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Hinterland Erste WG-Party steigt im Rohbau
Landkreis Hinterland Erste WG-Party steigt im Rohbau
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21:00 22.01.2018
Zwei der vier Häuser sind schon recht weit fortgeschritten, insgesamt sollen vier Gebäude mit gut 5 300 Quadratmetern Wohnfläche entstehen. Quelle: Andreas Schmidt
Marburg

Bereits seit vergangenem September wird in der Jakob-Kaiser-Straße gebaut, die Planungen reichen indes weit länger zurück, wie Helmut Euler, Vorstandsvorsitzender der VR Bank Hessenland, am Freitag bei der Vorstellung des Projekts erläuterte. Denn die Bank tritt nicht nur als Bauherr auf, „um mit dem Verkauf dann die schnelle Mark zu machen“, wie Euler sagt. Vielmehr hatte die Bank bereits im vergangenen Jahr angekündigt, sich in Zeiten der Zinskrise breiter aufzustellen und auch Immobilien ins Portfolio aufzunehmen.

Die Vertreterversammlung ­habe grünes Licht gegeben, und so ging die Marke „vr-immo.plus“ an den Start. „Jetzt feiern wir heute die erste WG-Party im Rohbau“, scherzte Euler, „wenn das Drehbuch sich so entwickelt, wie wir es wünschen, dann werden im Frühjahr kommenden Jahres gut 160 neue Menschen den Ortsteil bereichern“.

So „ganz freiwillig“ sei die Bank den Weg nicht gegangen, „uns hat der Herr Draghi geschickt, der keine Zinsen mehr zulässt“, sagte Euler. In den kommenden Jahren wolle die Bank ein umfangreiches Immobilien-Portfolio entwickeln. 50 Millionen Euro habe man bereits in 11 Projekte investiert – das Studentenwohnheim mit dem Namen „LIV“ – für „Lebendig, individuell, verlässlich“ – schlägt mit 15 Millionen Euro zu Buche. Und da man selbst als Vermieter auftrete, „sind das hier auch keine einfachen Studentenbuden“, so Euler – vielmehr gehe es um langfristiges und nachhaltiges Engagement.

Das Konzept der Häuser: Auf jeweils vier Etagen entstehen Zweier- bis Vierer-Wohngemeinschaften, die in ihren Zimmern immer ein eigenes Bad sowie einen Balkon haben. Die WGs teilen sich dann nur die Küche. In einem Haus entstehen zusätzlich zu den WGs noch insgesamt vier Einzimmer-Appartements, sodass letztlich 162 Zimmer mit einer Wohnfläche von insgesamt gut 5 350 Quadratmetern entstehen. Sollte die Zahl der Studierenden irgendwann sinken, so sei durchaus denkbar, mehrere der Zimmer zu Familienwohnungen umzufunktionieren  das gebe das Baukonzept her.
„Wichtig war uns, dass nur heimische Unternehmen zum Einsatz kommen“, verdeutlichte Euler – sodass die Wirtschaftskraft in der Region bleibe.

Spies: „Jede Wohnung ist ein Schritt nach vorn“

Für Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) ist klar: „Da sich die Universität in den vergangenen Jahren im Grunde um rund 50 Prozent vergrößert hat, gibt es einen dramatischen Wohnungsbedarf.“ Vor diesem Hintergrund sei „jede Wohnung, die in Marburg gebaut wird, und jeder Quadratmeter Wohnraum ein großer Schritt nach vorn“.
Mit den bereits realisierten Projekten liege die Stadt über den selbst gesteckten Zielen des städtischen Wohnraumentwicklungskonzepts. „Ich bin glücklich über Herrn Draghi, denn er hat die Bauaktivitäten deutlich vorangetrieben“, nahm Spies den Ball von Euler auf.

Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) sagte, dass der Landkreis sich freue, wenn die Stadt Marburg wachse, „das verleiht auch dem Landkreis Dynamik“. Dass der Neubau modern und hochwertig ausgeführt sei, komme dem Bedarf entgegen, „denn die Erwartungshaltung von Studenten ist heute eine andere“, so Zachow. Die Investition der Bank trage auch zur Steigerung der Attraktivität des Bildungs- und Wissenschaftsstandorts Marburg-Biedenkopf bei.

Richard Kiefer vom Ortsbeirat Ockershausen gratulierte zur Verwirklichung dieses „kraftvollen Projekts“, das dafür sorge, Menschen in den Stadtwald zu bringen. „Menschen, die vielleicht hierbleiben, die Nachbarn und Freunde werden und so auch in den Vereinen tätig werden – das braucht Ockershausen.“

Zu welchem Quadratmeterpreis die Wohnungen letztlich vermietet werden, steht laut Euler noch nicht fest. Allerdings fällt das Projekt laut Frauke Nolting von der „Gefra Wert und Grund GmbH“ nicht unter die in Marburg herrschende „Sozialquote“, nach der bei Projekten ab 20 Wohneinheiten ein Sozialanteil geschaffen werden muss. Denn: „Die vier Häuser stehen auf vier unterschiedlichen Grundstücken – daher greift die Quote nicht.“

von Andreas Schmidt