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Metallbranche hofft auf Impulse

Herbstumfrage Metallbranche hofft auf Impulse

In den Unternehmen der mittelhessischen Metall- und Elektroindustrie herrscht verhalten optimistische Stimmung. Die Branche hofft auf Impulse aus der Politik - zweifelt aber daran, dass die große Koalition diese liefert.

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Die Zahl der Beschäftigten in der heimischen Metall- und Elektroindustrie dürfte leicht sinken, Fachkräfte werden aber weiter gesucht. Archivfoto: Katharina Kaufmann

Quelle: Katharina Kaufmann

Gießen. Fast 60 Prozent der Unternehmen in der heimischen Metall- und Elektroindustrie sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden, fast ein Viertel empfindet die Lage sogar als gut bis sehr gut. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Bezirksgruppe Mittelhessen des Unternehmensverbandes Hessenmetall. „Es gibt einen Trend zur Stabilisierung. Aufbruchstimmung können wir aber nicht erkennen“, schränkte der stellvertretende Vorsitzende Oliver Barta (Bosch Thermotechnik) gestern in einem Pressegespräch ein. Dafür seien die richtigen Impulse aus der Politik notwendig.

Doch mehrere Vorhaben der großen Koalition geben aus Sicht der Metall-Arbeitgeber eher Anlass zur Sorge. Insbesondere warnen die Verbandsvertreter vor dem Griff in die Rentenkasse. „Wir bewerten nicht, ob man die Mütterrente braucht - das ist eine politische Entscheidung“, stellte Barta klar. „Aber sie muss finanziert werden. Langfristig muss man die Rentenbeiträge dafür erhöhen, und das stößt uns sauer auf.“ Gesamtgesellschaftliche Aufgaben müssten über Steuern finanziert werden statt über Beiträge.

Die steigenden Energiekosten bezeichnete Barta als „ein Thema, das uns zunehmend Wettbewerbsschwierigkeiten bereitet“. Fritz Georg Rincker (Rincker Glocken- und Kunstgießerei), ebenfalls stellvertretender Bezirksvorsitzender, rechnete am Beispiel seines Unternehmens vor, dass der Steuer- und Abgabenanteil der Energiekosten bereits so hoch sei wie die Umsatzrendite. Bei einer absehbaren weiteren Erhöhung der Umlage für Erneuerbare Energien könne sich das Jahresergebnis der Firma halbieren.

Der von der großen Koalition geplante Mindestlohn von 8,50 Euro betreffe die Metallbranche zwar nicht direkt, weil dort höhere Löhne gezahlt werden. Die Unternehmen pochen jedoch auf das Prinzip der Tarifautonomie. Wenn Gewerkschaften und Arbeitgeber für einzelne Branchen niedrigere Löhne vereinbart hätten, dann hätten sie dies aus guten Gründen getan.

Laut der Umfrage hat sich die Geschäftslage für etwa ein Drittel der heimischen Metall- und Elektroindustrie-Unternehmen­ im Vergleich zur Situation vor einem halben Jahr verbessert, nur 11,4 Prozent sehen eine Verschlechterung. Die Umsätze sind bei 40,5 Prozent der Unternehmen gestiegen, bei 19 Prozent gesunken. Die Erträge sind bei mehr als der Hälfte (51,9 Prozent) stabil (gesunken: 22,8 Prozent). Alarmierend ist aus Sicht des Unternehmensverbandes aber, dass 26,6 Prozent der Unternehmen zu wenige Aufträge haben. Die Zahl der Beschäftigten ist trotzdem im vergangenen Jahr um 0,8 Prozent auf 27827 angestiegen. Noch wichtiger geworden sind für die Branche Geschäfte mit ausländischen Kunden: Der Exportanteil stieg auf 46,2 Prozent (Vorjahr: 43 Prozent).

Im nächsten halben Jahr erwarten 26,6 Prozent der Unternehmen eine Verbesserung der Geschäftslage, 60,7 Prozent keine Veränderung und 12,7 Prozent eine Verschlechterung. Die Zahl der Beschäftigten wird laut Prognose der Befragten um 1,2 Prozent sinken.

Trotzdem bleibt der Fachkräftemangel ein Problem. Während in diesem Jahr in den heimischen Metall- und Elektrobetrieben mehr als 460 Ausbildungsstellen und 70 Plätze für ein Duales Studium neu besetzt wurden, blieben 70 Ausbildungsplätze unbesetzt. Vielen Bewerbern fehlten Ausgangsqualifikationen, beklagte Barta. Bei Einstellungstests „kriegen wir haarsträubende Ergebnisse“. Bereits jetzt spüren 26 Prozent der Unternehmen starke Auswirkungen durch den Mangel an Auszubildenden. Noch mehr Unternehmen sind vom Mangel an Akademikern (28 Prozent) und ausgebildeten Fachkräften (38 Prozent) betroffen. Nach Einschätzung der Befragten werden sich diese Schwierigkeiten verschärfen. Die größten Besetzungsprobleme hätten Unternehmen im naturwissenschaftlichen Bereich, so Dr. Dirk Hohn, Geschäftsführer der Hessenmetall-Bezirksgruppe. „Das heißt umgekehrt: Junge Leute, die sich in diesem Bereich engagieren - ob mit einem Studium oder mit einer fachlichen Ausbildung - haben gute Jobchancen.“

79 Unternehmen aus der Region hatten an der Umfrage von Hessenmetall teilgenommen. Dies sind 63 Prozent der Mitglieder, bei denen aber 96 Prozent der Beschäftigten in der Branche tätig sind. Damit erlaube die Umfrage Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Lage der Region, teilte der Verband mit.

von Stefan Dietrich

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