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„Nachtrunk“ ohne Zeugen mindert Folgen

Amtsgericht „Nachtrunk“ ohne Zeugen mindert Folgen

Wegen Trunkenheit muss ein 21-jähriger Angeklagter eine Geldbuße von 1000 Euro zahlen, erhält aber seinen Führerschein wieder.

Biedenkopf. Am Dienstag wurde einem 21-jährigen Hinterländer vor dem Amtsgericht Biedenkopf vorgeworfen, am 12. Mai gegen 19.30 Uhr in Gladenbach unter Alkoholeinfluss gefahren zu sein. Gegen 0.10 Uhr wurden 1,33 Promille Alkoholgehalt im Blut ermittelt, woraus sich ein Wert zur Tatzeit von 1,79 Promille errechnen lässt.

Der Verteidiger erklärte, dass sein Mandant die Vorwürfe einräume, jedoch habe dieser nach seiner Fahrt gegen 19.30 Uhr bis etwa 22.15 Uhr vor dem Haus seiner Freundin noch etliche Flaschen Bier getrunken, sodass der Blutalkoholgehalt zur Tatzeit mit 1,79 Promille nicht stimme. Dies sei glaubwürdig, da sich der Bierkasten noch im Auto befand.

Der 21-Jährige gab an, bereits am Nachmittag ab 15 Uhr im „Hainpark“ mit Freunden gefeiert und dabei dem Alkohol zugesprochen zu haben. Dabei sei es zu einem Zerwürfnis mit anschließender Trennung von seiner Freundin gekommen. Er habe das Fest verlassen und sei mit seinem Auto in die nur wenige Minuten entfernt liegende Ferdinand-Köhler-Straße gefahren. Dort habe er sein Auto vor dem Haus seiner Freundin geparkt und weiter getrunken. Gegen 21.30 Uhr sei er in das Haus „rein“, die Polizei habe ihn später dort herausgeholt.

Auf die Frage von Richter Mirko Schulte, wieviel Bier er nachmittags konsumiert habe, sprach dieser von fünf bis sieben Flaschen, darunter auch Radler. Genau wisse er dies nicht mehr. Er habe sich zu dem Haus der Ex-Freundin Zutritt verschafft, weil ihm kalt gewesen sei und er zudem Groll gegen die Eltern seiner Freundin hatte. Eine Nachbarin habe dies beobachtet, einen Einbrecher vermutet und die Polizei gerufen.

Angeklagter schläft beim Abwaschen des Blutes ein

Ob er Zeugen für seinen Alkoholgenuss nach der Autofahrt habe, verneinte der Angeklagte und berichtete, dass sich im 24er Bierkasten noch sechs volle Flaschen befunden hätten. Er habe einen Freund angerufen, damit dieser ihn abhole, was dieser aber ablehnte.

Die Staatsanwältin hielt dem jungen Mann vor, dass dieser, wenn er seinen Freund zum Abholung gebeten habe, doch erkannt haben müsse, dass er nicht mehr fahrtüchtig gewesen sei. Darauf erwiderte der 21-Jährige, dass er diese Fahrt nicht habe riskieren wollen. Er habe im Auto Musik gehört, sei durch eine Scheibe in das Haus hinein und habe sich in den Flur gelegt, in der Hoffnung, mit der Freundin nochmal zu sprechen.

Nach Abwägung durch die Staatsanwältin und dem Richter wurde aufgrund der unklaren Beweislage, der Alkoholgenuss des Nachtrunks mit 0,75 Promille errechnet, vom errechneten Blutalkoholgehalt der Tatzeit mit 1,79 Promille in Abzug gebracht und dem Angeklagten zur Last gelegt, dass dieser seine Autofahrt mit 1,04 Promille zurückgelegt habe.

Der Anwalt verwies darauf, dass der Angeklagte seine Fahrt unfallfrei vollzog und durch den späteren Nachtrunk so „vollgesoffen“ gewesen sei, dass dieser beim Abwaschen des Blutes an der Hand eingeschlafen sei.

Die Staatsanwältin forderte ein Fahrverbot von drei Monaten und eine Geldbuße von 1400 Euro.

„Im Zweifel für den Angeklagten“, stellte Richter Mirko Schulte fest und führte aus, dass es keine Zeugen für das Trinkverhalten des Angeklagten gebe und der angegebene Nachtrunk von etwa fünf Flaschen Bier daher nicht zu widerlegen sei. Der Richter belegte dem Angeklagten mit einer Geldbuße von 1000 Euro und einem dreimonatigen Fahrverbot. Da diese drei Monate mittlerweile verstrichen sind, händigte Schulte den Führerschein noch im Gerichtssaal wieder aus.

von Helga Peter

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