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Lüge im Alkoholrausch endet vor dem Amtsgericht

Urteil Lüge im Alkoholrausch endet vor dem Amtsgericht

Zu 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilte das Amtsgericht Biedenkopf einen 30-jährigen Hinterländer, da dieser nach einem vermeintlichen Überfall die Polizei alarmieren ließ.

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Biedenkopf. War der Überfall ein Phantasiegebilde nach Alkoholgenuss oder entsprach dieser der Realität? In dieser Frage musste sich ein 30-Jähriger aus dem Hinterland vor dem Amtsgericht Biedenkopf verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, am 10. Januar dieses Jahres gegen 2.55 Uhr wider besseres Wissen eine zufällig vorbeikommende Person die Polizeistation Biedenkopf alarmiert haben zu lassen. Der Angeklagte habe gegenüber den Polizisten vorgegeben, durch sechs Personen ausgeraubt worden zu sein. Dabei seien sein Schlüsselbund, das Handy und der Geldbeutel abhanden gekommen.

Richter Mirko Schulte befragte den Angeklagten nach dem vermeintlichen Tathergang. Dieser gab an, dass er sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Heimweg befunden habe, betrunken gewesen sei und sich nicht genau erinnern könne. Er habe wohl auf dem Boden gesessen, jemand hätte angehalten, dem er zu verstehen gegeben habe, dass er von sechs Personen überfallen worden sei und dass ihm die besagten Gegenstände fehlten. Das Handy und das Portemonnaie hätten sich jedoch zu Hause auf der Ablage des Briefkastens wiedergefunden. Etwas Ähnliches sei ihm vor etwa 18 Monaten passiert. Damals habe ihn seine Frau verlassen und er sei nach einer Feier von drei Personen angegriffen und verletzt worden. Die Verletzung hätte genäht werden müssen

Auf seinen Alkoholkonsum befragt, antwortete der Angeklagte, dass er eher selten und wenn, dann in Gesellschaft Alkohol trinke. Richter Schulte bemerkte, dass der Blutalkoholwert von 1,98 Promille beim vermeintlichen Überfall am 10. Januar ein „stolzer Wert“ sei. Er fragte den Angeklagten, ob es sein könne, dass der Überfall seiner Phantasie entsprungen sei. Der Angeklagte erwiderte, dass er ziemlich betrunken gewesen sei und sich nicht erinnern könne. Richter Schulte wies darauf hin, dass der Angeklagte vor der Verhandlung um Einstellung des Verfahrens gebeten habe, da er eine Geldstrafe aufgrund seiner angespannten finanziellen Lage nicht zahlen könne.

Der Staatsanwalt ermahnte den Angeklagten und machte deutlich, dass er wenig Nachsicht kenne, wenn jemand der Polizei Geschichten erzähle, die nicht stimmen. Die Aufgabe der Polizei sei es, wirkliche Taten aufzuklären. Die Einstellung des Verfahrens könne nur gegen Auflagen erfolgen. Er beantrage eine Geldstrafe von 400 Euro.

Richter Schulte verurteilte den Angeklagten zu 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit und mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft zu einer sechsmonatigen Einstellung des Verfahrens.

von Helga Peter

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