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Mit Gelassenheit zum Erfolg

Bundesleistungswettbewerb Mit Gelassenheit zum Erfolg

Er hat 10.000 Bewerber hinter sich gelassen und ist trotzdem bescheiden. Der Mardorfer Roland Schick gewann den Bundesleistungswettbewerbs der elektro- und informationstechnischen Handwerke.

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Acht Stunden Zeit hatte Roland Schick, um dieses Modell beim Landeswettbewerb zu bauen. Ein Wettkampf gegen die Uhr.

Quelle: Marie Lisa Schulz

Mardorf. Ärzte haben ihren Arztkoffer, Köche ein eigenes Messerset und Roland Schick, der hat seinen Werkzeugkasten. Und in dem hat jeder Schraubenzieher seinen eigenen Platz. Akribische Ordnung muss eben sein. Besonders dann, wenn der Koffer dem amtierenden Bundessieger im elektro- und informationstechnischen Handwerk gehört. Den Titel hat sich der 21-Jährige vergangene Woche in Oldenburg erkämpft und sich gegen 10.000 Bewerber deutschlandweit durchgesetzt.

Der Weg zum Erfolg war für den Mardorfer jedoch weder lang, noch steinig. Eher ungewöhnlich gradlinig. Denn schon mit sechs Jahren wusste er: „Ich will mal Elektiker werden.“ Und weil Roland Schick kein Mann der leeren Worte ist, hat er nach der Realschule zuerst die Fachoberschule besucht, danach eine Ausbildung bei der Firma Benner-Energieoptimierung begonnen. „Mich hat Elektrizität schon immer fasziniert. Auch auf der physikalischen Ebene. Ich wollte immer wissen, was in dem Draht passiert.“

Jetzt, nach 22 Monaten Ausbildung weiß er es. Doch das ist dem jungen Elektriker noch nicht genug. Er will studieren, will immer weiter lernen und ganz nebenbei noch etwas von der Welt sehen. Im Frühjahr geht es nach Kanada – und wie es sich für einen jungen Handwerker gehört, wird nicht nur Urlaub gemacht. Work and Travel, arbeiten und reisen, lautet die Devise. Bis dahin muss der 21-Jährige aber noch ein bisschen sparen. Das Startkapital verdient er sich als Elektriker. Und so ist er, der frischgebackene Bundessieger ziemlich im Stress. Und das, obwohl er das Wort eigentlich gar nicht kennt. Roland Schick ist eben niemand, den so schnell etwas aus der Ruhe bringt. Weder ein voller Terminkalender, noch Prüfungen, Leistungsdruck oder hohe Anforderungen. Der 21-Jährige ist tiefenentspannt. So sehr sogar, dass er zur Landesentscheidsprüfung eine halbe Stunde zu spät kam. „Ich habe verschlafen“, bekennt er zähneknirschend. „Und dann war da auch noch die Baustelle“. Die 30 verschenkten Minuten musste Roland Schick aufholen. Kurz konzentriert, schnell die nächsten Arbeitsschritte geplant, dann geht es los. „Wir hatten acht Stunden Zeit. Große Fehler konnte man sich da nicht erlauben.“ Hat er auch nicht – mehr noch. Trotz 30 Minuten Verspätung war er der Einzige, der pünktlich fertig wurde. Das Ticket zum Bundesentscheid war somit gelöst und das Lebensmotto von Roland Schick hat sich wieder einmal als alltagstauglich bewiesen: Ruhe bewahren!

Ausbilder Peter Benner zeigt sich wenig überrascht über diesen ersten Erfolg: „Landessieger – das Ziel hatten wir schon vor der Lehre festgelegt“, erklärt er selbstbewusst. Immerhin kennt er seinen Auszubildenden schon als Ferienarbeiter. Schon damals wusste er: „Roland ist ein Ausnahmetalent.“

Roland Schick kann mit so vielen Lorbeeren nichts anfangen. Immerhin kann er sich selbst noch nicht so recht erklären, wieso es auch am Tag der Entscheidung, dem Bundesleistungswettbewerb, so gut klappte. Pünktlich war er diesmal. Ehrensache. Dafür hatte er ein neues Problem: „Ich habe mich oft verdrahtet. Dann ärgere ich mich und mache weiter“, erklärt er. Die „Nicht-aufgeben-Taktik“ hat ihm den Sieg eingebracht. Und das, obwohl der 21-Jährige zuvor kein einziges Mal für den Wettbewerb trainiert hat. Schließlich, so sagt er, während er in den Kleinbus steigt und zum nächsten Termin fährt, übe ich jeden Tag auf der Arbeit.

von Marie Lisa Schulz

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