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Hinterland Lohra kürzt Zuschuss für Jugendarbeit um 50 Prozent
Landkreis Hinterland Lohra kürzt Zuschuss für Jugendarbeit um 50 Prozent
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22:10 03.02.2012

Damm. Lohras Gemeindevertreter machen Ernst mit ihren Sparbemühungen, um die Finanzen der Gemeinde zu sanieren. Das war am Donnerstagabend nicht nur an der Diskussion um freiwillige Leistungen im Haushaltsplan zu verfolgen, sondern vermeintlich auch an den Temperaturen zu spüren, die im Dorfgemeinschaftshaus von Damm herrschten.

Dort verrichtete die Schriftführerin ihre Arbeit in Fingerhandschuhen und fast alle Gemeindevertreter behielten ihre Winterjacken an. Nur die Erste Beigeordnete Rosemarie Wollny, die Bürgermeister Georg Gaul vertrat, verzichtete darauf, ebenso wie Vorsitzender Manfred Gerhardt und die Fraktionssprecher, die für ihre Haushaltsreden in Jackets ausharrten.

Die Konsolidierung des Haushaltes war der Kern ihrer Beiträge. Davon, dass die Finanzen krank seien, sprach Harald Rink. Ein Beitrag zur Therapie sei die Haushaltssicherungskommission, in der nun erfreulicherweise alle Fraktionen mitarbeiteten, betonte der BFB-Fraktionsvorsitzende. Deren Empfehlungen sei der Gemeindevorstand zum Teil gefolgt, sagte Hermann Schorge. Der Sozialdemokrat betonte aber, dass man bei den Bürgern nur Verständnis für die Entscheidungen erhalte, wenn diese „Streichungen und Kürzungen“ rechtzeitig vermittelt und die Prinzipien der Gerechtigkeit und Gleichbehandlung beachtet würden.

Damit sprach er die ersatzlose Streichung der kirchlichen Jugendarbeit an. Dagegen hatte schon Inge Dörr (SPD) im Hauptausschuss die Wiedereinstellung der 6.000 Euro beantragt. Gegen diese Kürzung ohne Vorwarnung sprach sich auch Pfarrer Hans-Peter Kovacs (BfB) aus, weil die Kirche darauf nicht mehr reagieren könne. Man solle den Bedarf der Kirche abfragen, um die Stelle des Mitarbeiters zu erhalten. Schorge wandte ein, dass nicht nur die Kirche, sondern auch die Vereine einen Bedarf hätten. Deshalb könne über den Antrag beschlossen werden.

Werner Waßmuth (CDU) sprach von einer unpopulären Entscheidung, wie sie in diesem Jahr noch öfter zu fällen sei. Er riet der Kirchengemeinde: „Über Spenden ist eine Menge zu machen.“ Hans-Wilhelm Kisch (BfB) erinnert daran, dass es sich um eine freiwillige Leistung handelt und Karl Klefenz von einem großen Defizit für die Gemeinde und einem kleinen für die Kirche, was so nicht ginge.

Schließlich stimmten 15 Gemeindevertreter bei 8 Gegenstimmen und 4 Enthaltungen für einen Änderungsantrag der SPD, nachdem Dörr ihren Antrag auf Wiederaufnahme der Förderung der kirchlichen Jugendarbeit zurückgezogen hatte. Nun wird die Förderung der Jugendarbeit in Kirche und Vereinen um rund 50 Prozent gekürzt und dies über Reduzierungen im Wirtschaftswegebau finanziert. Die Haushaltssatzung erhielt anschließend 24 Ja- und eine Neinstimme sowie zwei Enthaltungen.

von Gianfranco Fain