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"Nur die Oberstadt ist das Filetstück"

Einzelhändler gegen Einkaufszentrum "Nur die Oberstadt ist das Filetstück"

Eine große Mall wollten sie nie haben, ein neues kleines Einkaufszentrum halten sie für unrentabel: Die Einzelhändler aus der Altstadt wollen eine neue öffentliche Diskussion anstoßen und fordern Mitspracherecht.

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Gestern gegen 12 Uhr war nicht viel los in der Oberstadt. Dieses Bild sei typisch, sagen viele Händler und fürchten, dass ein neues Center noch mehr Kunden aus der Altstadt fern hält.

Quelle: Ntemiris

Marburg. Eine Freizeiteinrichtung, ein Schwimmbad, ein Wohnhaus, ein Hotel, eine Markthalle: Die Oberstadt-Händler haben viele unterschiedliche Ideen, was aus dem jetzigen Allianzhaus einmal werden könnte. Einig sind sich alle, dass der jetzige Zustand nicht gut sei. Der jetzige Zustand: Das Gebäude an der Gutenbergstraße, Ecke Universitätsstraße ist sanierungsbedürftig und sieht altmodisch aus. Der Lebensmittelmarkt tegut ist der Hauptmieter, und es gibt in dem Gebäude viele Leerstände. Seit Jahren diskutiert die Öffentlichkeit über den Umbau. Bislang hat sich nichts verändert, außer dass noch weitere Geschäfte ihre Filialen dort aufgegeben haben.

Nachdem vor einigen Wochen die OP berichtete, dass die Universität nun eine wichtige Entscheidung für ihre Gebäude getroffen hat, kommt neue Bewegung in die Diskussion. Zum Hintergrund: Bislang wollte der Investor das Allianzhaus und das Nachbargebäude, das Savignyhaus der Uni, kaufen. Das Uni-Gebäude sollte abgerissen werden, das Allianzhaus zum modernen Gutenberg-Center umgebaut werden. Viele neue Geschäfte würden dort eröffnen, als Ankermieter würde tegut bleiben. Nachdem er nun aber ohne Savignyhaus planen muss, wird die Verkaufsfläche zwangsläufig kleiner.

Die Händler sind weiterhin in Sorge

Während tegut mit den neuen Plänen zufrieden ist und auch die Stadt ein kleineres Einkaufszentrum bevorzugt, sind die Händler aus der Oberstadt weiterhin in Sorge. „Ein Mall hätte uns gefährdet, aber kleinere Center funktionieren nicht“, sagt der zweite Vorsitzende des Werbekreises Oberstadt Robert Sabo. Er stellt klar: „Nur die Oberstadt ist das Filetstück“. Das Gutenbergcenter befinde sich zwar in guter Innenstadtlage, aber was wäre Marburg ohne seine Altstadt? Die Händler der Oberstadt befürchten, dass zunächst konkurrierende Märkte in das Center einziehen und dann irgendwann wieder ausziehen, weil sich das Geschäft nicht lohnen werde. In der Zwischenzeit würden viele Inhaber in der Oberstadt schließen müssen, weil ihnen die Kundschaft im wahrsten Sinne des Wortes davonläuft.

Allerdings fordern die Händler aus der Altstadt aber auch, dass das Allianzhaus so schnell wie möglich umgebaut wird. Wer jetzt denkt, das ist ein Widerspruch, irrt: „Ein Leerstand wäre das Schlechteste, was uns passieren könnte. Das Allianzhaus ist das Einfallstor zur Oberstadt. Es muss nur etwas Vernünftiges sein“, sagt Guido Vaupel, dessen Ehefrau ein Modegeschäft betreibt. „Wir wollen alle, dass das Gebäude renoviert wird und sich dort was tut“, betont Friedhelm Bode, Vorsitzender des Werbekreises. Auch dass tegut dort bleibe, sei eine gute Nachricht.

Ein neues Shoppingcenter ist nicht mehr nötig

Buchhändler Klaus Kaltenbach würde gern grundsätzlich über eine andere Nutzung nachdenken wollen. Seitdem das Kaufhaus Ahrens vor einem Jahr umgebaut habe, sei doch ein neues Shoppingcenter in direkter Nähe nicht mehr nötig. Kaltenbach wünscht sich, dass auch Oberstadthändler die Möglichkeit bekommen, kleine Filialen in einem renovierten Allianzhaus zu eröffnen. „Das geht nur, wenn wir andere Bedingungen erhalten, also ohne Mietverträge mit hohen Preisen und mehrjährigen Bindungen.“ Er wisse, dass dies fast eine Illusion sei. Dennoch fordert er: Die Stadt sollte ihren Einfluss geltend machen und den Händlern aus der Oberstadt Mitsprache ermöglichen. „Wir wollen auch wissen, was Plan B ist, der Oberbürgermeister hat erklärt, es gebe auch Alternativen. In diese Diskussion wollen wir eingebunden werden“, so Vaupel.

„Wir haben im Werbekreis mit vielen Menschen darüber gesprochen, die Bürger für Marburg haben mit ihrem Vorschlag für eine Markthalle ebenfalls eine Debatte eröffnet, aber wir wollen jetzt eine große Diskussion“, so Sabo. Denn ruckzuck sei das Weihnachtsgeschäft vorbei und man werde vielleicht eines Tages vor vollendete Tatsachen gesetzt. „Muss es denn unbedingt Center heißen? Könnte das Gebäude nicht für Freizeiteinrichtungen genutzt werden?“, fragt Guido Vaupel. Kaltenbach schwebt als Mieter eine oder mehrere Fast-Food-Ketten vor, die „gesunde Kost“ anbieten. So etwas gebe es in größeren Städten.

Und spätestens am Wochenende, wenn die Adventszeit begonnen hat, werde man feststellen, dass Marburg unbedingt mehr Parkplätze benötigt, sagen die Händler. „An verkaufsstarken Tagen fahren uns die Menschen aus dem Umland weg“, so Vaupel. Damit Kundschaft weder aus der Oberstadt wegläuft noch aus Marburg wegfährt, wollen die Händler Anfang Januar ihre Anliegen und Vorschläge, so bunt und unterschiedlich sie auch sind, dem Magistrat vortragen. In der Zwischenzeit wollen sie die Bürger und ihre Kunden befragen, was sie sich in einem neuen Center wünschen würden.

von Anna Ntemiris

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