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Millionen-Projekt liegt im Zeitplan

Behringwerke Millionen-Projekt liegt im Zeitplan

Vor gut einem Jahr erfolgte der symbolische Spatenstich für die größte Investition von CSL Behring in Marburg. Nun ist „Halbzeit“: Im kommenden Frühjahr soll Richtfest gefeiert werden.

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Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Das Thermometer zeigt knapp über null, es regnet in Strömen. „Wir haben den Bauarbeitern gesagt, sie sollen für heute Feierabend machen“, sagt Axel Lehfeld, einer der beiden Projektverantwortlichen des Millionen-Baus bei CSL Behring. Ihre nasse Kleidung können sie in gerade installierten Trockenschränken aufbewahren.

Für Lehfelds Kollegen Markus Ries ist klar: „Das sind wir den Männern schuldig.“ Denn es komme auf ein partnerschaftliches Miteinander an, da gehöre die Wertschätzung auf jeden Fall dazu. Der weitere Vorteil: Die Arbeiter würden nicht so schnell krank. „Mitarbeiter, die gerne herkommen und merken, dass uns ihre Belange wichtig sind, sind auch produktiver“, fasst er zusammen.

Krankheit wollen die Verantwortlichen auch aus Zeitgründen nicht riskieren – denn im kommenden Frühjahr soll das Richtfest für den Neubau der Basisfraktionierung erfolgen. 362 Millionen Euro investiert der Konzern in das Produktionsgebäude am Standort Görzhausen.  „Wir liegen gut im Zeitplan“, sagt Ries, während sein Blick auf den Rohbau fällt: Das vierte Geschoss wird gerade erstellt, zwei weitere werden noch folgen. Außerdem wird auch das derzeitige Produktionsgebäude in unmittelbarer Nachbarschaft zum Neubau um eine Etage aufgestockt.

Die Dimensionen des Neubaus sind immens: 44 Meter­ hoch wird er sein, bei einer Grundfläche von 60 mal 45 Metern. Insgesamt werden später auf den sechs Etagen plus Keller fast 19 000 Quadratmeter zur Verfügung stehen. „Dabei ist es uns wichtig, dass hauptsächlich lokale und regionale Unternehmen beauftragt werden“, sagt Axel Lehfeld – denn das sei auch eine Stärkung für die Region. Leicht sei dies nicht immer, denn das Volumen sei schon immens groß, „davor schrecken einige Unternehmen zurück“, weiß er. Doch dann könne man Aufgabengebiete­ auch aufteilen. Ein Großteil der Gewerke sei mittlerweile ausgeschrieben, einige würden noch folgen.

Gemeinsame Planungen mit Kollegen aus Übersee

Die Anlage in Marburg ist insgesamt eine von drei Basisfraktionierungen, die derzeit von CSL errichtet werden: Auch in den USA und in Australien entstehen neue Produktionsstätten. „Alle drei Anlagen sollen so vergleichbar wie möglich sein“, sagt Ries. Das führe dazu, dass die Kollegen häufig gemeinsame Lösungen erarbeiteten, „und das über drei verschiedene Zeitzonen hinweg“.

Marburg habe dabei einen leichten zeitlichen Vorsprung, Probleme, auf die man hier eventuell stoße, könnten ein Stück weit als Blaupause für die anderen Standorte dienen. „Die gemeinsamen Überlegungen führen aber auch dazu, dass wir für ein Problem eine Lösung präsentieren – uns aber im Austausch mit den Kollegen aus Übersee noch einfachere Wege­ einfallen“ – die Zusammenarbeit sei sehr fruchtbar.

Das Projektteam umfasst in Marburg rund 100 Personen, hinzu kommen etwa 80 Arbeiter auf der Baustelle. Das alles wird aus einem kleinen Containerdorf heraus koordiniert – kurze Wege sollen schnelle Entscheidungen ermöglichen.

Hintergrund

Tiefgefrorenes Blutplasma wird in der sogenannten ­Basisfraktionierung in seine­ ­Bestandteile zerlegt. Insgesamt sieben verschiedene Fraktionen werden mittels biotechnischer Verfahren aus dem Plasma ­herausgelöst, um anschließend zu lebenserhaltenden Medikamenten weiterverarbeitet zu werden.
Rund 20 Arzneimittel, die bei schweren und seltenen Erkrankungen eingesetzt werden, können auf Basis dieser Fraktionen hergestellt werden – die meisten davon werden ­direkt in Marburg produziert.

Im neuen Werk soll der Automatisierungsgrad so hoch sein, dass man künftig mit einem anderen Schichtmodell arbeiten möchte: Eine Früh- und eine Spätschicht, kombiniert mit einer reduzierten Nachtschicht. „Die Steuerung der Prozesse wird von uns so angestrebt, dass das meiste Personal in Früh- und Spätschicht da sein muss und in der Nacht ein Großteil über die Personalisierung abgedeckt wird“, erläutert Ries.

Mit der neuen Produktionsstätte sollen künftig 4,2 Millionen Liter Blutplasma pro Jahr fraktioniert werden – viermal so viel, wie bisher. Dafür plant CSL, ­etwa 150 neue Mitarbeiter einzustellen – das werde das Unternehmen vor eine große Herausforderung stellen, denn die benötigten Fachkräfte seien rar gesät. „Aber wir senden mit unserer Investition ein starkes Signal: Hier ist die Zukunft auf Jahrzehnte hinaus gesichert“, sagt Ries, das könne auch Fachkräfte überzeugen, nach Marburg zu kommen.

Im dritten Quartal 2020 soll die Testphase der Produktion starten, im darauf folgenden Jahr folgt dann die Produktion für die Behördeneinreichung. Denn: Alles, was aus der neuen Produktionsstätte kommt, muss von den Zulassungsbehörden erneut geprüft werden. Der Produktionsbeginn ist für Ende 2022 geplant.

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