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Hinterland Donnerstag folgt Glaubwürdigkeitsgutachten
Landkreis Hinterland Donnerstag folgt Glaubwürdigkeitsgutachten
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00:17 24.06.2018
Am Landgericht endet heute der Prozess gegen einen Hinterländer wegen sexuellen Missbrauchs. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Der Angeklagte wehrt sich gegen ein Urteil des Amtsgerichtes, das ihn wegen schweren ­sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu drei Jahren Gefängnis verurteilt hat. Auch die Staatsanwaltschaft hat das Rechtsmittel eingelegt, um wegen Vergewaltigung ein härteres Strafmaß zu erreichen.

Der Biedenkopfer beteuert nach wie vor seine Unschuld, obwohl an der Unterhose des Nachbarjungen Spermaspuren des Mannes gefunden wurden.

Das mutmaßliche Opfer wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen. Hinzugezogen wurde auch ein Videomitschnitt seiner richterlichen Vernehmung kurz nach den Taten im Herbst 2014.

Wie ein Kriminalbeamter aussagte, hatte der Vater des Jungen seinerzeit die Polizei informiert, weil seine damals zehnjährige Tochter, die mit ihrem Bruder bei dem 65-Jährigen war, berichtete, der Junge sei von dem Mann geküsst worden.

Laut eines anderen Beamten, der das Mädchen vernommen hat, war die Motivation, „dass er deswegen geschimpft bekommt“, weil der Bruder das nicht wollte. Mehr habe das Mädchen nicht gesagt.

Am Donnerstag Glaubwürdigkeitsgutachten

Der Junge dagegen, berichteten auch zwei Polizistinnen, die weitere Ermittlungen durchführten, habe erzählt, an besagtem Tag unsittlich berührt worden zu sein und auch den Mann auf Aufforderung angefasst zu haben.

Im Laufe der Erstvernehmung des Elfjährigen, so sagte der erste Polizist, habe er dann auch von einem einige Tage zurückliegenden noch viel schweren Vorfall inklusive Eindringens in den Körper berichtet. Die DNA konnte festgestellt werden, weil das Kind auch eine Woche später noch dieselbe Unterhose anhatte.

Alle Polizisten hielten die Aussagen des Kindes für glaubwürdig. „Ich gehe immer kritisch heran, weil ich so oft belogen werde“, sagte ein Beamter aus, „hier habe ich aber keine Zweifel gehabt.“

Die nach der Anzeige festgestellten Verletzungen liefern keinen eindeutigen Hinweis auf einen Missbrauch, wie ein Rechtsmediziner betonte, dem allerdings nur Fotos vorlagen. Sie könnten auch auf anderen Wegen entstanden sein, einige Hämatome seien beispielsweise „spieltypisch.“

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Dann soll noch ein Glaubwürdigkeitsgutachten eingebracht werden. Danach soll nach den Schlussvorträgen ein Urteil fallen.

von Heiko Krause