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Mountainbiker sind Waldbesitzern Dorn im Auge

Waldnutzung Mountainbiker sind Waldbesitzern Dorn im Auge

Die Kürzungen des Landes Hessen bei den Mitteln für den Wegebau und den Bodenkalkungen stießen bei den Waldbesitzern auf großes Unverständnis.

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Ein Mountainbiker fährt im Habichtswald bei Kassel auf einem Forstweg. Waldbesitzern sind die Sportler ein Dorn im Auge.

Quelle: Uwe Zucchi

Friedensdorf. Der Wald gehört der Allgemeinheit - irgendwie geht man davon aus. Und tatsächlich sind die Wälder der Allgemeinheit zugänglich, sind für sie Erholungsraum, für manchen auch Sportstätte, grüne Lunge, Lebensraum unzähliger Pflanzen- und Tierarten. Aber das Gros der Wälder ist auch Eigentum, ist Vermögenswert und letztlich auch Betriebsfläche. Um den Spagat zwischen den verschiedenen Interessen ging es in der Jahresmitgliederversammlung der Kreisgruppe Biedenkopf im Hessischen Waldbesitzerverband.

Im Dorfgemeinschaftshaus Friedensdorf hatten sich die Hinterländer Waldbesitzer versammelt. Vonseiten ihrer Interessenvertretung war aus der Geschäftsführung des Verbandes Stefan Retter gekommen, der Landesbetrieb Hessenforst war durch Richard Hess vertreten. Der bilanzierte die Wirtschaftssaison dieses Jahres: Bis Oktober 2012 seien in den Privatwäldern landesweit 460000 Festmeter Holz eingeschlagen worden. 1,3 Millionen Festmeter gar im Kommunalwald. In Hessen gehört rund ein Viertel des Waldbestands, 210000 Hektar, 60000 privaten Besitzern. Denen stehen 312000 Hektar (35 Prozent) von waldbesitzenden Kommunen gegenüber. Größter Waldbesitzer in Hessen ist das Land selbst.

Hess ermunterte die Zuhörer, sich um die Pflege ihrer Bestände zu kümmern, denn „gute Pflege schützt vor Schäden“. Nachdem mittlerweile der Großteil der verheerenden Sturmschäden aufgearbeitet sei, müsse man sich verstärkt um die Bestandspflege kümmern. Ebenso legte Hess den Waldbesitzern ans Herz, höchste Achtsamkeit dem Arbeitsschutz zukommen zu lassen. Zwar gebe es langsam Fortschritte, die Unfallzahlen gingen zurück, jedoch passierten eben doch immer mal wieder schwere Unglücke.

Zuhörer spitzen die Ohren

Hess sprach das neue Hessische Waldgesetz an, das lange für Schlagzeilen gesorgt hat, und ging auf die Naturschutzleitlinie für den Staatswald ein, die Hessenforst sich zur Maxime machen will. Darin geht es um den Naturschutzkodex, um die Sicherung von Habitatbäumen, die Störungsminderung im Wald und die Auswahl sogenannter Kernflächen, die gänzlich aus der Nutzung genommen werden.

„Wir wollen bei allem forstlichen Wirtschaften auch dem Naturschutz Rechnung tragen“, sagte Hess. Die Ohren gespitzt haben die Zuhörer besonders, als es ums Geld ging: Die klamme Kasse des Landes habe deutliche Einschränkungen der Förderung zur Folge, erfuhren die Waldbesitzer.

So gibt es keine Förderung mehr für die Aufforstung, die Mittel für Wegebau und Kalkung sind drastisch gekürzt. An diesem Punkt machte sich deutliche Kritik seitens der Waldbesitzer fest. Karl-Otto Bamberger, vom bisherigen Vorsitzenden der Kreisgruppe, Kurt Lenz, als „Urgestein des Hinterländer Waldes“ bezeichnet, ging den Vertreter von Hessenforst engagiert an. Er vermisse die deutliche Fürsprache für die Interessen der Waldbesitzer in Wiesbaden. „Sie sollten für uns kämpfen!“, rief Bamberger Hess zu und bezeichnet die in Aussicht gestellten Mittel für Kalkung als nutzlos. Die Waldbesitzer fühlten sich ständig bestraft, sagte der Hartenroder. In die gleiche Richtung argumentierte Uwe Koch (Herzhausen), den die Versammlung zu ihrem neuen Vorsitzenden und Nachfolger von Kurt Lenz gewählt hatte.

„Waldgenuss“ ist kostenlos

Welche Gegenleistung die Waldbesitzer dafür bekämen, dass sie der Allgemeinheit ihr Eigentum zu Erholungszwecken zur Verfügung stellten, fragte er sich und führte als Gegenbeispiel an, wer an der See nur mal das Meer sehen wolle, müsse Kurtaxe berappen. Der Naturgenuss in privaten Wäldern indes sei kostenlos zu haben. Im Gegenteil: Die Waldbesitzer würden durch mehr und mehr Auflagen belastet und in ihren Rechten beschnitten.

Ein Dorn im Auge ist ihnen besonders das Mountainbiking querfeldein im Wald. Ausführlich kamen in der Sitzung Versicherungsfragen zur Sprache. Wie weit die Verkehrssicherungspflicht im Wald gehe, fragten Zuhörer Stefan Retter.

Für „waldtypische Gefahren“, also einen bei Sturm herabfallenden Ast, sei der Waldbesitzer nicht haftbar zu machen. Anders sehe das mit den „atypischen“ Gefahren aus, beispielsweise verursacht durch forstwirtschaftliche Arbeiten. Immerhin sei der Wald auch Betriebsfläche, dies sorge seit Jahren für Diskussionen.

von Irmela Dörries

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