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Hinterland Mit 3,72 Promille auf dem Motorroller zum Schnapskauf
Landkreis Hinterland Mit 3,72 Promille auf dem Motorroller zum Schnapskauf
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21:58 23.01.2013
Ein 48-Jähriger wurde volltrunken auf seinem Motorrad geschnappt. Quelle: dpa
Biedenkopf

Sein auffälliges Fahrverhalten mit einem Roller wurde einem 48-Jährigen zum Verhängnis, als dieser sich bei einem „Tankstopp“ mit zwei Flaschen Doppelwacholder versorgen wollte. Ein Test ergab einen Blutalkoholwert von 3,72 Promille. Staatsanwalt Philip Schwarz legte dem Angeklagten am Dienstag vor dem Amtsgericht Biedenkopf zur Last, dass der am 22. Juni 2012 „in fahrlässiger Weise ein Kleinrad geführt hat“. Er sei in Schlangenlinien in seinem Heimatort unterwegs gewesen, um sich bei einem Edeka-Markt mit Alkohol zu versorgen. Auf der Heimfahrt sei eine Flasche Doppelwacholder zu Boden gefallen und der Angeklagte habe den Nachhauseweg zu Fuß fortgesetzt.

Angeklagter bezeichnet sich als Quartalstrinker

Der Angeklagte gab an, sich an nichts erinnern zu können. Er sei über die Begegnung mit der Polizei überrascht gewesen. „Der Tag ist weg“, sagte der Angeklagte der Richterin Isabel Rojahn. Nach etwa drei Tagen habe er festgestellt, dass er sich in Marburg zur Entgiftung befinde, er sei nach einem Schlaganfall im Uniklinikum auf den Lahnbergen behandelt worden und habe später eine Rehabilitation in Braunfels angetreten. Aufgrund seiner familiären Verhältnisse sei bei ihm „alles aus dem Ruder gelaufen“. Ende 2012 habe er einen Neuanfang gestartet, sein Haus verkauft und lebe jetzt in Marburg in einer Mietwohnung. Derzeit sei der ehemals selbstständige Schreinermeister arbeitssuchend.

Der Angeklagte bezeichnete sich als einen Quartalstrinker und gab an, seit dem Vorfall keinen Alkohol mehr zu sich genommen zu haben. Unverständlich war dies dem Staatsanwalt, weil durch eine Entgiftung noch keine Abstinenz erzeugt werde. Der Angeklagte erläuterte dem Staatsanwalt, dass er in der Vergangenheit schon einmal etwa fünf Jahre „trocken“ gewesen sei.

Er habe aus Stress getrunken

Zwei Polizisten berichteten, dass der Angeklagte stark betrunken gewesen sei, ihnen jedoch spontan seinen Namen genannt habe. Auf der Polizeistation habe er gestützt werden müssen und sei total hilflos gewesen. Nach etwa einer Stunde habe er sich relativ gut erholt.

Ein Nachbar berichtete, dass er den Angeklagten beim Starten des Rollers beobachtet habe. Danach sei er in Schlangenlinien in eine Hofeinfahrt abgebogen und ihm im Dorf wieder begegnet. Er habe die Polizei verständigt, da der Angeklagte fast jeden Tag volltrunken gewesen sei. Der Marktleiter gab an, dass er dem 48-Jährigen aufgrund seines Zustandes zu verstehen gab, dass er den Schnaps stehen lassen soll. Dieser habe jedoch in einem günstigen Moment die beiden Flaschen genommen und sei davongefahren.

Rojahn verlas acht Eintragungen aus dem Bundes- und elf aus dem Verkehrszentralregister, darunter auch ein Amtsgerichtsurteil aus 2011 mit einer Bewährungsfrist bis zum 6. September 2013. Die Verteidigerin gab an, dass ihr Mandant seinen enormen beruflichen Stress mit Alkohol kompensiert habe sich aber jetzt mit seiner Alkoholkrankheit auseinandersetzt.

Der Staatsanwalt legte eine Schuldunfähigkeit wegen Vollrausch zu Grunde und beantragte eine Freiheitsstrafe von vier Monaten, die Bestellung eines Bewährungshelfers, ferner eine Geldbuße von 1000 Euro zahlbar in Raten an den „Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr“ sowie eine ambulante sechsmonatige Therapie. Auch soll für die Dauer von zwei Jahren keine Fahrerlaubnis erteilt werden. Rojahn entsprach dem Antrag der Staatsanwaltschaft und legte dem Angeklagten auf, für drei Monate kein Fahrzeug fahren zu dürfen.

von Helga Peter

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