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Nabu verzichte auf Windpark-Klage

Windparkt am HIlsberg Nabu verzichte auf Windpark-Klage

Der Naturschutzbund Hessen wird nicht weiter gegen den geplanten Windpark am Hilsberg klagen.

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Die unterzeichnete Vereinbarung zum Windpark Hilsberg wird ausgetauscht: (von links) Bürgermeister Markus Schäfer, Nabu-Landesgeschäftsführer Hartmut Mai und Erster Beigeordneter Dieter Domke.Foto: Michael Tietz

Bad Endbach . Auf den Klageverzicht haben sich die Gemeinde Bad Endbach und die Naturschützer verständigt und ihr Übereinkommen sogar vertraglich besiegelt. Im Gegenzug hat sich die Kommune verpflichtet, bauliche Veränderungen vorzunehmen, um den Lebensraum des Rotmilan am Hilsberg zu verbessern.

„Wir haben keinen Grund mehr für eine Klage“, betonte Harmut Mai, Landesgeschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu) Hessen. In den Verhandlungen mit der Gemeinde Bad Endbach, die den Windpark mit fünf Anlagen am Hilsberg bauen will, sei ein „tolles Gesamtpaket“ für den Artenschutz geschnürt worden. Wie dieses aussieht, stellte Mai gestern zusammen mit Bürgermeister Markus Schäfer (CDU), Bauamtsleiter Thomas Reuter und dem Ersten Beigeordneten Dieter Domke (FW) vor.

Der ursprünglich geplante Windrad-Standort 3 im alten Buchenbestand auf dem Hilsberg wird aus dem laufenden Genehmigungsverfahren herausgenommen. An seine Stelle tritt der im Süden des Plangebietes liegende Standort 6 nahe der Grenze nach Rachelshausen. Weiterhin verpflichtet sich die Gemeinde dazu, für den Stromtransport zusätzliche 560 Meter Erdkabel zu verlegen und somit auf die für den Rotmilan gefährlichen Freilandleitungen zu verzichten.

Die beiden östlich von Bottenhorn bereits stehenden Windräder soll es nicht mehr allzu lange geben. Die Gemeinde will die Anlagen kaufen und dann abbauen. „Das ist besonders wichtig für den Rotmilan, denn sein Nahrungsgebiet liegt genau in diesem Bereich“, erklärte Mai. Die Demontage soll - wenn alles nach Plan läuft - parallel zum Aufbau der neuen Windräder am Hilsberg erfolgen.

Der Rotmilan soll auf dem Höhenzug auch ein mögliches Brutgebiet vorfinden. Deshalb war zunächst vorgesehen, dass eine ein Hektar große Waldfläche stillgelegt und nicht mehr bewirtschaftet werden soll. Dieses Areal wird nun auf zwei Hektar ausgedehnt und der Nabu-Stiftung übertragen. Zu guter Letzt sollen auch noch sechs Hektar Ackerland in Grünland umgewandelt werden, um das Jagdgebiet des Rotmilan zu verbessern.

„Wir nehmen die Bedenken ernst, die zu unserem Vorhaben geäußert wurden“, betonte Schäfer. Deshalb habe die Gemeinde auch Gespräche mit dem Naturschutzbund geführt und versucht, die aus faunistischer Sicht angeführten Einwände abzuarbeiten. „Wirhaben hart miteinander gerungen“, gestand der Rathauschef. Die dabei auf den Tisch gekommenen Forderungen - der Nabu nennt diese lieber „Vorschläge“ - seien für die Gemeinde nicht einfach umzusetzen. Aber: Wer auf der einen Seite saubere Energie gewinnen wolle, der müsse auf der anderen Seite auch für die dabei notwendigen Eingriffe in die Natur geradestehen, so Schäfer. Er sprach von einer „vernünftigen, guten Lösung im Sinne der Natur“.

Aus Sicht des Nabu waren bisher die Artenschutzbelange beim Hilsberg-Projekt nicht genügend berücksichtigt worden. Deshalb habe der Naturschutzbund auch mit der Bürgerinitiative aus Holzhausen zusammengearbeitet. „Doch dieses Problem ist jetzt gelöst“, sagte Mai und stellte klar: „Es kann nicht sein, dass der Artenschutz missbraucht wird, um andere Bedenken gegen das Vorhaben zu transportieren.“

Ein Restrisiko für den Rotmilan könne er natürlich nicht ausschließen, trotz der gefundenen Lösungen. Mit diesen würden jedoch an anderen Stellen am Hilsberg genügend Lebensbereiche für den bedrohten Greifvogel geschaffen. Ohnehin sei eine übermäßige Landnutzung „deutlich gefährlicher“ für den Rotmilan als die Windkraft, sagte Mai.

Um Verständnis für die Vereinbarung will der Landesgeschäftsführer bei der BI Holzhausen erst gar nicht bitten, aber um Akzeptanz. „Energiewende bedeutet, dass wir uns künftig bei der Gewinnung von Energie gravierend umstellen müssen“, sagte Mai. Und dieser Schritt sei auch mit Beeinträchtigungen verbunden, doch es gebe keine Alternative. Die Energiewende könne man nicht betreiben, wenn man nur auf einen Ort fixiert sei.

Ein Jahr hinter ihrem Zeitplan liegt die Gemeinde Bad Endbach nun mit ihrem Windpark-Projekt, weil juristische Auseinandersetzungen und Nachbesserungen für den Artenschutz das Genehmigungsverfahren in die Länge gezogen haben. Alle nötigen Unterlagen liegen laut Schäfer aber mittlerweile beim Regierungspräsidium vor. Mit einer endgültigen Entscheidung rechnet die Kommune im Januar oder Februar 2013. Da für den Windrad-Standort1 aber schon eine Teilbaugenehmigung vorliegt, will Bad Endbach noch in diesem Jahr zumindest dort mit Ausschachtungen und dem Wegebau beginnen.

von Michael Tietz

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