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Hinterland Landkreis: Müllabfuhr stockt mancherorts
Landkreis Hinterland Landkreis: Müllabfuhr stockt mancherorts
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19:00 28.02.2018
Seit Anfang Januar fährt ein neues Unternehmen den Bio-, Papier- und Restmüll im Auftrag des Müllabfuhrzweckverbands Biedenkopf ab. Seitdem haben die beiden Partner Probleme zu bewältigen. Quelle: Gianfranco Fain
Breidenbach

Wer dieser Tage versucht, sich mit einem Mitarbeiter der Geschäftsstelle des Müllabfuhrzweckverbands (MZV) Biedenkopf in Verbindung zu setzen, braucht ebenso viel Geduld, wie Kunden, die die Leerung ihrer Tonnen anmahnen wollen. Die Erkältungswelle dezimiert auch die MZV-Belegschaft und das gerade in einer Zeit, in der die Mitarbeiter ein erhöhtes Beschwerdeaufkommen bewältigen müssen.

„Ja, es stimmt“, gibt Verbandsvorsteher Christoph Felkl unumwunden zu. Abfuhrtermine würden nicht so bedient, wie es im Terminkalender vermerkt ist und „dafür müssen wir uns entschuldigen“, ergänzt Felkl, der im Hauptberuf Bürgermeister der Gemeinde Breidenbach ist.

Als solcher scheut er sich nicht, die Mitarbeiter der Geschäftsstelle im nahegelegenen Bürgerhaus am Beschwerdetelefon zu unterstützen. Daher weiß er, wo die rund 100.000 Kunden im MZV-Gebiet der Schuh drückt. Seit der Umstellung auf ein neues Abfuhrunternehmen, der größten organisatorischen Änderung des MZV seit Jahrzehnten, haben die Kunden ­wegen der Abfuhr Beschwerden­ ­unterschiedlicher Art. Die reichen von Verschiebungen im Abfuhrplan, wenn zum Beispiel die graue Tonne jetzt um 8 statt um 7.30 Uhr geleert wird, bis zu nicht geleerten Tonnen.

Das Problem mit den mancherorts stehen gebliebenen Tonnen zieht sich durchs ganze Verbandsgebiet. Dem gehören 13 Kommunen im Kreis an, von Breidenbach bis Wohratal am anderen Ende des Kreises und Biedenkopf bis Fronhausen. Das jüngste­ Beispiel wurde während der Gemeindevertretersitzung in Dautphetal am Montagabend angesprochen, weil in Holzhausen Tonnen tagelang an der Straße standen und nicht ­geleert wurden.

In diesem Fall stellte Felkl im Telefongespräch mit einem Kunden fest, handelte es sich um die gelben Tonnen beziehungsweise gelben Säcke, für dessen Abfuhr das Duale System Deutschland verantwortlich ist. Der MZV fährt Bio-, Papier- und Rest- sowie Sperrmüll ab. Aber es gebe auch andere, nicht wenige berechtigte Beschwerden aus diesem Ort, ebenso zum Beispiel aus dem Biedenkopfer Stadtteil Dexbach, wo die Biotonnen statt der im Abfuhrkalender vorgesehenen fünf nur zweimal geleert wurden.

Es seien diese vielen, zum Teil auch wiederholten Einzelfälle, die die Bilanz der laut Felkl „im Großen und Ganzen geglückten Umstellung“ verhageln. „Wir tun unser Bestes und auch das Abfuhrunternehmen bemüht sich, die Probleme zu beheben. Und wir verstehen, wenn die Geduld unserer Kunden am Ende ist, aber anschreien am Telefon bringt nichts“, bittet Felkl um einen zivilisierten Umgang.

Die Probleme sind, neben dem derzeitigen Krankenstand in der Geschäftsstelle und bei den Fahrern, immer noch in der Umstellung auf ein anderes Abfuhrunternehmen begründet. Im vergangenen Jahr schrieb der MZV die Abfuhr von Bio-, Papier- und Restmüll aus. Gegen den bisherigen Dienstleister Suez setzte sich das Wiesbadener Unternehmen Knettenbrech und Gurdulic durch.

Nach dem Zuschlag orderte das Unternehmen neue Fahrzeuge und wollte ausreichend Fahrer einstellen. Doch der Markt für Fahrzeugführer mit dem passenden Führerschein ist leergefegt und zugesagte Liefertermine für Fahrzeuge wurden nicht eingehalten. Das wiederum verzögert die Bestückung auch von gebrauchten Ersatzfahrzeugen mit den notwendigen Aufbauten und Technik.

Als Folge kam es laut Felkl schon im Januar zu mehr ­Anlaufschwierigkeiten, als befürchtet. Damals blieben sogar die Tonnen in ganzen Ortsteilen stehen. Rund 6.000 Tonnen müssen pro Abfuhrtag im Verbandsgebiet geleert werden. „Es gab viele Beschwerden und die Mitarbeiter waren am Ende“, berichtet Felkl.

Aber es gab auch Bemühungen der eingesetzten Fahrer, die Fehler auszubügeln. In einem Ort des Hinterlandes räumten sie gründlich ab. Sie leerten nicht nur die Biotonnen, sondern luden auch jeden bereitstehenden ausgedienten Weihnachtsbaum per Hand auf, ­erinnert sich Felkl: „Das war ­natürlich blöd – für die Feuerwehr.“

von Gianfranco Fain

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