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18:36 24.04.2017
In monatelangen Proben hatten sich die Musiker auf ihren Auftritt vorbereitet. Doch dieses Konzert fand keine größere Resonanz beim Publikum. Quelle: Peter Piplies
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Bad Endbach

Zwei Stunden lang unterhielten die 30 Instrumentalisten aus der Großgemeinde ihr Publikum mit abwechslungsreichen Melodien. Unter den strengen Augen und vor allem Ohren ihres Dirigenten Michael Werner hatten die Musiker in monatelanger Probenarbeit ihr Programm einstudiert. Im Saal der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) im Bornweg wurden nun die Mühen mit kräftigem Applaus und Bravo-Rufen angemessen belohnt.

Denn hier – und nicht wie sonst üblich im großen Saal des Kur- und Bürgerhauses – hatten die ambitionierten Instrumentalisten ihr Frühlingskonzert aufgeführt. Dabei zeigten sich die 30 Musiker in Bestform. Sie überzeugten mit großer Klangbreite und vor allem virtuoser Dynamik – was nicht zuletzt der sehr guten Akustik des Veranstaltungsorts geschuldet war.

Sogar der größte Kritiker der Bad Endbacher Amateur-Musiker, nämlich deren Dirigent Michael Werner selbst, zeigte sich von seinen Schützlingen begeistert. „Ich bin mega-stolz auf euch. Ihr habt ganz toll gespielt“, erklärte der musikalische Leiter nach dem Auftritt.

„Glück auf“ als Zugabe

Im Gegensatz zu anderen größeren Orchestern musste hier jede einzelne Stimme sitzen und den kompletten Konzertabend hindurch hoch konzentriert bleiben – weil es schlicht und einfach jede Stimme nur einmal gab, erläuterte Werner. Die Zuhörer im Saal merkten von dieser Anspannung auf der Bühne indes kaum etwas. Routiniert und spielfreudig nahmen die Musiker ihr Publikum mit auf eine Reise rund um die Welt.

Angefangen in Italien mit dem Florentiner Marsch von Julius Fucik, über eine Fahrt mit dem Luftschiff Hindenburg in die USA und unterwegs mit Harry Potter im Land der Zauberer brachen die Instrumentalisten mit ihren faszinierten Zuhörern auch in die einsamen Gegenden von Irland und Russland auf. Nach einem musikalischen Abstecher in den Pazifik, nach Frankreich und Böhmen endete das Konzert in Tirol.

Doch die begeisterte Zuhörerschaft wollte die Blasmusiker noch nicht von der Bühne entlassen und erklatschte sich ­eine Zugabe. So stimmten die Bad Endbacher Instrumentalisten noch die Orchester-Version von „Glück auf“ an, wobei hier zum zweiten Mal Annette Hecht und Dirigent Werner als Gesangsduo auftraten. Die Konzertbesucher stimmten mit Gesang und rhythmischem Klatschen in das Bergmannslied ein.

Einziger Wermutstropfen war die bescheidene Anzahl der Konzertbesucher: knapp 150 Menschen kamen. Während bei Konzerten mit böhmischer Blasmusik im Nu die 700 Karten ausverkauft sind, blieb im Saal der FeG jeder zweite Platz bei dem abwechslungsreichen Vortrag mit ambitionierten Kompositionen leer. Dirigent Werner äußerte am Ende des Abends sein ­völliges Unverständnis: „Die Einwohner der Großgemeinde Bad Endbach wissen gar nicht, was sie für ein großartiges ­Orchester mit tollen engagierten Amateurmusikern hier haben.“

von Peter Piplies

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