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Hinterland DGB fordert „grundlegende Reformen“
Landkreis Hinterland DGB fordert „grundlegende Reformen“
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17:03 25.04.2017
Der Demonstrationszug wird am 1. Mai vom DGB-Haus zum Marktplatz und dann zum Elisabeth-Blochmann-Platz ziehen. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Es gehört zur Tradition: Am 1. Mai, dem „Tag der Arbeit“, findet auch in Marburg ein Demonstrationszug mit Kundgebung der Gewerkschaften und verschiedener Organisationen statt. Im Mittelpunkt wird die Mai-Rede des DGB-Kreisvorsitzenden Pit Metz stehen. „Das Mai-Motto ,Wir sind viele. Wir sind eins.‘ verdeutlicht zunächst, dass die Gewerkschaften an einem Strang ziehen. Aber es ist auch ein Bekenntnis zur multikulturellen Ausrichtung unserer Gesellschaft – und ein klares Zeichen gegen Rechtspopulisten“, sagt Metz.

Das werde sich auch an der Zusammensetzung der Demonstration zeigen, bei der traditionell etwa auch türkische und kurdische Organisationen dabei seien, „die immer friedlich miteinander umgehen“. Zudem werden wohl auch die „von Kürzungen betroffenen Kultur- und Sozial-Initiativen zeigen, was sie von den Sparplänen des Oberbürgermeisters halten“, sagt Metz.

Demo

Los geht es bereits am Sonntag, 30. April, mit der „Vor-Mai-Feier“ ab 18 Uhr in der Waggonhalle: Dort präsentieren Erich Schaffner und Georg Klemm unter dem Titel „Schwarz-Rot-Gold sättigt nicht“ ein Programm mit Liedern und Texten von Bertolt Brecht, Erich Kästner und Kurt Tucholsky.

Start des Demonstrationszugs ist am Montag, 1. Mai, um 11 Uhr am DGB-Haus in der Bahnhofstraße. Von dort geht es zum Marktplatz, wo die Kundgebung geplant ist. Der DGB-Kreisvorsitzende Pit Metz hält die Mairede. Im Anschluss geht es weiter auf den Elisabeth-Blochmann-Platz zum Maifest: Für das kulturelle Programm zeichnet Kai Degenhardt verantwortlich, zudem findet ein Familienfest mit Hüpfburg statt. Grußworte gibt es von Landrätin Kirsten Fründt (SPD) und Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies.

Bei seiner Rede werde er „das große Feld der prekären Beschäftigung“ in den Mittelpunkt stellen. Ob Mini-Jobber, nicht freiwillig Teilzeitbeschäftigte, Leiharbeitnehmer, Aufstocker – „die Arbeitswelt in Deutschland ist längst nicht so gut bestellt, wie es Politiker immer darstellen“, sagt Metz. „Wer sagt, dass wir ganz gut dastehen, der versündigt sich an allen armen Menschen in diesem Land“, verdeutlicht er.

Dass die Industrie vergangenes Jahr eine Aussetzung des Mindestlohns für Flüchtlinge gefordert habe, ist für Pit Metz „ganz klar Unzucht mit Abhängigen – es ist eine Schweinerei vor dem Herrn, dass einer der wenigen sozialen Fortschritte sofort wieder rückgängig gemacht werden sollte“, wettert er.

Im „Superwahljahr“ habe man klare Forderungen: „Wir brauchen echte Reformen. Wer als SPD-Spitzenkandidat sagt, er wolle an der Agenda 2010 hier und da etwas korrigieren, der muss sagen, was er korrigieren will. Und dann werden wir abfragen, ob das tatsächlich tiefgehend genug ist, um in der Arbeitswelt grundlegende positive Veränderungen auszulösen.“

Gewerkschaftssekretär Dr. Ulf Immelt macht klar: „Die Hälfte­ der Bevölkerung in unserem­ Land besitzt de facto kein ­Privatvermögen, gleichzeitig wächst das Privatvermögen aber ­minütlich – und zwar vor allem ­
bei den Reichen.“

Dieser Reichtum sei „nicht vom Himmel gefallen, sondern ist das Ergebnis von einer Politik, die gesagt hat: ,Hauptsache Arbeit‘ – egal, was für eine Arbeit. Das hat zu einem riesigen Niedriglohnsektor mit mehr als sieben Millionen Menschen geführt, die weniger als neun Euro in der Stunde verdienen.“ Betroffen seien davon hauptsächlich junge Leute oder auch Flüchtlinge, so Immelt.

Kampf gegen das 
„Befristungs-Unwesen“

Marianne Winter von der GEW verdeutlicht dies am Thema Befristungen im Bildungsbereich: „Das sind Zwangsbefristungen, an denen die jungen Leute nicht vorbeikommen“, als Grund diene immer die Schuldenbremse. „Eine Existenz, eine Partnerschaft oder eine Familie können sie so nicht aufbauen“, sagt sie. Gegen dieses „Befristungs-Unwesen“ müsse man vorgehen.

Gleichzeitig erhöhe der Bund aber immer weiter seine Rüstungs-Ausgaben, „Zukunfts-­Investitionen in die Bildung ­wären aber wesentlich wichtiger“, sagt Ralf Schrader von den DGB-Senioren. Und sein Kollege Peter Böcher vermutet, dass sich die Arbeitssituation durch das Thema „Industrie 4.0“ noch verschlechtern wird.

Tugba Bakirci verdeutlicht, dass Jugendorganisationen von den Gewerkschaften, von Parteien und Organisationen an der Demo teilnehmen würden. „Wir haben vier zentrale Forderungen: Ausbildungsplätze für alle, unbefristete Übernahme, gleicher Lohn für gleiche Arbeit und das Verbot von Leih- und Zeitarbeit“, sagt sie.

von Andreas Schmidt

Ralf Schrader (von links), Pit Metz, Tugba Bakirci, Ulf Immelt, Marianne Winter und Peter Böcher stellten die Forderungen der Gewerkschaften vor. Foto: Andreas Schmidt

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