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Milchbänke erinnern an vergangene Zeiten

Lohra Milchbänke erinnern an vergangene Zeiten

1971 wurden die Milchkannen zum letzten Mal mit einem Pferdefuhrwerk aus dem Ortskern abgeholt. Eine Neuanfertigung erinnert nun an die ehemals etwa 20 „Milchbänke“.

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Lohra. Während einer Reise in Norddeutschland sei er auf die Idee gekommen, wie in den dortigen Dörfern auch in Lohra etwas für die Nachwelt zu erhalten, berichtet Horst Köhler. Dort, im Norden, zeugen alte Arbeitsgeräte davon, wie die Landbevölkerung früher arbeitete. In Lohra steht nun am Lindenplatz auf Initiative von Köhler auch ein Erinnerungsstück – eine so genannte Milchbank mit zwei 20-Liter-Kannen. Dort, fast am Originalstandort vor dem Elternhaus des jetzigen Bürgermeisters, stellten die Bauern ihre Milchkannen bereit. Abgeholt wurden sie bis 1956 von Jost Schorge, dem Vater von Waltraud Kaletsch, danach kam ihr Ehemann Heinrich täglich mit dem Pferdefuhrwerk, um die Milchkannen bis 1971 zur Molkerei zu bringen – erst in Lohra, später nach Wetzlar.

„Auf Max, das war das rechte Pferd, durfte ich immer ein Stück mitreiten“, denkt Georg Gaul gern zurück. Auch Waltraud Kaletsch erinnert sich noch, wie sie mit ihrem Vater anpacken musste, wenn mal dessen Helfer ausfiel.

Wie das damals war, daran soll das Milchbänkchen erinnern. Denn: „Heutzutage wissen die Kinder doch gar nicht, wie es noch vor Jahrzehnten auf den Dörfern zuging“, sagt Köhler. Mit dem Familienrat besprach er, wie man die Erinnerung lebendig halten könnte. Als die Idee des Milchbänkchens geboren war, holte Köhler bei der Gemeinde das Einverständnis ein, diese an einem markanten Ort aufzustellen. Mit seinem Sohn entwarf und baute er das Bänkchen nach. „Das schwierigste war, die Milchkannen aufzutreiben“, berichtet der Gemeindearchivar. Bei der Molkerei in Marburg waren keine zu erhalten und so ist er einem Spender aus der Nachbarschaft dankbar, der zwei 20-Liter-Milchkannen zur Verfügung stellte. Die stehen nun fest verankert mit dem Bänkchen am Lindenplatz in Lohra.

von Gianfranco Fain

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