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Majestäten geben sich ihr Stelldichein

Gladenbach Majestäten geben sich ihr Stelldichein

Sie alle sind in die Geschichte der Stadt Gladenbach eingegangen. Sie haben ihre Heimatstadt bei einer Vielzahl an Anlässen repräsentiert und stehen für eine lange Tradition: die Kirschenköniginnen.

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Zur Erinnerung ans Treffen gab es im Haus des Gastes ein Gruppenfoto.

Quelle: Björn-Uwe Klein, Sascha Valentin

Gladenbach. Den ehemaligen „Regentinnen“ widmet der Heimat- und Museumsverein Amt Blankenstein derzeit eine Fotoausstellung, die am Freitag eröffnet wurde.

Dazu hatte der Verein alle 60 noch lebenden Kirschenköniginnen seit 1950 eingeladen. 33 kamen – „eine tolle Zahl“, fand Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim. Für die verstorbenen Kirschenköniginnen Helga Kniese, geborene Zacharias und Ute Judt, geborene Pölkmann, legten die Anwesenden eine Schweigeminute ein.

Knierim betonte, dass das laufende Jahr aufgrund der hohen Dichte an Jubiläen ein besonderes für die Stadt Gladenbach sei. Auf einen Kommers habe man bewusst verzichtet, stattdessen sollten über das Jahr verteilt mehrere lockere Veranstaltungen stattfinden. Er stellte fest, dass es wohl gelungen sei, mit der Fotoausstellung eine lebhafte Auftaktveranstaltung auf die Beine zu stellen.

Marion Lange, Vorsitzende des Heimat- und Museumsvereins, nutzte den feierlichen Rahmen, um einige Anekdoten aus der Geschichte des Kirschenmarktes zu erzählen, eine davon aus dem Jahr 1950. Damals äußerte der Stadtjugendring Einwände gegen die Wahl einer Kirschenkönigin. „Es gehört nicht zu echter Mädchenart, sich öffentlich zur Schau zu stellen und sich nach äußerem Schmuck beurteilen zu lassen“, zitierte Lange aus einem damaligen Schreiben des Stadtjugendrings an die Stadt. Und weiter: „Jugend braucht nicht Menschenkult, sondern Freude, die die Bereitschaft zu selbstlosem Dienst weckt in einer Zeit, in der neue Leiden über unsere Brüder und Schwestern hinter dem Eisernen Vorhang gehen.“

Glücklicherweise habe sich der Stadtjugendring nicht durchgesetzt. Auch den „königlichen Streit“ von 1986 sparte Lange, die 1982 selbst das Zepter der Kirschenkönigin übernahm, nicht aus. Beim damaligen Hessentag in Herborn waren in einer Live-Übertragung im Fernsehen zwei Thronwagen zu sehen, auf denen jeweils eine Kirschenkönigin saß: Die Gladenbacher Kirschenkönigin und die Regentin aus der Kirschenmetropole Witzenhausen. Der Witzenhäuser Bürgermeister meldete sich daraufhin schriftlich bei seinem Gladenbacher Amtskollegen Dellnitz und gab an, dass Witzenhausen bereits seit 20 Jahren eine Kirschenkönigin wähle. „Er meldete quasi ,ältere Rechte’ an“, sagte Lange und verwies auf die postwendende Antwort aus Gladenbach: „Wie überrascht dürfte der Witzenhäuser Rathauschef gewesen sein, als er erfuhr, dass man in Gladenbach bereits seit 1950 eine Kirschenkönigin wähle.“ Lange ließ jede der anwesenden Regentinnen zu Wort kommen und wies dabei auch auf so manche, mit der jeweiligen Amtszeit verbundene Kuriosität hin. So erlebte Roswitha Schneider, geborene Weber, zweimal die Krönung zur Kirschenkönigin: 1959 und 1961. Ihre Schwester Richarda Schneider, geborene Weber, war die am weitesten angereiste Teilnehmerin, sie wurde 1951 als zweite Gladenbacher Kirschenkönigin gewählt.

von Björn-Uwe Klein

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