstand der Marburger Wähler geben müssen, um die Pläne zu kippen.“

Die hessische Landesregierung hatte im September mit einer Mehrheit von CDU und FDP für die Schließung von insgesamt 14 Arbeits- und Amtsgerichten – darunter das Marburger Arbeitsgericht – gestimmt. Gegen die Pläne von Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) hatte es besonders in Marburg Widerstand gegeben. „Wir waren damit aber genauso erfolglos wie die anderen 14 Städte, deren Gerichte geschlossen wurden“, sagt Rühle.

von Katharina Kaufmann

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Marburg

„Jede Veränderung der Gerichtsorganisation ist ein Eingriff in die Dritte Gewalt“, erklärte am Dienstag der Vorsitzende der Bezirksgruppe Marburg des deutschen Richterbundes, Dr. Hans-Jürgen Hausmann, zu den Überlegungen der Landesregierung, das Marburger Arbeitsgericht zu schließen.

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