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„Müssen uns Dauernörglern entgegenstellen“

Hessischer Wirtschaftsrat „Müssen uns Dauernörglern entgegenstellen“

Der hessische Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) diskutierte mit heimischen Wirtschaftsvertretern zum wirtschaftspolitischen Jahresauftakt über aktuelle Themen.

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Finanzminister Dr. Thomas Schäfer und Andreas Bartsch (Sparkasse Marburg-Biedenkopf) sprachen beim wirtschaftspolitischen Jahresauftakt. Stefan Oberhansl, Sektionssprecher Marburg des Wirtschaftsrates Hessen, führte durch die Veranstaltung.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. Die Sektion Marburg-Biedenkopf des Hessischen Wirtschaftsrates hatte zur Diskussionsrunde mit dem Finanzminister in das Hauptgebäude der Sparkasse Marburg-Biedenkopf in der Universitätsstraße in Marburg eingeladen. Zur Sprache kamen vor rund 50 geladenen Gästen aktuelle Themen aus Politik und Wirtschaft. Deren Lage sei, so Schäfer, längst nicht so dramatisch, wie sie bisweilen dargestellt werde.

Schäfer zitierte den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert, der neulich hervorgehoben hatte, dass Deutschland einer Studie zufolge das wirtschaftlich attraktivste Land für Unternehmer sei. Dies habe eine weltweite Umfrage unter 10.000 Wirtschaftsexperten ergeben, nach denen die Länder anhand verschiedener Wirtschaftsfaktoren beurteilt wurden. „Die Bundesrepublik ist mit Abstand auf Platz eins“, sagte Schäfer.

Eine weitere Erhebung zeige jedoch, dass dies in der Selbstwahrnehmung ganz anders sei. Im internationalen Glücksatlas, der die Zufriedenheit der Menschen beschreibt, liege Deutschland nur auf Platz 46 (die Zahlen stammen aus 2014, Anmerkung der Redaktion). „Zwischen Kenia und Senegal.“ Laut Schäfer ein Missverhältnis: „Da stimmt 
etwas nicht“, sagte er. „Um unsere Probleme werden wir woanders beneidet.“

Schäfer: „Wir Deutsche sind Hasenfüße im Geldanlegen“

Den Wirtschaftsvertretern komme daher ebenso wie den Politikern die Aufgabe zu, „an der gesellschaftlichen Grundstimmung etwas zu ändern“. Etwa wenn es um das vermeintliche Auseinandergehen der sozialen Schere gehe. „Die Behauptung, nur die Unternehmenseinkünfte seien gestiegen, lässt sich nicht halten“, sagte er. Seit 2005 sei die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung um acht Prozent gestiegen, die Jugendarbeitslosigkeit sei so niedrig wie niemals zuvor. „Wir müssen uns diesen Dauernörglern verdammt nochmal entgegenstellen, damit das was sie erzählen nicht Wirklichkeit wird“, so Schäfer.

Der Finanzminister ging in der anschließenden Fragestunde aber auch auf problematische Themen ein. So zum Beispiel die Rente . Wenn immer weniger junge Leute die Rentenbeiträge aufbringen sollen, von denen immer mehr Alte leben wollen, sei das „immer eine Frage von einfachen Dreisätzen“. Auf Dauer könne das nicht funktionieren. Laut Schäfer bedürfe es daher unter anderem mehr privater Vorsorge. Dafür sei ein wenig mehr Risikobereitschaft nötig. „Wir Deutsche sind Hasenfüße im Geldanlegen“, erklärte Schäfer. Die Zeiten „des risikolosen Zinses sind aber vorbei“. Wenn passive Anlagen (zum Beispiel Sparkonten) nicht mehr zu „entsprechenden Zinsen“ führten, müsse „man eben in relativ sichere Anlagen investieren und an unternehmerischem Erfolg partizipieren“, warb er für breitgestreute Aktienfonds.

Obwohl angesichts des Brexits, der autokratischen Regime in Russland und der Türkei sowie des neugewählten US-Präsidenten Donald Trump Unsicherheit auch in der Wirtschaft herrsche, müsse man die Ruhe bewahren. „Was mit dem amerikanischen Präsidenten einhergeht, weiß er wahrscheinlich selbst noch nicht“, so der Finanzminister. Er glaube aber daran, dass „die politische Wirklichkeit zur Veränderung einiger Positionen führen wird“. Schließlich agiere Trump derzeit noch „im luftleeren Raum“. „Manche Torheiten wird er wohl machen, aber im Laufe der Monate wird sich das relativieren“, vermutete er.

Schäfer, der einst selbst bei der Sparkasse in Biedenkopf arbeitet, sprach im Zusammenhang mit den geplanten Filialschließungen von „Wehmut“. Die Entscheidung der Sparkasse sei aber „am Ende richtig“. Man könne „in einer Ein-Mann-Geschäftsstelle keine komplexe Beratung organisieren“. Dem stimmte Andreas Bartsch, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, zu. Das Geldinstitut werde in Zukunft „kompakter und effektiver“ sein und in die verbleibenden 34 Geschäftsstellen „einige Millionen“ investieren.

von Peter Gassner

 
 
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