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Hinterland Auf den Spuren der Wolgadeutschen
Landkreis Hinterland Auf den Spuren der Wolgadeutschen
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00:17 11.06.2018
Die Ausrüstung der Hinterländer Mountainbiker für die neue Tour ist schon komplett. Auf die Spuren der Wolgadeutschen  begeben sich (von links) Siegfried Pitzer, Ulrich Weigel, Matthias Schmidt, Harald Becker, Cheflogistiker Reinhard Balzer und Jörg Krug. Quelle: Benedikt Bernshausen
Breidenbach

Gut ein Jahr ist es her, dass die fünf Hinterländer Mountainbiker ihre Jubiläumstour zum 25-jährigen Bestehen hinter sich brachten. Dabei begleitete sie ein Team des Hessischen Fernsehens erneut zu einigen ihrer schönsten ­inländischen Radreisen. Doch selbst nach 25 Jahren, haben die fünf Mountainbiker noch nicht genug Kilometer in den Beinen, ist ihr Wissensdurst um Hinterländer oder Hessen, die Spuren in der Welt und der Geschichte hinterließen, noch nicht gestillt.

Schon im Mai des Vorjahres war klar, dass es einen neue Tour geben wird. Es fehlte nur das Ziel: der Balkan, Australien oder doch gar Papua Neuguinea? Schließlich war es Reinhard Balzer, als Unterstützer und Helfer der sechste der Mountainbiker, der die zündende Idee lieferte. Die Spurensuche wird zu den Wolgadeutschen führen, schließlich, so weiß der Mountainbiker-Senior, gibt es sogar „eine Stadt die Balzer heißt“.

„Auf hessischen Spuren durch die Welt“

Das war der Startschuss für die Recherche zum neuen Teil der Reihe „Auf hessischen Spuren durch die Welt“. Unterstützt werden Jörg Krug, Siegfried Pitzer, Harald Becker, Matthias Schmidt und Ulrich Weigel dabei wie bei all ihren Geschichtsreisen von den Experten Dr. Eva Bender aus Marburg und dem Heimathistoriker Heinz Blöcher aus Eschenburg-Roth.

Neu unter den Unterstützern ist Gerhard Pfeifer, Geschäftsführer von Buderus Guss, der von 2011 bis 2016 für die Firma Bosch in der ehemaligen Sowjetunion und der Mongolei tätig war. Auch das Auswärtige Amt in Moskau und der Kulturattachée des Generalkonsulates in Jekaterinburg sagten ihre ­Unterstützung zu.
Mittlerweile gibt es schon ­erste Ergebnisse der wochenlangen auf Hochtouren laufenden Arbeit, berichtet Ulrich Weigel.

Zum Beispiel, dass Ende des 18. Jahrhunderts innerhalb von sechs Jahren mindestens 75 Menschen aus dieser Region dem Ruf der Zarin Katarina in das Wolgagebiet folgten. Viele stammten aus dem Wetzlarer Raum, aber auch aus Marburg, Dahmshausen, Buchenau, Biedenkopf, Treisbach und aus Roth brachen Menschen zur Wolga auf.

Hinweise gesucht zu Arnold, Becker, Koch, Dam, Kump

Insbesondere einige Namen von „Russlandhessen“ weckten das Interesse von Becker, Balzer, Krug, Pitzer, Schmidt und Weigel. Sie hoffen, eventuell gar von nach Deutschland zurückgekehrten Nachfahren der Auswanderer mehr über den Verbleib und die Lebensgeschichte von Adam Valentin aus Momberg/Marburg, Arnold Johannes aus Dahmshausen/Biedenkopf, Becker Johannes aus Biedenkopf, Koch Joh. Ludwig aus ­Buchenau/Biedenkopf, Dam Johann Georg aus Eschenburg/Roth, Kump Konrad aus Hirzenhain/Dillkreis und Berger Joseph aus Rodheim Bieber/Wetzlar zu erfahren.

Doch nicht nur das. Wie immer suchen die Hinterländer Mountainbiker einen Bezug zu Fahrrad-Herstellern. Auch der höchste Berg Europas, der Ebrus im Kaukasus, könnte auf der Tour, deren sichere Ziele schon die Städte Krasnoarmeisk, Saratow und Wolgograd (Sarepta) sind, liegen.

  • Kontakt: Informationen und Anregungen zu ehemaligen Wolgadeutschen können per E-Mail an mail@hinterlaendermountainbiker.de oder am Telefon unter 0151 28 08 53 55 übermittelt werden.

Die Wolgadeutschen

Nach einem ersten Anwerbeversuch durch Zar Peter, den Großen Anfang des 18. Jahrhunderts, ermöglichte die deutschstämmige Zarin Katharina, die Große am 22. Juli 1763 mit einem Manifest Tausenden deutschen Bauern die Ansiedlung in den Ebenen beiderseits der Wolga.

Sie versprach den Siedlern ­Religionsfreiheit, Steuerfreiheit und das Verfügungsrecht über ihr Land. Daher der Name der Wolgadeutschen, die unterstützt von dem Angebot von 150 Rubel dem Aufruf folgten.

Es waren etwa 100 Siedlungen geplant, die später von bis zu 28 000 Wolgadeutsche bewohnten. Die Not nach dem Siebenjährigen Krieg trieb die Auswanderer über Lübeck, Bornholm und dem Finnischen Meerbusen nach Kronstadt. Von dort ging es über Nowgorod teilweise entlang der Wolga weiter in den Süden. Dort machten sie das Land fruchtbar und pflegten die deutsche Kultur.

Vor 100 Jahren gründeten sie die deutsche Autonomie an der Wolga, die vom 19. Oktober 1918 als sowjetische Arbeitskommune und vom 6. Januar 1924 bis 28. August 1941 als Autonome Sozialistische Sowjetrepublik innerhalb der Russischen SFSR Bestand hatte.

Diese Epoche endete während des Zweiten Weltkriegs, als der sowjetische Diktator Stalin die Wolgadeutschen in den Jahren 1941/42 zwangsweise nach Kasachstan und Sibirien umsiedeln ließ. Quelle: Hinterländer Mountainbiker

von Gianfranco Fain