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Vom Waschkessel zur Ariane-Rakete

Firmengeschichte Vom Waschkessel zur Ariane-Rakete

Mit einem Festakt feierte Roth Industries am Donnerstag sein 70-jähriges Bestehen – mit Gästen aus Politik und Wirtschaft sowie Wegbegleitern und Freunden der Familie.

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Prägen das Familienunternehmen: Heike (von links), Manfred, Dr. Anne-Kathrin und Claus-Hinrich Roth sowie Christin Roth-Jäger.

Quelle: Andreas Schmidt

Buchenau. Marit Julie Blumenstein steht an einem alten Waschkessel. Sie walkt Wäsche, rührt mit einem großen Löffel im Bottich und ist gekleidet, wie es vor 70 Jahren am Waschtag üblich war. Doch die junge Frau ist nicht aus der Zeit gefallen – vielmehr ist die Auszubildende von Roth Industries Teil der quasi „lebendigen“ Ausstellung mit Meilensteinen der Firmengeschichte. Und der Bottich, in dem sie rührt – der „Bögro Kesselofen“ – legte den Grundstein für das heutige Unternehmen mit einem für dieses Jahr prognostizierten Umsatz von 275 Millionen Euro, wie der Chief Executive Officer Matthias Donges in seiner Ansprache verdeutlichte.

Ihn habe die Frage umgetrieben, ob 70 Jahre ein hohes Alter für ein Unternehmen seien – die Ökonomen Christian Stadler und Philip Wältermann hätten jedoch erfolgreiche Unternehmen in Europa analysiert und dabei festgestellt, dass das Durchschnittsalter bei 12,3 Jahren liege. Gemessen daran sei Roth geradezu ein Methusalem, „aber wir sind kein bisschen müde und stecken voller Energie“, versicherte Donges.

Wie weit die Innovationskraft reiche, könne man auch daran sehen, dass die neue europäische Trägerrakete Ariane 6 über ein kohlefaserverstärktes Raketenmotorgehäuse verfüge. Und die Maschine, um die Wicklungen der Kohlefaser zu bewerkstelligen, stamme von Roth Industries.

Immer wieder habe das Unternehmen auf Veränderungen reagiert, die Inhaberfamilie habe Roth vorsichtig und bedacht weiterentwickelt, durch Diversifikation in verwandte Themengebiete neue Märkte erschlossen. „Fehler, die nicht ausbleiben können, führten zu Verbesserungen und konsequenten Korrekturen. Letztlich dominieren die Erfolge die Misserfolge deutlich. Sonst würde Roth heute nicht mehr bestehen oder wäre nicht mehr in der Hand der Gründerfamilie“, sagte Donges.

Redner bekräftigen Bedeutung für die Region

„Nicht wenige Unternehmen verdanken ihre Gründung dem Aufbruchsprozess nach dem zweiten Weltkrieg“, sagte Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) in seinem Grußwort. Er sei sich nicht sicher, ob Firmengründer Heinrich Roth damit gerechnet habe, dass „die Firma Ihres Sohnes und Ihrer Enkel in der achten Dekade des Bestehens Beiträge zum Fliegen quasi zum Mond leisten werde“. Das zeige aber auch die Wechselhaftigkeit, die in 70 Jahren Firmengeschichte liege. Die Stärke von Familienunternehmen sei es, ihren Mitarbeitern eine langfristige Perspektive zu bieten – „Unternehmern wie Roth muss man den Begriff ,corporate social responsibility‘ – also unternehmerische Sozialverantwortung – nicht erklären“, so Schäfer.

Andreas Tielmann, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Lahn-Dill, betonte, dass Unternehmen und Unternehmer wie Roth eine immense Bedeutung für die Region hätten – auch wegen des starken persönlichen Engagements. Als die größte Herausforderung bezeichnete Tielmann die Sicherung des Fachkräftebedarfs, denn er sei das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. „Das kann die Wirtschaft nicht alleine schaffen“, sagte er – die Politik müsse unterstützend eingreifen.
Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt (FW) betonte, dass Roth fest mit der Gemeinde verwurzelt sei – „als Weltmarktführer anerkannt zu werden und trotzdem eine Verbundenheit zur Heimat zu haben – das ist das, was man hier lebt“, sagte er.

Höhepunkt war – neben der historischen Ausstellung der Meilensteine – die Buchvorstellung von „Vom Handwerksbetrieb zum Weltmarktführer – ein Leben für das Familienunternehmen“, das Manfred Roth (Foto: Schmidt) geschrieben hat. Auf 214 Seiten stellt der Unternehmer mit persönlichen Anekdoten und im Gespräch mit Zeitzeugen die Unternehmensgeschichte von der Gründung durch seinen Vater Heinrich Roth bis heute dar.

Dr. Anne-Kathrin Roth stellte das Buch ihres Vaters dem Publikum vor. Es zeige, wie Innovationen und strategische Weichenstellungen die positive Entwicklung von Roth bis zur Weltmarktführerschaft begründet hätten.

Manfred Roth erklärte im Dialog mit seiner Tochter: „Ich hatte die beste Aufgabe meines Lebens erhalten – nämlich das eigene Familienunternehmen zu entwickeln.“ Schon lange habe er eine innere Verpflichtung gefühlt, „die Geschichte unseres Unternehmens festzuhalten und bin glücklich, dies mit meinem Buch realisiert zu haben“. Besonders freue er sich, dass die Zukunft des Familienunternehmens gesichert sei – denn alle drei Kinder hätten als geschäftsführende Gesellschafter bedeutende Leitungsaufgaben übernommen. „Roth wird auch in der nächsten Generation ein Familienunternehmen bleiben.“

von Andreas Schmidt

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