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Hinterland Mitarbeiter sollen wegen Platzmangels ausziehen
Landkreis Hinterland Mitarbeiter sollen wegen Platzmangels ausziehen
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06:15 19.07.2012
Zusammenhalt bei Knetsch: Lieber im Container, als weit weg von den Kollegen. Quelle: nikinix / pixelio
Gießen

Es herrscht drangvolle Enge in den Räumen der Marburger Lederwaren Knetsch GmbH & Co. KG in Cappel. Fünf bis sechs Mitarbeiter arbeiten teilweise auf einer Bürofläche von 25 Quadratmetern. Das ist zu eng und unzumutbar, findet die Geschäftsführung des Betriebs, auch die Berufsgenossenschaft hat bereits eine Beanstandung ausgesprochen. „Deshalb wollen wir fünf Mitarbeiter in angemietete Räume im Cappeler Gewerbegebiet versetzen“, erklärt Geschäftsführerin Katja Knetsch vor dem Gießener Arbeitsgericht. Dort steht sie, weil der Betriebsrat des Unternehmens die Arbeitsbedingungen zwar auch als zu eng empfindet, der Versetzung der fünf Mitarbeiter aber dennoch widersprochen hat.

„Seit 20 Jahren wird von einer Erweiterung des Betriebs gesprochen, geschehen ist bis heute nichts“, sagt Harald Schulze, Vorsitzender des Betriebsrats. Das Gremium habe die Versetzung nicht genehmigt, weil die fünf Beschäftigten damit aus dem Unternehmen herausgelöst würden, die sozialen Kontakte mit den Kollegen verlören und nicht mehr am Betriebsgeschehen teilnehmen könnten. Statt einer Versetzung fordert der Betriebsrat einen Anbau oder wenigstens einen auf dem Firmengelände aufgestellten Bürocontainer. Das wiederum lehnt die Geschäftsleitung aus Kosten- und Platzgründen ab.

„Die Räume konnten günstig angemietet werden. Für einen Container haben wir auf unserem Gelände gar keinen Platz, zudem stehen die Kosten in keinem Verhältnis“, erklärt Knetsch. Der seit Jahren geplante Anbau sei zudem nicht mutwillig verzögert, sondern aus betrieblichen Gründen bisher noch nicht umgesetzt worden, weil Großkunden Insolvenz anmeldeten und damit Aufträge und Umsätze wegfielen. „Darüber hinaus gefällt es den fünf Mitarbeitern in den neuen Räumen“, ergänzt die Geschäftsführerin. Die Versetzung sei nämlich bereits erfolgt, die Mitarbeiter im neuen Büro, das sie sich mit einer anderen Firma teilen, zufrieden. „Wenn ich sie jetzt zurückhole, dann müsste ich sie anderen Beschäftigten auf den Schoß setzen“, schildert Knetsch die aktuelle Platzsituation im Betrieb. Das könne ja auch nicht im Interesse des Betriebsrates sein.

„Im Interesse des Betriebsrats liegt es, dass die Mitarbeiter wieder auf dem ursprünglichen Firmengelände arbeiten können“, betont dessen Vorsitzender. Jetzt sei der Punkt erreicht, wo der Anbau umgesetzt werden müsse. „Unser Vorschlag zur vorübergehenden Lösung des Problems, ist deshalb ein Container“, betont er noch einmal.

„Die Gründung einer neuen Betriebsstätte ist eine unternehmerische Entscheidung der Geschäftsführung, die der Betriebsrat nicht verhindern kann“, versucht Arbeitsrichter Hans Gottlob Rühle zwischen den beiden Parteien zu vermitteln. Allerdings ohne Erfolg.

„Dann lösen wir das Problem eben nicht praktisch, sondern rein juristisch“, erklärt Rühle und legt schließlich einen Kammertermin für den 9. November fest.

von Katharina Kaufmann