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Hinterland Müller-Alphörner für die Eidgenossen
Landkreis Hinterland Müller-Alphörner für die Eidgenossen
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08:00 08.02.2018
Ein Stückchen Schweiz im Hinterland: Mike Müller mit einem Alphorn aus eigener Produktion und Berner Sennenhund Merlin. Quelle: Christian Röder
Obereisenhausen

Blechblasinstrumente sind eine Leidenschaft des Hommertshäusers Klaus Müller. „Seit ich acht Jahre alt bin, spiele ich“, erzählt er. Trompeten, Flügelhorn, Posaune – die Faszination für die Instrumente verband der heute 68-Jährige mit seiner Liebe zum Ski fahren und zu den Bergen. „So kam ich mit dem Alphorn in Kontakt und dachte mir: Das willst du auch können!“

Erster Versuch: „Der Klang war nicht besonders“

Doch nicht nur Alphorn spielen wollte Klaus Müller lernen; er wollte sein Instrument auch gleich selber bauen. „Ich hab mir dann einen Baum gesucht, von dem ich dachte, dass er passt und habe daraus mein erstes Alphorn gebaut“, erinnert er sich grinsend an diese Episode Anfang der 1990er-Jahre. „Obwohl man sagen muss: Der Klang war nicht besonders.“ Aber der Ehrgeiz war geweckt.

Klaus Müllers Sohn Mike griff ihm alsbald unter die Arme – mit seiner CNC-Fräse entstanden die ersten richtigen Müller-Alphörner, die der 46-Jährige heutzutage in die ganze Welt liefert. Auch im Herkunftsland des Alphorns, der Schweiz, vertrauen viele Kunden auf die Wertarbeit aus dem Hinterland. Allen voran Kurt Ott, bei dem Klaus Müller damals überhaupt erst gelernt hat, Alphorn zu spielen.

Ott, Inhaber von „Swiss Alphorn: Verlag und Musikschule“, war es auch, der die Müller-Alphörner ins Fernsehen gebracht hat. Bei der TV-Sendung „Die Helene Fischer Show 2016“ waren von 24 Alphörnern 16 Alphörner aus Hinterländer Produktion im Einsatz. Der Schweizer, der nach Aussage von Klaus und Mike Müller „ein echter Vollprofi“ ist, hat auch schon im Hinterland bei einem Benefizkonzert gespielt. „Danach sagte er: ,Das Horn nehme ich jetzt mit‘“, erinnert sich der Hommertshäuser: Die Kooperation war geboren.

Doch wie ist so ein Instrument überhaupt aufgebaut? Ein Müller-Alphorn besteht traditionell aus drei Komponenten, dem Hand-, dem Mittel- und dem Becherrohr. „Die Länge des Mundrohrs bestimmt bei Alphörnern die Stimmung“, erklärt Mike Müller. „Wir haben die Grundtonarten Fis/Ges, F, G, As und E im Angebot.“ Damit das Horn gut klingt, müssen alle drei Bestandteile des Instruments zusammengesteckt und absolut dicht sein. „Alle drei Hornteile werden von mir mit Verbindungsmuffen aus leichtem Aluminium ausgestattet. Das sorgt für festen Halt, schnellen und unkomplizierten Zusammenbau und somit auch leichten Transport“, erklärt Mike Müller.

Alphorn-Produktion alleine reicht nicht zum Leben

Das verwendete Holz stammt von der Fichte aus dem Schwarzwald. „Fichte gibt das beste Klangbild“, führt Klaus Müller aus und fährt mit den Fingern über das glatte Holz. „Man sieht die engen Jahresringe. Das heißt, es ist ganz langsam gewachsen. Deswegen eignet es sich für diesen Zweck so gut.“

Mit einem speziellen Lack werden die Instrumententeile abschließend überzogen. Und auf dem Alphorn spielen? Das kann von Vater und Sohn nur Klaus Müller. „Ich bekomme zwar auch Töne raus, aber Spielen kann man das nicht nennen“, sagt Mike Müller lachend. „Ich habe mir aber vorgenommen, es noch zu lernen.“

Das sei gar nicht so schwer, meint Klaus Müller. Was das Alphorn erfordert, ist ein gutes natürliches Atmen und beständiges Training der Lippen- und Atemmuskulatur. „Und üben, üben, üben …“
Alphörner sind aber nur eines der Standbeine der Obereisenhausener Schreinerei. „Alleine davon kann man nicht leben“, sagt Mike Müller.

Insbesondere in Zeiten des Internets sei die Konkurrenz aus Asien zu groß. Deswegen hat sich der Tischler auch auf Möbel und Lautsprechergehäuse spezialisiert – und auch Letztere sind weltweit gefragt. „Die Gehäuse für die Lautsprecher wurden jüngst in Südamerika eingesetzt“, sagt der 46-Jährige nicht ohne Stolz.

von Christian Röder