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Milder Winter dämpft Anstieg der Arbeitslosen

Arbeitsmarkt Milder Winter dämpft Anstieg der Arbeitslosen

Im Januar ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland deutlich gestiegen – was sich dramatisch anhört, gehört jedoch lediglich zum saisonalen Auf und Ab der Arbeitslosenzahlen.

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Symbolfoto.

Quelle: Oliver Berg

Marburg. Saisonbedingt ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Januar gestiegen – im Vergleich zum Vormonat um 185.000 auf 2,57 Millionen. Das ist jedoch der niedrigste Wert in diesem Monat seit mehr als 25 Jahren. Der Anstieg fiel nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg auch geringer aus als üblich. Gegenüber dem Vorjahr ging die Zahl der Erwerbslosen um 207.000 zurück, wie die BA gestern mitteilte. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,5 Punkte auf 5,8 Prozent.

Die Bundesagentur führt die Zunahme auf die Winterpause zurück. In dieser Zeit ruht vor allem in Außenberufen wie beim Bau, in Gärtnereien oder der Landwirtschaft häufig die Arbeit. Betriebe trennen sich deshalb über den Winter von einem Teil ihrer Beschäftigten. BA-Chef Detlef Scheele sagte: „Der Arbeitsmarkt ist schwungvoll in das neue Jahr gestartet.“

Die gute Konjunktur und der milde Winter haben den Anstieg der Arbeitslosigkeit auch in Hessen gedämpft. 167.610 Männer und Frauen waren arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur gestern in Frankfurt mitteilte. Das war der niedrigste Stand in einem Januar seit 26 Jahren. Den Angaben zufolge suchten 11.257 Menschen mehr als im Dezember einen Job. Gegenüber Januar 2017 sank die Zahl der Arbeitslosen aber um 11.514. Die Arbeitslosenquote lag mit 5,0 Prozent um 0,4 Punkte unter dem Vorjahreswert.

Zufrieden mit den Arbeitslosenzahlen ist man auch im Landkreis. „Wir sind eine Zuzugsregion, immer mehr Menschen ziehen hierher“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU). Trotzdem sei die Arbeitslosigkeit nicht gestiegen.

„Winterzuwachs“ fällt auch im Landkreis schwächer aus

Auch Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit für den Landkreis, freut sich über den schwachen Winterzuwachs bei der Arbeitslosigkeit. Im Januar 2018 waren im Landkreis 5.173 Menschen arbeitslos, wie immer zum Jahreswechsel ein Anstieg gegenüber dem Dezember. Da waren es noch 519 Personen weniger.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat Januar 2017 ist die Arbeitslosigkeit im Landkreis jedoch weiter gefallen und liegt derzeit bei 3,9 Prozent. Im Januar 2017 betrug die Arbeitslosenquote noch bei 4,2 Prozent, und es waren 224 Menschen mehr ohne Arbeit als heute. Im hessischen Durchschnitt betrug die Quote im Januar fünf Prozent.

Der steigende Zuzug von Menschen zeigt sich auch in der ­Zunahme sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter. Derzeit arbeiten im Landkreis 90.604 Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig, 2.127 mehr als ein Jahr zuvor. Der Zuwachs an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung wirkt sich in allen Personen- und Altersgruppen am Arbeitsmarkt positiv aus, erklärt Volker Breustedt. So hat auch die Arbeitslosigkeit der Menschen zwischen 55 Jahren und der Rente deutlich abgenommen. 1.167 Menschen weniger als vor einem Jahr (minus 7,3 Prozent) waren bei den Älteren arbeitslos.

Besonders gut entwickelt hat sich die Berufstätigkeit bei Menschen ohne deutschen Pass: 8.399 Ausländer arbeiten derzeit im Landkreis in sozialversicherungspflichtigen Jobs, 991 mehr als vor einem Jahr.

In den einzelnen Geschäftsstellen der Agentur entwickelte sich die Arbeitslosigkeit ­unterschiedlich. Positiver Spitzenreiter ist das Hinterland mit 1.155 Arbeitslosen, einer Quote von 3,6 Prozent. Im Januar 2017 waren es noch 3,9 Prozent. In Stadtallendorf waren im Januar 2018 1.204 Menschen ohne Arbeit, das entspricht einer Quote von 3,7 Prozent (2017: 4,3 Prozent). In Marburg blieb die Quote bei 4,2 Prozent konstant gegenüber dem Vorjahr, 2.814 Menschen waren hier im Januar ohne Arbeit.

Trotz Zuwanderung ist Zahl der Arbeitslosen gesunken

Im Vergleich zum Januar 2017 nahm die Arbeitslosigkeit in der Zuständigkeit der Arbeitsagentur um 9,2 Prozent ab auf 2.124 Personen, beim Kreisjobcenter um 0,3 Prozent auf 3.049 Personen. „Das hängt auch mit den Neuzuwanderern zusammen“, erklärt Volker Breustedt. „In dem Moment, in dem Neuzugewanderte einen gültigen Aufenthaltstitel bekommen, wechseln sie aus der Zuständigkeit der Agentur in die des Kreisjobcenters.“ „Wir sind insgesamt sehr stolz, dass wir es trotz des Zuwachses an Menschen geschafft haben, die Arbeitslosigkeit zu senken“, sagt Marian Zachow.

„Da haben die Mitarbeiter Großartiges geleistet.“ Im Vergleich zum Vorjahr seien beim Kreisjobcenter neun Menschen weniger arbeitslos gemeldet gewesen als vor einem Jahr. „Der übliche Winterzuwachs an Arbeitslosen ist schwächer ausgefallen“, so Zachow.

Das KJC habe sich das ganze Jahr über mit dem hessenweit größten Zuwachs an arbeitsfähigen Leistungsempfängern beschäftigen müssen. „Wir haben bundesweit den höchsten Zuwachs an Klienten, und das gab uns das Gefühl, das Jahr sei furchtbar gewesen.“ Tatsächlich hätten die Arbeitsmarktakteure es aber geschafft, deutschlandweit einen Spitzenplatz bei der Integrationsquote (Arbeitsaufnahmen im Verhältnis zur Gesamtzahl der Leistungsempfänger) zu erreichen. Bei der Nachhaltigkeit der Vermittlung, also der Dauer der neuen Beschäftigung, liege der Landkreis sogar deutschlandweit an der Spitze.

441 neue Stellen wurden im Landkreis im Januar gemeldet, 0,9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Im Bestand führen Agentur und KJC derzeit 2.377 sofort zu besetzende freie Stellen, 22,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Größtes Hindernis für die Aufnahme einer neuen Stelle sei ein fehlender Berufsabschluss oder mangelnde Qualifikation, betonte Breustedt. Entsprechend investierten beide Behörde vor allem in Qualifikation und Weiterbildung der Leistungsempfänger. Beim KJC befanden sich im Januar 1.746 Personen in sogenannten „arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen“.

von Martina Koelschtzky und unserer Agentur

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