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Hunderttausende Waffen sind im Umlauf

Marburger Sicherheitstag Hunderttausende Waffen sind im Umlauf

Die Welt ist gefühlt ­unsicherer geworden – so lautet ein Fazit des Marburger Sicherheitstags, initiiert von der Firma Sälzer.

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Kriminaloberrat Christoph Becker (links) und Klaus Behling, Berater in Sicherheitsfragen, mit einer Deko-Kalaschnikow. Die beiden gehörten zu den Referenten des Sicherheitstags.

Quelle: Richard Kiefer

Marburg. Wenige Monate vor dem ersten Marburger Sicherheitstag 2015 traf der Terror Europa mit voller Wucht. Der Anschlag mit zwölf Toten auf Charlie Hebdo in Paris. Und es blieb kein Einzelfall. Nach Paris rückten weitere Städte bis heute in den Fokus. London, Barcelona, Berlin. Walther Sälzer zählt einige Orte der langen Liste der Terrorakte auf. „Leider ist das heute Alltag“, sagte der Inhaber der Marburger Firma Sälzer zu den mehr als 100 Teilnehmern des zweiten Sicherheitstags in Marburg. Die Firma Sälzer beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit der mechanischen Gebäudesicherung und hat eine weltweit führende Stellung.

Das nationale Fachpublikum aus Sicherheitsbeauftragten, Sicherheitsberatern, Planern und Architekten kam zusammen, um Referenten zu sicherheitsrelevanten Themen zu hören. „Menschenleben schützen, Werte erhalten“ lautete dabei das Motto der Veranstaltung im Zentrum für Vermögensberatung. Das Motto ist auch gleichzeitig die Philosophie der beiden Initiatoren Walther Sälzer und Walter Ludwig, Direktionsleiter bei der Deutschen Vermögensberatung.

Verunsicherung ist groß

Die Welt ist gefühlt unsicherer geworden. Das schürt das Sicherheitsbedürfnis der Menschen. Neben Kontrollen an Grenzen werden „selbst bei Veranstaltungen in Kirchen mittlerweile Taschen kontrolliert“, berichtete Landrätin Kirsten Fründt von einem Beispiel, das sie erst kürzlich erlebte.

Die Verunsicherung ist groß und lässt die Bürger handeln, nicht immer zur Freude der Polizei. Christoph Becker, Kriminaloberrat aus der Abteilung „Schwere und organisierte Kriminalität“, sagte, dass sich die Zahl der Besitzer vom „Kleinen Waffenschein“ seit 2013 bis heute auf 485.000 Inhaber mehr als verdoppelt habe. Im Landkreis stieg die Zahl von 42 neuen Anmeldungen in 2013 auf 685 im vergangenen Jahr – insgesamt gibt es derzeit 1733 kleine Waffenscheine im Landkreis. „Das führt dazu, dass heute hunderttausende Waffen wieder unterwegs sind“, so der Experte. Zuwanderung, Unsicherheit und Terrorismus seien die Gründe. Das mache es nicht einfacher, Schusswaffen in Deutschland zu kontrollieren.

Anscheinwaffen 
werden „scharf“ gemacht

Laut Bundeslagebericht 2016 sind die Verstöße gegen das Waffengesetz seit dem Vorjahr um 15 Prozent gestiegen. Der Kriminaloberrat plädierte für eine einheitliche Regelung in Europa. So würde beispielsweise die Slowakei noch laxer mit den Gesetzen umgehen. Ein neuer Trend seien neben dem 
„Darknet“ und weiteren Quellen sogenannte „Flobert-Waffen“: Dekor- und Salutwaffen, die eine Gesetzeslücke „bedienen“, umgebaut werden und mit 10.000 Exemplaren einen erheblichen Teil der Waffenkriminalität ausmachen.

Becker machte in diesem Zusammenhang auf die Waffenamnestie aufmerksam. Bis zum 1. Juli 2018 kann jeder, der unerlaubt eine Waffe besitzt, diese straffrei abgeben. Im Vortrag „Gebäudeabsicherung: Ganzheitlicher Ansatz aus der Sicht des Sicherheitsberaters“ erzählte Klaus Behling, der Ingenieur und Prokurist in der Bonner Beratungsfirma „von zur Mühlen‘sche“ ist, aus seiner Praxis. Der Experte sprach von misslungenen Beispielen, die im Nachhinein sehr teuer wurden. Von Fluchtwegen, die in Sicherheitszonen mündeten, von Kameras, die von Mitarbeitern verhangen wurden, weil der Chef sie nicht in Konzepte eingebunden hatte, oder von Brandschutztüren, die mit einem Holzkeil offen gehalten werden und damit die eigentliche Funktion verloren haben.

Schutzkonzepte gegen terroristische Bedrohungen

„Alles Projekte, bei denen kein Ziel genau definiert und darüber hinaus auch nur ein einziger Gedanke geführt wurde“, so Behling. Mittlerweile seien mehr als 100 Risiken ermittelt, für die es mehr als 200 Sicherheitsbausteine gebe. Die Kunst liege darin, diese zu verbinden. Für den Kunden bedeutet das, genau zu wissen, was sie wollen. Daraus könnten dann Ziel und Maßnahmen definiert werden, so Behling.

Auf dem Tagesprogramm standen noch weitere Referate von Professor Norbert Gebbeken von der Bundeswehr-Uni („Schutzkonzepte gegen terroristische Bedrohungen“) und der Ingenieurin Sanja Pohl der Firma Obermeyer aus München zum Thema „Gebäudesicherheit aus der Perspektive des Planers“. Weiterhin referierten Andreas Hallet von der Deutschen Vermögensberatung über die Unternehmer- und Gebäudeabsicherung in der Praxis und Dr. Engelbert Waßmuth von der IABG mbH über „Methoden und Verfahren zur experimentellen Untersuchung von Infrastruktur-Aufbauten“. Abschließend gab es noch eine Podiumsdiskussion, die von der Hessenfernsehen-Moderatorin Claudia Schick geleitet wurde.

von Richard Kiefer

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