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Hinterland Bis Ostern sollen Kassen wieder klingeln
Landkreis Hinterland Bis Ostern sollen Kassen wieder klingeln
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07:00 08.01.2018
Enorme Erdbewegungen waren nötig, um Raum für den neuen Lidl-Markt zu schaffen. Links im Vordergrund des Bildes sieht man ­Teile der Bohrpfahlwand, die den Geländesprung sichern. Quelle: Hartmut Berge
Gladenbach

Modernere, größere und damit kundenfreundlicher Märkte sollen die gar nicht mal so alten Supermärkte ersetzen. Lidl sperrte am 3. Juni den Laden zu, Aldi schloss am 30. Juni. Seither gibt es im Mittel­zentrum Gladenbach nur noch den 2015 eröffneten Rewe im Kirchbergcenter, einen älteren und kleineren Rewe am Marktplatz und einen kleinen Supermarkt in der Marktstraße. Viele Kunden reagierten mit Unverständnis auf die gleichzeitige Schließung.

Das Lidl-Projekt stand schon lange auf der Agenda, ließ sich aber nicht nach dem seit Anfang 2015 vorliegenden Plan realisieren. Der Grund: Lidl hatte am alten Standort in der Gießener Straße auch das Nachbargrundstück mit der Villa Wehrenbold gekauft. Die Jugendstilvilla sollte samt der Nebengebäude, unter anderem einer Wäscherei und Reinigung, abgerissen werden, zugunsten weiterer Parkplätze.

Auf Intervention des Heimat- und Museumsvereins Amt Blankenstein legte die Denkmalschutzbehörde des Landkreises ihr Veto ein. Die Villa (Foto: Berge) gehört zu einem historischen Häuser-
Ensemble. Der teilweise marode Zustand des Gebäudes reichte 
nicht als Argument für die Erteilung einer Abrissgenehmigung.

Nur die Anbauten ­durften verschwinden, das denkmalgeschützte Hauptgebäude bleibt stehen. Das Planungsverfahren zog sich in die 
Länge. Der Lebensmitteldiscounter musste einen Plan B für seine Erweiterung ausarbeiten – mit der Villa. Die bildet jetzt das Einfahrtstor zum neuen Markt. Vor dem Gebäude – aus Fahrtrichtung Erdhausen – ist die neue Zufahrt zum Parkplatz. Der Hang ist zur Straße durch eine Betonmauer abgesichert. Vom Fußweg führt eine Treppe auf das Gelände. Das erspart Kunden, die zu Fuß aus Richtung Innenstadt unterwegs sind, den längeren Weg über die neue Zufahrt.

Der alte Markt mit einer Verkaufsfläche von 900 Quadratmetern lag in einem Mischgebiet. Das neue Gebäude bietet 600 Quadratmeter mehr an Verkaufsfläche, der neue Standort wurde im Vergleich zur alten Filiale um 90 Grad gedreht, er steht nun an der östlichen Seite des Areals. Dafür musste das Parlament die Grundstücke an der Gießener Straße vom „Mischgebiet“ in ein Sondergebiet „großflächiger Einzelhandel“ umwandeln.

Der erste Gladenbacher Lidl-Markt eröffnete an der heutigen Karl-Waldschmidt-Straße. Bestrebungen des Filialisten, auf der grünen Wiese, vor den Toren Gladenbachs, einen größeren Markt zu errichten, stießen auf den Widerstand der Gladenbacher Politik. So kam es 2000 zum Bau einer neuen Filiale in der Gießener Straße. Der Markt wurde seitdem einmal erweitert.

Zur Schaffung des neuen Areals waren enorme Erdbewegungen nötig. Ins Auge fällt die große Bohrpfahlwand, sie dient zur Sicherung des Geländesprungs und besteht aus vielen einzelnen bewehrten und unbewehrten Bohrpfählen aus Ortbeton.

Wann die neue Filiale eröffnet werden soll, war in dieser ­Woche nicht zu erfahren. Nach offiziell nicht bestätigten Informationen der Oberhessischen Presse könnte dies bereits Ende Februar der Fall sein. Der Innen­ausbau ist in vollem Gange, der Parkplatz ist weitgehend fertiggestellt, einzelne Pflasterarbeiten und das Aufbringen der oberen Asphalttragschicht stehen noch aus. Der Innenausbau ist hat nach der Feiertagspause wieder begonnen. Seitens der Stadt war zu hören, dass in den nächsten Tagen ein Gespräch mit den Verantwortlichen anstehe, in dem womöglich der Eröffnungstermin bekanntgegeben werde.

An gleicher Stelle, aber auf deutlich größerer Fläche, entsteht der neue Aldi-Markt. Im Mittelpunkt der noch ausstehenden Arbeiten steht in den nächsten Wochen und Monaten der Innenausbau. Der Filialist übernimmt den Markt nach Fertigstellung und ist dort Mieter. Foto: Berge

Breite Gänge, ein helles, freundliches Ambiente und ­einen barrierefreien Einkauf will der Lebensmitteldiscounter seinen Kunden in dem ­neuen Gebäude bieten. Dieses Ziel deckt sich mit dem der Verantwortlichen von Aldi Nord. Die neue Filiale, sie steht an gleicher Stelle wie die alte, nimmt eine Fläche von 1600 Quadratmetern ein und bietet mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche 300 mehr als das alte Gebäude.

Auf dem Dach soll eine Photo­voltaikanlage errichtet werden. Zur modernsten, energieeffizienten Technik zählen eine Wärmeverbundanlage mit Energierückgewinnung, energiesparende Kühltechnik und eine Innenraumausstattung mit neuem Frischekonzept. „Wir bieten unseren Kunden höhere Räume und breitere Gänge. Bodentiefe Fenster machen den Markt heller“, beschreibt Clemens Kramer von der Aldi-Immobilienverwaltung.

Das Sortiment bleibe das gleiche, könne nun aber besser präsentiert werden, sagt er. Selbst mit Rollatoren könnten sich Kunden künftig im Markt bewegen, ohne dass man sich gegenseitig in die Quere komme.

Aldi möchte im März
 an den Start gehen

Zum Fertigstellungsdatum wollte er sich nicht äußern. „Wir sind Mieter. Das bedarf der ­vorherigen Absprache“, betont Clemens Kramer. Ziel sei es aber, im März zu eröffnen.

Seinen ersten Markt in Gladenbach eröffnete Aldi an der Straße „Zum Spritzenplatz“. Es folgte der Umzug ins neue Kirchberg-Center. Der Markt an der Ecke Adolf-Theis-Straße und Kirchbergstraße erwies sich schon bald als zu klein. Auch die Parkplätze reichten nicht aus.

Das Unternehmen entschloss sich zum Umzug in die un­mittelbare Nachbarschaft. Unterhalb des einstigen Tegut-Marktes erwarb Aldi ein großes Grundstück.
Die Verrohrung des dort unterirdisch fließenden Bornsbachs musste verlegt werden. Auf einer Fläche von 1100 Quadratmetern entstand der neue Markt. Es gab zusätzliche Parkplätze und eine neue Zufahrt über die Kirchbergstraße.

Im Oktober 2005 begannen die Arbeiten, gut fünf Monate später eröffnete die Filiale. Seit Ende Juni 2017 ist sie Geschichte.

von Hartmut Berge