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Gutachterin: Glaubwürdigkeit hat einen Haken

Missbrauchsprozess Gutachterin: Glaubwürdigkeit hat einen Haken

Im Missbrauchsprozess gegen einen 36-jährigen Gladenbacher ist das mutmaßliche Opfer laut aussagepsychologischem Gutachten ausgesprochen glaubwürdig, mit einer vielleicht entscheidenden Ausnahme.

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Die Aussagen des mutmaßlichen Opfers seien von hoher Qualität, nur die Beschreibung des Tatortes passt nicht, hieß es während der Verhandlung.

Quelle: Sokaeiko / pixelio.de

Marburg. „Ihre Aussagen sind weit entfernt von einer stereotypischen Schilderung einer Sexualstraftat“, betonte Diplom-Psychologin Sonja Parr. Die Frau, die der Angeklagte 2000 als Zwölfjährige sexuell missbraucht haben soll, schildere viele Details, die nicht üblichen Mustern entsprechen.

Die Zeugin habe bei Polizei, Untersuchungsrichter und vor Gericht zentrale Punkte der Tat, sowie auch Randbereiche in großer Konstanz berichtet. Ihr gegenüber habe sie weitere Details hinzugefügt, die aber gut zu den anderen Angaben passen. Verstärkt werde die Glaubwürdigkeit durch Infragestellungen der eigenen Erinnerung. „Es ist eine Aussage von insgesamt hoher Qualität“, betonte Parr, die auf die Frage des Vorsitzenden Richters, Thomas Wolf, – „Wie kann das zusammenpassen?“ – aber auch keine Antwort hatte.

Zu Beginn ihrer Ausführungen hob sie nämlich hervor, dass ­eine völlig falsche Schilderung des mutmaßlichen Tatortes die Glaubwürdigkeit der Aussage „faktisch unmöglich macht“.

Sein Zimmer im elterlichen Haushalt, in dem der damals 19-Jährige das Kind missbraucht haben soll, passe in keiner Weise zu den Angaben der Zeugin, weder von der Raumeinteilung, noch vom Mobiliar. Und auch das Zimmer seines Bruders sei anders eingerichtet gewesen. Wie das Gericht unter dieser Voraussetzung die Glaubwürdigkeit der Frau bewertet, bleibt offen. Dass die Tat auch im Zimmer des Bruders geschehen sein könnte, teile Wolf am Anfang des Prozesstages in einem rechtlichen Hinweis mit, weil die Zeugin bei der Sachverständigen von einem Jugendzimmer sprach, so der Richter.

Angeklagter wiederholt Komplott-Vermutung

„Es ist schlicht und ergreifend nicht wahr, dass nur in eine Richtung ermittelt wird“, betonte Wolf, nachdem ihm Verteidiger Frank Richberg dies vorwarf und sogar andeutete, das Gericht für befangen zu halten. Der Angeklagte, der die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bestreitet, wiederholte seine Komplott-Vermutung. Mehrere Frauen bezichtigen ihn der Vergewaltigung, angeklagt ist aber nur ein gewalttätiger Übergriff im Februar dieses Jahres. Da soll der 36-Jährige einer Frau neben Schlägen noch Schnittverletzungen beigebracht haben.

Diese, so sein Vorwurf, beschuldigte bereits einen anderen Mann, sie sexuell bedrängt zu haben, um ihn zu erpressen. Diesem habe ihr damaliger Freund eine­ Pistole an den Kopf gehalten. „Die sind alle ein und dasselbe Gesocks“, schrie er. Viele Menschen wollten ihm etwas antun, deshalb habe er immer eine schusssichere Weste im Auto. Am vorigen Verhandlungstag war von Morddrohungen gegen seine Familie die Rede.

  • Die Verhandlung wird am 6. November fortgesetzt.

von Heiko Krause

Einen Artikel zum vorigen Prozesstag lesen Sie hier.
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