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„Mitarbeiter sind wichtigste Ressource“

Marburg „Mitarbeiter sind wichtigste Ressource“

Der Gegenwind für den Sparplan am UKGM wird immer stärker. Sowohl der Senat der Philipps-Universität als auch der Betriebsrat nehmen kein Blatt vor der Mund.

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Streitpunkt Uniklinikum: Friedrich Bohl soll den Streit zwischen Konzern-Spitze und Betriebsrat schlichten. Ein Treffen ist aber bereits zum zweiten Mal ins Wasser gefallen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Von unrealistischen Gewinnvorgaben, ungeeigneten Konzepten und einer Fehleinschätzung der Qualitäten der Mitarbeiter ist in einer Resolution des Gremiums die Rede. Empfänger sind sowohl die Geschäftsführung des Uniklinikums als auch die Vorstandsetage der Rhön AG. „Ein Konzept, jede zu verlängernde Stelle auf den Prüfstand zu stellen, ist für ein Uniklinikum komplett ungeeignet.“ Weiterhin bezeichnet das Gremium die Wechsel der Geschäftsführung  „im einstelligen Monatsrhythmus“ als kontraproduktiv, die darüber hinaus der komplexen Struktur einer Uniklinik nicht gerecht würden. „Die Mitarbeiter sind die wichtigsten Ressourcen des Universitätsklinikums, ohne deren engagierte Arbeit der Betrieb nicht aufrecht gehalten werden kann.“

Schlussendlich bezeichnet der Senat der Universität die Privatisierung der Klinik als gescheitertes Projekt und fürchtet nicht nur um die Qualität der Patientenversorgung, sondern auch um den Standort für Lehre und Forschung in Marburg und Gießen.  „Das Beispiel der vorerst gescheiterten Partikeltherapie zeigt mangelndes Verständnis für die universitäre Medizin, die gelegentlich noch ungesicherte Therapien unter ethischen Vorgaben testen muss und damit wirtschaftliche Risiken eingeht.“  

Die Antwort aus Bad Neustadt, dem Hauptsitz der Rhön AG, kam prompt. Hans-Jürgen Heck, Pressechef des börsennotierten Unternehmens,  widerspricht der Resolution. Vielmehr bezeichnet der Konzern-Sprecher die Privatisierung als Erfolgsgeschichte. Darüber hinaus habe die Rhön AG „eine Investition in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags in neue, medizintechnisch moderne Gebäude und Geräte“ getätigt. Heck verweist auf ein Zeugnis des Wissenschaftsrates, der im Mai 2010 die Privatisierung als richtigen Weg bezeichnet habe, um der Hochschulmedizin „neue Perspektiven und Zukunftschancen zu eröffnen.“

Szenenwechsel: Das für diese Woche geplante Treffen des Betriebsrats mit den eingesetzten Mediatoren Friedrich Bohl (CDU) und Wolfgang Gerhardt (FDP) fällt zum zweiten Mal aus. Dafür reist die Delegation um Bettina Böttcher (Marburg)  und Klaus Hanschur (Gießen) nächste Woche Mittwoch nach Wiesbaden zu Ministerpräsident Volker Bouffier. Dort, so erhoffen sich die Betriebsratsvorsitzenden, sollen offene Fragen geklärt werden. 

Über Inhalte wollte Staatssekretär Michael Bußer auf OP-Anfrage am Dienstag nichts sagen, zumindest das Treffen konnte der Sprecher des Länderchefs bestätigen. Die UKGM-Betriebsräte erwarten von der Runde vor allem die Antworten auf zwei Fragen: Was ist Ziel der Mediation? Und wer soll alles an den Gesprächen beteiligt sein? „Es muss doch im Vorfeld klar sein, worüber gesprochen wird. Eine Zielvorgabe ohne Inhalt macht keinen Sinn“, sagt Bettina Böttcher und nimmt die Politik  in die Pflicht. Sie fordert ein generelles Finanzkonzept für alle Krankenhäuser sowie quantitative und qualitative Mindeststandards an Personal. „Die Industrialisierung der Krankenhäuser muss gestoppt werden.“ Der Marburger Mediator Friedrich Bohl lässt die Gesprächsrunde auf sich zukommen, will sich nicht durch  Resolutionen und Interviews in eine Richtung bewegen lassen. „Ich wurde gebeten, diese Mediation zu leiten und warte nun ab, wie sich alles entwickelt“, sagt er auf OP-Anfrage. Er stehe im Kontakt mit Wolfgang Gerhardt. Die Diskussionen nehme er wahr, beeinflussen lasse es sich aber nicht.

von Carsten Bergmann

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