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Hinterland Lohras Straßen sind unter dem Mittelmaß
Landkreis Hinterland Lohras Straßen sind unter dem Mittelmaß
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00:17 26.09.2018
Setzungen, Risse, Ausbrüche und Flicken – so schlimm 
wie der Zustand der Biegenstraße ist es an einigen 
Stellen in Lohra. Anhand einer Auswertung der Straßenzustände soll jetzt eine Prioritätenliste für die Straßenerneuerung entstehen. Quelle: Gianfranco Fain
Lohra

Jährlich 200.000 Euro reichen bei Weitem nicht, und auch 400.000 Euro pro Jahr wären nur unter die Erde gebracht, ohne dass sich am durchschnittlichen Zustand der Straßen in Lohra etwas bessern würde. Selbst wenn die Gemeinde pro Jahr 600.000 bis 700.000 Euro in die Straßenerneuerung investieren würde, könnte dadurch nur der gegenwärtige Zustand erhalten bleiben.

Um einen guten Zustand zu erreichen, müsste die Gemeinde in einem Jahr sieben Millionen Euro in ihre Straßen investierten, gefolgt von 900.000 Euro in weiteren vier Jahren und danach ebenso lang 300.000 Euro. Dass diese Zahlen bei der defizitären Kassenlage der Gemeinde Lohra utopisch sind, weiß auch Kim Gebauer.

„Adlerauge erstelle Straßenkataster“

Der Diplom-Ingenieur der Firma „eagle eye technologies“ sprach auch keine Empfehlung aus, sondern zeigte nur Möglichkeiten auf, die sich aus der Erfassung der Straßenzustände in der Gemeinde Lohra ergaben. Und die sind nicht gut. Den durchschnittlichen Gesamtwert der Schäden siedelt Lohra im Vergleich zu anderen Gemeinden „deutlich im hinteren Mittelfeld“ an.

Dass es bei den Fahrbahnen und darunter einen Investitionsstau gibt, war den Verantwortlichen der Gemeinde bewusst. Nun haben sie es schwarz auf weiß – und folgt die Gemeindevertretung der Empfehlung des Haupt- und Finanzausschusses, so wird der Gemeindevorstand beauftragt, eine Prioritätenliste zu erstellen und nach Möglichkeiten der Finanzierung für die Straßenerneuerung zu suchen.

Grundlage dafür wird das Straßenkataster sein, das die Gemeinde für rund 20.000 Euro von „eagle eye technologies“ erstellen ließ. Dazu fuhren deren Fahrzeuge im Frühjahr die Straßen der Gemeinde ab und hielten alle fünf Meter mit zehn Bildern fotografisch deren Zustand fest. Rund 200.000 Quadratmeter an Fahrbahnen und weitere 50.000 Quadratmeter sonstiger befestigter Flächen kamen so zusammen.

Den Zustand der Straßen erfasste eine Firma mit einem speziellen Fahrzeug. Privatfoto

Die Digitalisierung der Daten ermöglicht eine detailgetreue Abbildung der Verkehrsinfrastruktur der Gemeinde, die um eine Darstellung der Zustandsbewertung ergänzt werden kann. Grundlage dafür ist die Erfassung und Einordnung der Schäden in acht Klassen. In Lohra sind es Ausbrüche, Setzungen und Risse sowie Flicken auf den Straßenbelägen, die zum folgenden Ergebnis führen: 25 Prozent der Straßen gelangen in der Bewertung in die dritt- und vorletzte Zustandsklasse, 50 Prozent in die beiden mittleren Klassen.

Die häufigsten Schäden sind Setzungen und Risse. Risse sind ein Indiz für Überbeanspruchung, Setzungen für eine unzureichende Verfestigung des Ober- und/oder des Unterbaus. Da sich Schäden durch Risse „stark progressiv“ weiterentwickeln, empfiehlt das Erhaltungskonzept, zuerst für rund 50 Straßenabschnitte zu entscheiden, ob eine „ergänzende Oberflächenbehandlung“ wie das Verfugen von Rissen erfolgen soll. Wenn nichts getan werde, worunter auch die 200.000-Euro-Lösung fällt, wäre laut Erhaltungskonzept im Jahr 2027 an rund 80 Prozent der Lohraer Flächen etwas zu tun.

von Gianfranco Fain