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Hinterland Neues Angebot soll Trauernden helfen
Landkreis Hinterland Neues Angebot soll Trauernden helfen
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21:31 01.12.2010
Die Vorsitzende des Vereins Familienbande, Kathrin Peter-Sandrock (rechts), unterstützt Monika Holtermann bei ihrem Projekt, eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Quelle: Steffi Bohne

Wallau. Sterben und Trauer seien ein ganz normaler Teil und Prozess des Lebens und würden dennoch oftmals verbannt und verdrängt. „Erst wenn in der eigenen Familie oder im engsten Freundeskreis ein geliebter Mensch verstirbt, werden wir mit diesem Thema konfrontiert“, sagte Monika Holtermann, die 2003 mit dem Verlust ihres Mannes sowie ihres Sohnes konfrontiert wurde. Nun möchte sie mit ihrer eigenen Geschichte helfen: „Ich hatte immer große Angst vor dem Tod, dann beschäftigte ich mich mit der Hospiz- und Trauerbegleitung“, erzählte sie. Die erste Erfahrung mit Hospizarbeit macht Monika Holtermann bei ihrem Mann, den sie zwei Jahre lang betreute. „In dieser Zeit habe ich viel gelernt“, erinnerte sie sich.

In den ersten Wochen nach dem Tod hätten die Angehörigen viele Dinge zu erledigen: Die Beerdigung, die Gänge zu den Ämtern, die Beantwortung der Trauerkarten. In dieser Zeit bleibe dem Trauernden kaum Zeit zum Nachdenken. Doch sobald die Besuche der Verwandten, Freunde und Nachbarn nachlassen, empfinde man plötzlich Einsamkeit und Leere. „Ich habe gemerkt, dass in dieser Zeit viel Redebedarf besteht“, sagte Holtermann. Schlimm seien auch Sätze wie: „Nun musst du aber nach vorne schauen“ oder „die Zeit heilt alle Wunden“. „Natürlich geht es weiter. Nur für Menschen, die einen solchen Verlust erlitten haben, scheint es, als ob die Zeit stehen bleibt“, sagte die Gruppenleiterin. An diesem Punkt möchte Holtermann ansetzen. Mit der Gründung einer neuen Selbsthilfegruppe in den Räumen der Familienbande will sie Trauernde dazu bringen, offen über ihre Gefühle und über ihre Trauer zu sprechen.

„In der Gruppe kann gelacht, geredet und geweint werden“, sagte sie. „Und das Wichtigste – alles, was in der Gruppe passiert, bleibt auch dort“, fügte sie an.
Dass es für viele Trauernde einfacher scheint den Schmerz zu verarbeiten, wenn man mit Menschen spricht, die das gleiche Schicksal teilen, weiß Holtermann aus eigener Erfahrung. „Die Trauer ist ein ganz normaler Prozess, den es zu verstehen gilt.“ Holtermann will mit ihrem neuen Gruppenangebot eine Hilfe zur Selbsthilfe schaffen. Auch neue private Kontakte könnten daraus entstehen.

Holtermann weiß auch, dass die Hemmschwelle noch sehr groß ist und viele Trauernde die Gesellschaft anderer erst einmal meiden. Für diesen Fall bietet sie auch Einzelgespräche in Form einer Trauerberatung an. Ein Selbsthilfekurs für verwaiste Eltern findet bereits unter ihrer Leitung jeden ersten Montag im Monat statt. In der Vorweihnachtszeit finden die ersten Sitzungen statt, „denn das ist die Zeit, die für viele Trauernde besonders belastend ist“, sagte Holtermann. Für die Beratung in der Gruppe, als auch im Einzelgespräch fallen keine Kosten an. Holtermann sieht ihr Angebot als eine Herzensangelegenheit an. „Wir wollen, dass die Trauernden wieder am Leben teilhaben können“, sagte sie.

Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 0 64 61 / 80 88 36 oder unter www.familienbande-wallau.de.

von Steffi Bohne

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