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Hinterland Lohra verkauft zwei weitere Häuser
Landkreis Hinterland Lohra verkauft zwei weitere Häuser
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00:17 27.06.2018
Das Dorfgemeinschaftshaus in Nanz-Willershausen. Quelle: Anita Ruprecht
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Lohra

Mehr als drei Stunden debattierten die 24 Gemeindevertreter Lohras am Donnerstagabend im Bürgerhaus vor rund 30 Zuhörern. Darunter waren auch etwa 10 Willershäuser, die nicht so bevorzugt behandelt wurden, wie die rund doppelt so vielen Feuerwehrleute.

Deren Thema hievten die ­Gemeindevertreter nämlich vom 19. auf den 8. Rang der ­Tagesordnung und somit dem ersten, der zu debattieren war. Nach den Dankesreden für den ehrenamtlichen Einsatz der Feuerwehrmitglieder und der einstimmigen Annahme des „Bedarfs- und Entwicklungsplans der Freiwilligen Feuerwehr Lohra“, verließen die Betroffenen den Saal.

Die Willershäuser mussten dagegen zwei weitere Diskussionen abwarten, ehe es wie in der ursprünglichen Tagesordnung vorgesehen um den „Verkauf des Dorfgemeinschaftshauses im Ortsteil Nanz-Willershausen“ ging. Die Diskussion verlief wenig erfreulich, wurde von Mitgliedern des Willershäuser Ortsbeirates und Bürgern mit Zwischenrufen begleitet.

Auslöser war der Vortrag von Werner Waßmuth, mit dem der CDU-Fraktionschef den Verfassern des Aufrufs zu einer Unterschriftenaktion Unredlichkeit vorwarf. Darin, so Waßmuth, werde verschwiegen, dass der Gemeindevorstand dem Feuerwehrverein Willershausen 60.000 Euro aus dem 120.000-Euro-Verkaufserlös des Hauses für
einen Ersatzbau zugesichert hat.

Außerdem sei davon auszugehen, dass der Ersatzbau bis ­Ende Juni 2019 fertiggestellt sei. Deshalb bedürfe es keiner Verlängerung der Nutzungsvereinbarung mit dem Käufer für das Untergeschoss. Ein Jahr sei durch den Vertragsentwurf  abgedeckt und auch die weiteren Forderungen im Änderungsantrag der BfB seien überflüssig und dieser deshalb abzulehnen, meinte Waßmuth.

Der BfB-Antrag sieht vor, dass der Zuschuss auch im Haushalt 2019 festgeschrieben wird, sollte er dieses Jahr nicht abgerufen werden. Ferner sei mit dem Käufer eine Verlängerung der Nutzungsdauer für möglichst viele Räume im Erdgeschoss des Dorfgemeinschaftshauses und eventuell auch des Kinderspielplatzes zu erreichen.

Stil der Debatte kommt nicht gut an

Es soll eine Vereinbarung mit dem Feuerwehrverein geben, damit das neue Gebäude einer breiten Öffentlichkeit für die bisherigen Nutzungen wie Beerdigungskaffee oder Familienfeiern zur Verfügung steht und es soll mit dem Ortsbeirat ein neuer Standort für den Kinderspielplatz gefunden werden, wo Bauhofmitarbeiter die bisherigen, instand gesetzten Geräte wieder aufbauen.

Auch der SPD-Vorsitzende Kurt Schwald bezeichnete den BfB-Antrag erst als entbehrlich, signalisierte dann aber die Bereitschaft diesen mitzutragen, weil die Unterschriftenliste aus der Sorge etwas zu verlieren und dem „Was passiert danach?“ entstanden sei.

Daraufhin schwenkte auch Waßmuth ein. Fast alle Punkte des BfB-Antrags seien „Selbstverständlichkeiten“, der zweite­ könne aber den Vertrag zum Platzen bringen. Der parteilose Bürgermeister Georg Gaul wies darauf hin, dass die Jahresfrist zur weiteren Nutzung der Räume im Erdgeschoss durch die Dorfgemeinschaft „schon ein sehr großes Entgegenkommen des Käufers ist“.

Schließlich willigte die BfB-Fraktion ein, im Passus zur Nutzungsverlängerung ihres Antrages aus dem „zu erreichen“ ein „nach Möglichkeit“ zu machen, woraufhin der Verkauf mit den Ergänzungen des Änderungsvertrags einstimmig beschlossen wurde.

Dr. Ulrich Dörr, der als Mitinitiator vor der Sitzung die Liste mit den 116 Unterschriften der Willershäuser übergab, äußerte­ sich gegenüber der OP nun ­„relativ zuversichtlich, dass das klappt“. Zwar hätte er sich eine engere Fixierung der Nutzungsmöglichkeiten im Ersatzgebäude gewünscht, was ihn aber am meisten stört sei der Stil. „Der war beleidigend“, findet Dörr. Er hätte sich die Souveränität und den Mut des Plenums gewünscht, sich eine Stellungnahme zu den schiefen Aussagen Waßmuths anzuhören.

Privatier erhebt Einspruch gegen Verkauf an Verein

Ebenso einstimmig aber ohne Diskussion ging der Beschluss zum Verkauf des Dorfgemeinschaftshauses Seelbach für 6.000 Euro an den Verein „Land-Luft-Lebensqualität Seelbach“­ vonstatten. Bürgermeister Georg Gaul wies auf den Begleitbeschluss von 2014 hin, der örtlichen Vereinen ein Vorkaufsrecht einräumt und dass es ein Angebot eines Privatmannes in Höhe von 25.000 Euro gibt (OP berichtete). Der Interessent aus Niederwalgern habe Einspruch gegen die Verkaufsbedingungen eingelegt, was vermutlich zu einem Rechtsstreit führen werde.

von Gianfranco Fain

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