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Hinterland Mädchen und Jungs tauschen die Rollen
Landkreis Hinterland Mädchen und Jungs tauschen die Rollen
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19:46 26.04.2012
Johanna Voh (links) und Tamina Stenger mit Zirkel und Lineal beim Biedenkopfer Unternehmen Krämer + Grebe zeichnen die vorher auf dem PC konstruierten Blumen auf ein Blech und schneiden sie anschließend aus. Quelle: Nadine Weigel, Klaus Peter

Marburg/Wallau. Mehr als 117.000 Mädchen informierten sich während des gestrigen Aktionstage über Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie Berufe im Bereich Metallbau und Mechatronik.

Bei den etwa 33.000 Jungs standen Kindertagesstätten und Pflegeberufe im Vordergrund – auch bei zahlreichen Unternehmen im Landkreis.

Während bei der OP ein Mädchen und zwei Jungs in den Redaktionsalltag hinein schnupperten, informierten sich bei dem Betrieb Krämer + Grebe im Biedenkopfer Stadtteil Wallau vier junge Frauen über die Berufsbilder des Technischen Produktdesigners und des Technischen Modellbauers.

Seit dem Jahr 2008, so berichtete Myriam Soualmia, Assistentin der Geschäftsführung, beteiligt sich Krämer + Grebe aktiv am Girls‘Day und lädt jeweils vier Schülerinnen ein. Ziel sei es, Mädchen für die doch eigentlich typischen Männerberufe, wie die des Technischen Produktdesigners und des Technischen Modellbauers zu begeistern.

Tamina Stenger, Johanna Voh, Juliane Ferchland und Selina Onderka, alles Achtklässlerinnen der Biedenkopfer Lahntalschule, durften sich gestern in den beiden Ausbildungsberufen des Unternehmens ausprobieren. Nach einem kurzen Rundgang durch das Werk hieß es für die vier Schülerinnen dann an zwei Computer-Arbeitsplätzen nach einem CAD-System unter Anleitung von Konstrukteurin Annalena Weide eine Blume zu konstruieren, die später in der Ausbildungswerkstatt konkrete Formen annahm. Dort zeichneten die vier unter den Augen von Ausbildungsmeister Gerhard Reitz mit Zirkel und Lineal besagte Blume in ihren Details auf ein Feinblech auf, um sie anschließend per Hand auszuschneiden.  

„Wir wollten uns mal über die technischen Berufe hier informieren“, erklären Selina Onderka und Juliane Ferchland gegenüber der OP. Sie hätten sich noch nicht festgelegt, welchen Beruf sie später einmal lernen wollen. Tamina Stenger erklärte, dass es für sie interessant gewesen sei, den Beruf ihres Vaters kennenzulernen, der bei Krämer + Grebe arbeitet. Mitschülerin Johanna Voh habe sich dann auch entschlossen, zum Girls Day einmal einen technischen Beruf auszuprobieren.

Als Erinnerungsstück durften die Schülerinnen die selbst konstruierte und handgefertigte Blume mit nach Hause nehmen.

Krämer + Grebe stellt Modelle und Werkzeuge für Gießereien her und wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. Derzeit beschäftigt das Unternehmen etwa 180 Mitarbeiter. Jährlich werden nach Angaben von Myriam Soualmia bis zu fünf Auszubildende in den Berufen Technischer Produktdesigner, Technischer Modellbauer und Zerspanungsmechaniker eingestellt. Für diese Berufe hätte es in den vergangenen Jahren durchschnittlich bis zu 100 Bewerber gegeben.

Bedingt durch die geburtenschwachen Jahrgänge sei das Unternehmen nun auch bestrebt, Mädchen für diese bisher typischen Männerberufe zu begeistern, um in Zukunft ausreichend Fachkräfte im Unternehmens zu haben – und genau das sei schließlich das Ziel des bundesweiten Aktionstages.

von Klaus Peter