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Monette steckt in tiefer Krise

Unternehmen Monette steckt in tiefer Krise

Seit Sommer diesen Jahres ist der Spezialkabelhersteller Monette in der Krise - betriebsbedingte Kündigungen waren die Folge. Vor dem Arbeitsgericht in Gießen klagten sechs Angestellte gegen ihre Kündigung.

Marburg. Die sechs Kläger arbeiteten alle an einer CV-Anlage, die der Kabelhersteller stillge­legt hatte. Betriebsleiter Jörg Schultheiß nannte den hohen Ölverbrauch der 25 Jahre alten Anlage als Grund. Diese hätte sich „höchstens zu 30 Prozent gedeckt“, sagte er beim Kammertermin vor dem Arbeitsgericht. Die Klägerseite hielt dagegen, dass inzwischen drei gebrauchte Maschinen angeschafft worden seien. Dies verneinte die Gegenseite aber.

„Für den Betrieb sieht es nicht gut aus“, betonte Schultheiß immer wieder. „Um gewinnoptimierend zu arbeiten, brauchen wir zirka 1,2 Millionen Euro Umsatz - jetzt liegen wir weit drunter“, erklärte Schultheiß und schloss weitere Kündigungen bei den momentan noch 78 Beschäftigten nicht aus. „Bis zu zwanzig betriebsbedingte Kündigungen könnten noch ausgesprochen werden“, antwortete Schultheiß auf die Frage des Arbeitsrichters Hans Gottlob Rühle, wie viele Arbeiter denn notwendig wären, um die Produktion aufrecht zu erhalten. „Es ist noch nicht vom Tisch, ob es weitergeht, wenn im Januar das Kurzarbeitsgeld ausläuft“, so Betriebsleiter Schultheiß.

Geschäftsführer erwägt Trennung von Betrieben

Geschäftsführer Johann Erich Wilms wisse noch nicht wie es weitergeht, so der Rechtsanwalt der Beklagtenseite. Zwar gehe es der Wilms-Gruppe gut, aber Wilms habe kein Interesse mehr, eigenes Geld in den unrentable Kabelhersteller aus Marburg zu stecken. „Er hat mir gegenüber signalisiert, dass er sich auch von seinen Betrieben trennt“, so der Rechtsbeistand.

Den Klägern habe er aber eine Abfindung in Aussicht gestellt. Diese lehnten die Kläger geschlossen ab. „Wir hängen an unserem Arbeitsplatz bei Monette und wollen weiterkämpfen oder eine höhere Abfindung“, so das einstimmige Credo.

Auch sei es bei einigen der Kläger aufgrund des Alters nicht mehr so leicht, einen neuen Job zu finden.

Eine gütliche Einigung wurde nicht erzielt, ein Kammertermin Mitte nächsten Jahres angesetzt. Arbeitsrichter Hans-Gottlob Rühle mahnte die Kläger bei der ungewissen Zukunft des Betriebes in den Verhandlungen umsichtig zu sein - „um am Ende nicht mit leeren Händen dazustehen. Geht die Firma wirklich in die Insolvenz, kann auch kein Sozialplan mehr bedient werden. Wo kein Geld da ist, kann auch nichts bezahlt werden“, so Rühle.

von Timo Scheibe

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